Wie war Ihr Jahr? RHEINPFALZ Plus Artikel Weinkönigin Saskia Teucke: „Ich würde gerne wieder reisen“

Mit Glas, Charme und Krone: Im Interview verrät Weinkönigin Saskia Teucke aus Weisenheim am Sand, was für eine Weinhoheit nach d
Mit Glas, Charme und Krone: Im Interview verrät Weinkönigin Saskia Teucke aus Weisenheim am Sand, was für eine Weinhoheit nach der Kopfbedeckung das zweitwichtigste Kleidungsstück ist.

Saskia Teucke aus Weisenheim am Sand, die im Oktober zur Pfälzer Weinkönigin gewählt wurde, hat ihre Krone bislang selten getragen. Die 25-Jährige ist jedoch zuversichtlich, dass dies im neuen Jahr anders aussieht. Außerdem feilt sie gerade an neuen digitalen Auftritten.

Frau Teucke, wie war Ihr Jahr?
Lehrreich und sehr lernintensiv. Ich habe viel gelernt in Sachen Wein.

Wann lernt man mehr? Vor der Wahl oder danach mitten im Amt?
Beides. Man bereitet sich ja bewusst auf dieses Amt vor, zum Beispiel im Gespräch mit den Winzern. Aber man lernt natürlich auch während der Amtszeit immer wieder Neues hinzu.

Sie arbeiten ja in der BASF-Weinkellerei und haben da auch mit Wein zu tun. Was fehlt denn da noch, wenn man Weinkönigin werden will, an Wissen für das Amt?
Insbesondere der ganze kellerwirtschaftliche Aspekt. Wie Gärprozesse ablaufen zum Beispiel. Oder man erfährt etwas über das Abpressen der Trauben, die Filtration der Weine. Da war ich sehr dankbar, dass mich befreundete Winzer an die Hand genommen und mir beispielsweise im Weinberg gezeigt haben, wie ein Rebschnitt gemacht wird. Oder ich bin einfach mitgefahren zur Lese auf dem Vollernter. Anders lernt man es nicht, und ich fand es ganz toll, dass sie sich für mich Zeit genommen haben.

Was haben Sie noch trainiert?
Rhetorische Sachen. Wir hatten zweimal Personal Training, organisiert von der Pfalzwein. Wir haben gelernt, wie man auf einer großen Bühne vor Publikum auftritt. Oder wie man mit Leuten ins Gespräch kommt, dass man keine Hemmungen zu haben braucht. Dass es immer ein Thema gibt, worüber man sprechen kann. Diese Offenheit zu schulen, war aber bei mir von vornherein kein großes Thema. Ich bin ja sehr aufgeschlossen. Ich bin schon immer offen und neugierig auf andere zugegangen.

Lernt man auch, wie man reagiert, wenn Männer sich nicht korrekt verhalten? Eine Weinkönigin kann ja nicht immer charmant sein und lächeln...
Das ist ein sensibles Thema. Ich persönlich war zum Glück noch nicht in einer solchen Situation. Aber ich glaube schon, dass ich schlagfertig genug wäre, um damit umzugehen. Aber auch bei unseren Trainings war das ein Thema. Da gibt es aber genug Möglichkeiten, wie man solchen Bemerkungen charmant aber bestimmt begegnet. Man ist zwar eine Person der Öffentlichkeit, aber man gehört sich immer noch selbst. Aber vielleicht komme ich auch durch die ganzen Corona-Abstandsregeln erst gar nicht in solche Situationen.

Was hat sich für Sie geändert seit der Wahl?
Ehrlich gesagt wegen Corona nicht so viel. Man freut sich erst einmal riesig, dass man die Wahl gewonnen hat und ist total neugierig und euphorisch auf das, was kommt. Aber leider fing es ja gleich mit dem großen Nichts an. Auch die ganze Wahlveranstaltung war ja ganz anders als sonst.

Wie oft oder zu welchen Gelegenheiten haben Sie denn Ihre Krone bislang tragen können?
Relativ selten. Das erste und offizielle Event war in Landau die Krönung der Landauer Weinprinzessin. Was auch schon ganz anders stattgefunden hat als die Jahre zuvor. Und das war der erste und einzige Termin, wo ich wirklich draußen unter Menschen die Krone tragen durfte. Ansonsten war es bei Interviews im Radio oder im Fernsehen. Aber das zweitwichtigste Kleidungsstück einer Weinkönigin ist eigentlich das Schuhwerk.

Wieso das?
Schon als Weisenheimer Weinprinzessin habe ich mich vor einem offiziellen Termin mit den Veranstaltern in Verbindung gesetzt, um auch nach der Bodenbeschaffenheit zu fragen. Kopfsteinpflaster zum Beispiel ist tödlich. Da wäre man verloren mit Pumps oder Stöckelschuhen.

Denken Sie auch manchmal: Mensch, wäre es nicht schön, wenn die Sache mit Corona schon überstanden wäre und wir könnten alle ein normales Leben führen?
Am Anfang habe ich gar nicht so sehr darüber nachgedacht. Mittlerweile sage ich: Es ist schon schade, dass in Neustadt der große Winzerfestumzug ausfallen musste. Oder auch die Weinbruderschaftsweinprobe der Pfalz. Es werden aber schon Konzepte für Alternativen ausgearbeitet. Ich hatte zum Beispiel auch eine Online-Weinprobe. Man kann schon Mittel und Wege finden. Aber annerscht is annerscht.

Wie oft kommen Anfragen für Online-Weinproben und solche Dinge?
Das könnte schon etwas mehr sein. Viele haben sich im Frühjahr schon satt gesehen an solchen Formaten. Da ist es schwer, etwas Neues zu entwickeln. Aber da sind wir dran.

