Bad Dürkheim / Wachenheim
Welche Folgen der Warnstreik für Pendler, Schulen und Verkehr hatte
Das von vielen befürchtete Chaos im morgendlichen Berufs- und Reiseverkehr ist am Montag doch nicht so heftig ausgefallen. Viele Menschen hatten sich aufgrund der Ankündigung der Gewerkschaften, am Montag den öffentlichen Verkehr lahmzulegen, um ihren Forderungen nach höheren Löhnen Nachdruck zu verleihen, offenbar um alternative Transportmöglichkeiten gekümmert oder kurzfristig einen Urlaubstag beantragt. Ein kleines Trostpflaster gab es für die Dürkheimer dann aber auch noch: Die Buslinien in der Stadt, die von einem Privatunternehmen betrieben werden, verkehrten wie gewohnt.
Schulkinder warten vergeblich
Auch Jonny Papistock, der als selbstständiger Unternehmer im Bahnhof Tickets verkauft, war pünktlich an seinem Arbeitsplatz erschienen. „Ich musste heute schon ein paar Leute vertrösten und habe ihnen geraten, ihre Reise morgen anzutreten“, berichtet Papistock, der auch ein paar Schulkinder wieder nach Haus schicken musste.
„Es ist mir ein Rätsel, wie die Eltern ihre Kinder zum Bahnhof schicken, damit sie in die Schule fahren. Haben die zu Hause keinen Fernseher, Radio oder Internet?“, fragt sich Papistock kopfschüttelnd.
Verständnis für die Streikenden
Ein Kunde, der eine Fahrkarte für den nächsten Tag kaufte, zeigt Verständnis für die Streikenden. „Ich verstehe die Leute. Die wollen auch mal wieder etwas mehr Geld im Portemonnaie haben, um die überall gestiegenen Preise bezahlen zu können. Die Tariferhöhungen in den letzten Jahren waren doch ein Witz, und jetzt wollen sie mal richtig was in der Lohntüte haben“, sprach der Dürkheimer, der sich anschließend auf den Weg nach Kaiserslautern machte – mit dem Auto.
Wer gedacht hatte, dass es kaum freie Taxen in Bahnhofsnähe geben würde, sah sich getäuscht. Eine Reihe von zehn Fahrzeugen wartete auf Kundschaft. „Wir stehen heute schon den ganzen Morgen mehr oder weniger rum und bekommen keine Gäste. Es ist heute schlimmer als an ganz normalen Tagen“, berichtet eine Taxifahrerin, die vermutet, dass kurzfristig viele Fahrgemeinschaften gegründet wurden.
Kaum Nachfrage nach Taxis
Das sah bei einer Gruppe von jungen Männer, die eigentlich zur Arbeit nach Mannheim fahren wollten, nicht so aus. „Wir wussten nichts von einem Streik, ehrlich“, sagt einer aus der Gruppe. Gemeinsam wollten sie Freunde anrufen, die sie eventuell fahren könnten, denn die Fahrt mit dem Taxi würde für sie aus Kostengründen nicht in Frage kommen.
Der Wachenheimer Bahnhof macht am Morgen auch einen sehr verlassenen Eindruck. Stumme Zeugen des Streiks waren hier die gänzlich verlassenen Fahrradabstellmöglichkeiten für die Pendler und Schulkinder.
Mehr los auf den Straßen
Auf den normalen Schulbetrieb hatten die Streiks hingegen keinen Einfluss. Achim Walk, Rektor der Carl-Orff-Realschule in Bad Dürkheim, berichtet am Montagmittag von einem Schultag ohne besondere Vorkommnisse. Nur sehr wenige Schüler waren wegen des Streiks nicht zur Schule gekommen. Ähnlich sah die Lage am benachbarten Werner-Heisenberg-Gymnasium aus: Auch hier machten nur wenige Schüler von der Möglichkeit Gebrauch, wegen des Streiks zu Hause zu bleiben. „Stattdessen waren die Fahrradständer voll“, sagt Rektor Armin Rebholz.
Und wie hat sich der Streik auf die Straßen der Region ausgewirkt? „Wir haben einen erhöhten Verkehrsfluss festgestellt, sowohl auf den Haupt- als auch auf den Nebenstraßen. Aber alles lief ohne Probleme“, bilanziert der stellvertretende Leiter der Bad Dürkheimer Polizeiinspektion, Daniel Mischon, am Nachmittag.