Herxheim am Berg RHEINPFALZ Plus Artikel Weingut aus Herxheim am Berg ist „Entdeckung des Jahres“

Alexander Strohberger und Freya Lichti präsentieren gemeinsam mit Sohn Ilias ihren Weinjahrgang 2022, der noch in den Fässern gä
Alexander Strohberger und Freya Lichti präsentieren gemeinsam mit Sohn Ilias ihren Weinjahrgang 2022, der noch in den Fässern gärt – unfiltriert und ohne Zusatz von Zuchthefen.

Das Weingut Lichti & Astroh aus Herxheim am Berg ist für Weinkritiker Gerhard Eichelmann die „Entdeckung des Jahres“. Das junge Winzerpaar setzt seinen Fokus auf naturbelassene Weine.

Einen besseren Start können sich Freya Lichti und Andreas Strohberger für ihr neues Weingut wohl kaum vorstellen: Bei der Präsentation des neuen Eichelmann-Weinführers wurde ihr im Februar gegründetes Weingut Lichti & Astroh aus Herxheim am Berg zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt. Ihre Kollektion sei eines „der überzeugendsten Debüts der vergangenen Jahre in der Pfalz“, heißt es in der Ausgabe 2023 des namhaften Weinführers. Auf knapp 1200 Seiten werden darin die besten Weingüter aus ganz Deutschland vorgestellt. Dafür wurden von Weinkritiker Gerhard Eichelmann und seinem Redaktionsteam im Vorfeld über 12.000 Weine verköstigt und nach einem Punktesystem von 0 bis 100 bewertet.

Die zwölf eingereichten Weine und Sekte von Lichti & Astroh waren mit einer Bewertung von 83 bis 89 Punkten oben mit dabei. Als „Entdeckung des Jahres“ zu den Preisträgern des Eichelmann 2023 zu gehören, haben die beiden dennoch nicht erwartet. „Es ist klar, dass die Weine bewertet werden, aber dann auch noch so ausgezeichnet zu werden, kam sehr überraschend“, erzählt Freya Lichti im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Auch ihr Partner Alexander Strohberger hat nicht mit der Auszeichnung gerechnet, sieht es aber als Bestätigung dafür, dass sie mit ihrer Stilistik „auf einem guten Weg sind“.

Zugleich ist diese Stilistik - mit Fokus auf natürliche Weinherstellung – der Grund dafür, weshalb sich Lichti und Strohberger bereits 2018 entschieden haben, nicht mehr im elterlichen Weingut von Freya Lichti in Laumersheim mitzuarbeiten, sondern etwas Eigenes zu starten. „Wir haben es drei Jahrgänge probiert, aber gemerkt, dass es einfach nicht klappt, weil wir unsere Pläne nicht so umsetzen konnten, wie wir das gerne gemacht hätten“, sagt Lichti. Ein „typischer Generationenkonflikt“ sei letztlich also der Grund für das Paar gewesen, sich nach eigenen Weinbergen zum Pachten umzusehen. Nach längerer Suche haben sie Anfang dieses Jahres dann 5,5 Hektar an flurbereinigten Parzellen auf Kalkfels in Leistadt pachten können und das Weingut in Herxheim am Berg gemietet. So konnte aus dem Weinprojekt Lichti & Astroh, das 2019 noch auf dem Weingut Lichti gestartet ist, das Weingut Lichti & Astroh werden.

Nische gefunden

Die Weine des Winzerpaars, das jahrelang im Weingut Bürklin-Wolf gearbeitet und sich auch dort kennengelernt hat, zeichnen sich dadurch aus, dass sie alle spontan vergoren sind. Das bedeutet, dass beim Gärprozess keine Zuchthefen verwendet werden. Zudem werden sie unfiltriert und mit minimaler oder keiner Schwefelung gefüllt. „Wir wollen möglichst wenig dazugeben, die Qualität entsteht draußen im Weinberg“, sagt Strohberger, der sich – wie Lichti – seit Jahren mit Biodynamie und ökologischem Weinbau beschäftigt.

„Wir haben mit diesen Naturweinen unsere Nische gefunden als Gegenentwurf zum Industriewein“, sagt Strohberger. Er ist überzeugt: „Der Wein muss Ausdruck sein von dem, was man lebt und was man für Ansichten hat.“ Aus dieser Überzeugung heraus sei der Anspruch, „sich ständig weiterzuentwickeln und das Beste aus dem Weinberg herauszuholen“.

Besonders intensiv begann die Faszination für diese Schiene während seiner Zeit als Kellermeister im Schlossweingut Grad Hardegg in Österreich, wo er unter anderem nach seinem Weinbau und Önologie-Studium gearbeitet hat. Auch Lichti hat nach ihrem BWL-Bachelorstudium einen Master in Weinwirtschaft sowie eine Winzerlehre abgeschlossen und sich seit 2015 intensiv mit der Biodynamie im Weinbau befasst.

Aus diesem Grund sind die beiden mit ihrem Weingut auch Mitglieder bei Ecovin, dem größten Verband ökologisch arbeitender Weingüter. Nun wollen sie die Weinberge in Leistadt, die zuvor konventionell bewirtschaftet wurden, nach und nach auf biodynamischen Weinbau nach Demeter-Richtlinien umstellen.

Über den ersten Jahrgang aus den frisch gepachteten Parzellen kann das Paar noch nicht viel sagen. Die 10.000 bis 12.000 Liter gären aktuell noch in den Fässern. „Wir geben dem Wein die Zeit, die er braucht“, sagt Lichti.

Für die Zukunft wünschen sich die beiden, sich mit ihrem Weingut weiter zu etablieren. Als „Entdeckung des Jahres“ im Eichelmann-Weinführer zu stehen, habe auf jeden Fall schon einmal dazu beigetragen, „dass die Leute langsam aufmerksam werden“.

Neben Lichti & Astroh kürte Eichelmann einen weiteren Pfälzer Betrieb: das Weingut Philipp Kuhn aus Laumersheim für die beste Weißweinkollektion. Die Urkunden wurden Anfang November in der Germersheimer Vinothek Pan von Gerhard Eichelmann und dem für die Pfalz zuständigen Redakteur Jens Wagner vergeben.

Kontakt

Die Weine von Lichti & Astroh können über den Fachhandel oder über die Internetseite www.lichtiundastroh.de gekauft werden. Auch ein Direktverkauf ab Hof in der Speyererstraße 7 in Herxheim am Berg ist nach telefonischer Anmeldung unter 0176 61917161 möglich.

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