Was gibt es da für Ideen?Man könnte von der klassischen Weinprobe weggehen und beispielsweise Pakete packen und gemeinsam vorstellen. Oder in Richtung Hörerlebnis etwas entwickeln. Also einen Podcast beispielsweise. Ich würde auch gerne eine Art Weinlexikon in Form von Kurzvideos drehen. Das ist natürlich auch ein zeitlicher Aufwand. Das Filmmaterial muss auch geschnitten und aufbereitet werden. Da dreht man nicht an einem Tag mal so eben vier Folgen hintereinander.

Sie müssen das ja auch beruflich miteinander vereinbaren. Was hat sich denn beruflich für Sie verändert?
Ich arbeite ja direkt bei den Kunden im Verkauf, dort wird schon auch mal gezielt nach mir gefragt. Wenn ich von Leuten, die nicht aus der Pfalz kommen, gefragt werde, welchen Riesling ich ihnen empfehlen kann, dann macht es schon Spaß, wenn ich nicht nur Auskunft geben kann über den Wein, sondern auch ein paar Geschichten über das Weingut dazu erzählen kann. Im Weinfachgeschäft bin ich eines der fleißigen Bienchen, die da herumsurren, und mit Herz und Seele für die Kunden da sind. Wir kommen da auf etliche Kilometer am Tag.

Wie viele Schritte schaffen Sie denn so täglich?
An einem normalen Arbeitstag schaffe ich 14.000 bis 15.000. Ich kann mich also über zu wenig Bewegung nicht beklagen.

Was war denn die exklusivste Weinflasche, die Sie bislang verkauft haben?
Das ist wirklich schwer zu sagen, aber ich schätze das war ein Bordeaux. Die sind je nach Jahrgang und Chateau relativ hochpreisig, die Franzosen. So zwischen 600 bis 700 Euro kann so eine Flasche schnell kosten. Wir haben aber für jeden Geldbeutel etwas auf Lager. Das ist das Schöne und macht es auch so spannend.

Wie kommen Sie denn mit den erschwerten Bedingungen wegen Corona persönlich zurecht? Greifen Sie in Ihrer Freizeit vermehrt zu Pfeil und Bogen, um sich wieder zu fokussieren? Bogenschießen ist ja eines Ihrer Hobbys.
Sport ist derzeit Arbeitssport. Ich komme vor 19.30 Uhr selten nach Hause. Oben im Retzerwald, wo ich normalerweise beim Bogenschießen bin, ist es da schon längst dunkel. Da will man auch nicht alleine im Wald stehen. Das mache ich erst wieder ab Frühjahr.

Sind Sie als Bogenschützin in einem Verein aktiv?
Nein, ich mache das privat. Ich halte mich gerne beim Schützenverein Bad Dürkheim auf. Das Schöne ist, dass ich einfach als Gast das Vereinsgelände nutzen kann. Ich zahle meine Tagesgebühr und das ist voll okay. Und wenn ich mal drei Wochen nicht hingehe, ist das auch kein Thema.

Sonst noch Strategien gegen den Corona-Frust?
Wenn ich noch Energie und Lust habe, gehe ich einfach noch eine Runde laufen. Das macht auch den Kopf frei und man kann jeglichen Frust ablassen. Außerdem bin ich eine Tüftlerin. Ich hatte beispielsweise einen Adventskalender mit Metallrätseln zum Knobeln drin. Ich liebe das.

Was haben Sie sich als Weinkönigin vorgenommen für 2021? Denken Sie, dass wieder ein paar Feste und sonstige Veranstaltungen stattfinden können?
Ja, ich bin da zuversichtlich. Ich möchte in Zusammenarbeit mit der Pfalzwein kleine royale Veranstaltungen mit den Prinzessinnen gemeinsam oder auch alleine anbieten. Ich könnte mir kleine Vorträge oder Motto-Abende vorstellen für Gruppen mit zehn bis 15 Leuten. Ich würde auch unglaublich gerne wieder reisen. Ich hoffe zum Beispiel sehr, dass die Genusstour Vino Miglia mit den Oldtimern im Juni stattfinden kann.

Was haben Sie sich privat für das neue Jahr vorgenommen? Gibt es irgendwelche Vorsätze?
Also mehr Sport wird wohl nicht drin sein. Wäre schön, wenn ich auch mal etwas Zeit für mich selbst haben könnte. Ansonsten bin ich eigentlich sehr zufrieden, Corona hin oder her. Mir gehts gut, meiner Familie gehts gut. Wir haben ein Dach überm Kopf, ich habe einen guten Job. Ich bin da sehr genügsam. Auch so etwas, das viele in diesem Jahr gelernt oder wiederentdeckt haben.

Zur Person

Saskia Teucke wurde am 10. Mai 1995 in Frankenthal geboren. Somit hätte sie auch Miss Strohhut werden können, aber der Wein war für sie interessanter. Weinprinzessin in ihrem Heimat- und Wohnort Weisenheim am Sand war sie von 2016 bis 2020. Ihr Abitur hat sie in Frankenthal abgelegt. Die Marketingkommunikationskauffrau und Werbeassistentin arbeitet im Weinkeller der BASF. Zu ihren Hobbys zählt neben dem Bogenschießen auch das Singen bei der Liedertafel Weisenheim am Sand. Die 25-Jährige bezeichnet sich selbst als „Launentrinkerin“, greift jedoch besonders gerne zum Sauvignon blanc.

Zur Serie

2020 wird als das Jahr des Coronavirus in die Geschichtsbücher eingehen. Doch wie werden es Menschen aus der Region in Erinnerung behalten? Wir haben mit drei Frauen und vier Männern gesprochen, die Besonderes erlebt haben, und haben sie gefragt: „Wie war Ihr Jahr?“

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