Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Kleidung ist in der Schule in Ordnung?

Welche Kleidung ist in der Schule angemessen? Darüber gehen die Meinungen auseinander.
Welche Kleidung ist in der Schule angemessen? Darüber gehen die Meinungen auseinander.

Knappe Tops, kurze Röcke, T-Shirts mit gewissen Aufdrucken: Vor allem im Sommer flammt immer wieder die Diskussion um eine Kleiderordnung an Schulen auf.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hat WHG-Schulleiter Armin Rebholz darüber mit der Schülervertretung diskutiert. „Die sind ebenfalls unsicher“, schildert er seinen Eindruck. Im Schulgesetz und der Schulordnung des Landes sieht er keine Handhabe für eine Regulierung der Textilienauswahl seiner Schülerschaft. Rebholz betont, dass es dabei nicht nur um die knappe Bekleidung der Schülerinnen gehe, sondern auch um Jogginghosen, Kappen oder besonderes Schuhwerk. An manchem Outfit würden sich nicht nur Lehrkräfte oder Eltern stören, auch einigen Mitschülern gefalle das nicht. „Die Mädchen, die nicht mitmachen, werden dann als nicht so hübsch angesehen“, weiß er.

Rebholz sieht die Eltern in der Pflicht, ihrem Nachwuchs näherzubringen, dass in der Schule ein gewisser Kleidungsstandard angebracht ist. Im Büro werde schließlich auch andere Kleidung getragen als im Garten, merkt er an. Andererseits habe sich auch in vielen Businessbereichen die Meinung geändert, was denn angemessene Kleidung sei. Ein Problem sieht er allerdings in der Definition: „Wer legt denn die Regeln fest, was angemessen ist?“, fragt der Schulleiter mit der Gewissheit, dass die Meinungen hier weit auseinander gehen.

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Deidesheim-Wachenheim ist da schon längst weiter. Bereits 2015 hat die Schulgemeinschaft aus Schülervertretung, Schulelternbeirat und Kollegium in der Hausordnung festgelegt: „Eine zu freizügige Kleidung ist unerwünscht.“ Für jede Kleidung gebe es den richtigen Ort und die richtige Zeit, steht da. Der stellvertretende Schulleiter Norbert Fuchs berichtet, dass das gut funktioniere. „Die Schüler verstehen, dass die Schule ein Ort des Lernens ist“, und damit anders. Was angemessen sei, zeige die Reaktion der Schulgemeinschaft, da gebe es selten Probleme. Fuchs sagt aber auch: „Ich wage die These, dass wir sehr großzügig sind, was Individualismus angeht.“ Seine Schulgemeinschaft sei als Schwerpunktschule sicherlich von vorneherein bunter als manch andere. Kein Pardon gibt es an der IGS bei Kleidungsstücken mit gewaltverherrlichenden oder politischen Parolen. Diese gehören laut Hausordnung nicht in die Schule. „Schließlich sind wir „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ betont Fuchs.

Unangemessen oder modischer Trend?

Auch an der Bad Dürkheimer Carl-Orff-Realschule spiele das keine größere Rolle, erklärt Schulleiter Achim Walk in einer E-Mail: „Wir achten darauf, dass alle Schüler, Lehrer, Fachkräfte in angemessenem Outfit kommen.“ So sind in der Hausordnung ausdrücklich politische, religiöse und jugendgefährdende Inhalte auf Kleidungsstücken, Taschen oder Dingen im Sinne eines respektvollen Miteinanders nicht erlaubt. „Sollte dies einmal nicht der Fall sein, sprechen wir den Schüler oder die Schülerin darauf an und hoffen, so eine Veränderung zu bewirken“, erläutert Walk. Im letzten Schuljahr habe er nur einmal die Erziehungsberechtigten kontaktieren müssen und das Problem sei gelöst worden. Allerdings sei die Beurteilung von angemessener Kleidung natürlich höchst subjektiv, gibt er zu. Einzelfälle würden daher quasi „mehrheitlich“ entschieden, Schulleitung, Kollegium und Sekretariat besprechen sich, wenn jemandem etwas auffalle. „Es kam auch schon vor, dass ich etwas als unangemessen empfand, aber die Personen, die ich um ihre Meinung fragte, mir sagten, dass dies eigentlich akzeptabel sei, weil es zurzeit modischer Trend wäre“, erzählt der Schulleiter. So habe auch er dazugelernt und seine Sichtweise erweitert.

Auch die Hausordnung der Von-Carlowitz-Realschule Plus in Weisenheim am Berg beinhaltet solche Passagen. Die angemessene Kleidung wird aber noch konkretisiert: „Keine Militär-, Disco- oder Strandkleidung, beziehungsweise Kleidung mit gewalt- oder drogenverherrlichenden Motiven.“ Auch das Tragen von Baseballcaps ist im Schulgebäude verboten. „Die Schüler akzeptieren das“, sagt Schulleiterin Petra Guth. Auch an der Realschule Plus hat die Gesamtkonferenz diese Formulierungen gemeinsam vereinbart, betont sie den Konsens. Anlass vor rund zehn Jahren seien die damals aus den niedrigen Hosenbunden herausguckenden String-Tangas gewesen, erinnert sich Guth an das damalige Aufreger-Thema. Diese Regeln und allgemein die Hausordnung würden jedes Jahr mit den neuen Schülerinnen und Schülern besprochen. Ab und zu müsste mal jemand darauf hingewiesen werden, aber da die Regeln gelebt werden, würden sie auch akzeptiert. „Bei uns ist das kein Thema, weil keins draus gemacht wird“, sagt Guth. Sie persönlich fände eine Schulkleidung gut. Kollegen, die im Ausland damit zu tun hatten, hätten das für gut befunden. „Dann hätten wir damit überhaupt keine Probleme“, erklärt die Schulleiterin.

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