Bad Dürkheim Weinkeller wie aus dem Bilderbuch
Wenn Wachenheims Innenstadt an einem kalten Novemberabend so belebt ist wie das Ausgehviertel einer Großstadt, dann muss etwas Besonderes los sein. Am Samstag waren es die „Wachenheimer Unterwelten“, die Einheimische und Besucher ab dem späten Nachmittag auf die Straßen und vor allem darunter lockten.
Acht Gewölbekeller, darunter auch drei, die Privatleute nur für diesen Abend zugänglich gemacht haben, konnten besichtigt werden. Und die Mischung aus Keller, Kunst und Kulinarischem kam gut an. „Ich bin begeistert, wie gut die Veranstaltung angenommen wird“, sagte Tom Benns, Vinotheksmanager bei Dr.-Bürklin-Wolf. Ein Stockwerk unter ihm wandelten Spaziergänger in einem Weinkeller wie aus dem Bilderbuch: In engen Gängen lagern mannshohe Holzfässer, von Kerzen in schwaches Licht getaucht. Mehr Licht gab es im Rieslinghof, wo das Weingut Zimmermann seine winterlichen Weine vorstellte. Das Plus an Helligkeit rückte die Bilder der Neustadter Malerin Mary Dee ins rechte Licht. Ihre eigenen Fotos zeigte Alix Kuhn-Thiel im Keller ihres Hauses in der Entengasse. Bis auf die Temperaturen erinnerte die Stimmung im Innenhof der Sektkellerei bei Musik von Kerbeck & Stein ans sommerliche Weinfest. An allen Stationen in Wachenheim standen die Besucher grüppchenweise zusammen und hielten bei einem Glas Wein einen Plausch. Kuschelig warm, bei Kaffee und Kuchen oder einer deftigen Suppe, wirkte der Gewölbekeller der Familie Mandese in der Mühlgasse an diesem Abend wie die Stube einer gemütlichen Winzerwirtschaft. Ein puristischeres Kellerfeeling gab es unter dem Dahlberger Hof. In den kühlen Gewölben mit gestampften Boden zeigte Friederike Beimborn ihre Fotografien. Von hier aus, so erzählte Besitzer Wolfgang Tempel, gingen früher Gänge in benachbarte Keller ab, die jedoch irgendwann zugemauert worden sind. Die feinen Tropfen eigener Herstellung zeigten die Wachtenburg Winzer in ihrem Holzfasskeller. Wein und Whiskey hinter Gittern gab es in der gerade erst eröffneten Winebank zu sehen. Zwischen den Boxen, in denen schon einige betuchte Kenner ihre Schätze lagern, herrschte besonders viel Andrang. Nach der langen Phase der Renovierung war die Neugierde auf das Lager groß. Das Fazit von Beteiligten und Besuchern: Die „Wachenheimer Unterwelten“, heuer zum Stadtjubiläum aus der Taufe gehoben, wäre auch im kommenden Jahr eine Bereicherung im Terminkalender der Wein- und Sektstadt. |awg