Kallstadt
Weingut am Nil: Wie sich der Gutsausschank entwickelt hat
Gutsausschank statt À-la-carte-Restaurant, Neuausrichtung statt etabliertem Konzept: Das Weingut am Nil in Kallstadt hat sich 2025 verändert. Wie Geschäftsführerin Christine Ludt im Januar erklärte, war es nach über 15 Jahren Zeit, neue Wege zu gehen. Der bisherige Pächter für die Gastronomie und das Gästehaus im Weingut am Nil, die Vila Vita Marburg GmbH, und das Weingut gehen seit Februar getrennte Wege.
Ludt plante anfangs mit Gutsausschank, legererem Konzept, ohne Löwenfestivals und, was viele angehende Hochzeitspaare hart traf, ohne große Hochzeiten, wie es sie bisher zahlreich gegeben hatte. Sie waren stets mit viel Aufwand verbunden gewesen und nicht alle Nachbarn erfreut über den Rummel in Kallstadt. Für alle Paare, die bereit sind, in der kühleren Zeit von Oktober bis März vor den Traualtar zu treten und drinnen zu feiern, hat Ludt jetzt gute Nachrichten: „Es wird wieder Hochzeiten geben, wie bisher in Lila, und exklusiv an einem Samstag im Monat, allerdings nur in den Monaten Oktober bis März.“ Das minimiere einerseits den Aufwand fürs aktuell 32-köpfige Team, welches gerne noch größer werde dürfe, und sei auch ein Zugeständnis an die Nachbarschaft.
Geglückte Einarbeitung als neues Team
Ein Grund für die Entscheidung, Hochzeiten wieder anzubieten, waren die unzähligen Anfragen von Paaren in den vergangenen Monaten. Ein weiterer: die geglückte Einarbeitung als Team. Seit dem Weggang der Vila Vita GmbH hatte Ludt die Gastronomie in Eigenregie organisiert, Küchenchef Philipp Gurr blieb. Für die 15 Zimmer des Gästehauses wird ein Frühstücksservice angeboten, von Donnerstag bis Sonntag hat der Gutsausschank „Wein & Gutes“ geöffnet. Er bietet unter anderem Tapas, Stullen und Pinsa: Wie Ludt betont, einfache, aber qualitativ hochwertige und sättigende Mahlzeiten für jeden Geldbeutel. Darüber hinaus gibt es gutseigene Weine und Cocktails.
Seit der Eröffnung Mitte Mai treffen sich jüngere Paare, Radtouristen, Familien und gehobenes Publikum zwanglos auf eine Rieslingschorle, ein Viertel Wein und zum Essen. „Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung, wir haben jetzt einen richtigen Publikum-Mix, sind aber immer noch in der Findungsphase und überarbeiten unser Konzept fortwährend“, berichtet Ludt. So wurde beispielsweise umgestellt auf reine Kartenzahlung. Während es im Sommer draußen nur Selbstbedienung für die etwa 60 Gäste gab, sollen die maximal 40 Besucher drinnen bedient werden, dann sind auch wieder Reservierungen möglich.
Christine Ludt: Anspruch, es perfekt zu machen
„Wir haben als Team die ersten Runden zusammen gedreht und wissen jetzt besser, was möglich ist. Ich wollte anfangs auch keine Hochzeiten anbieten, um niemanden zu enttäuschen: Wenn ich das mache, will ich es perfekt gestalten“, verrät Ludt.
Geplant sind Veranstaltungen wie KinoVino: Zu einem bekannten Film wird Wein und Essen angeboten. Auch das Gänseessen will Ludt wieder etablieren: Es findet zwischen 13. November und 18. Dezember auf Vorbestellung statt. Neu ins Programm aufgenommen hat sie die Serie „4 zu 4“: Kennzeichen der Veranstaltung sind ein Vier-Gang-Menü begleitet von vier Weinen des Weinguts am Nil sowie vier Weinen eines weiteren Weinguts. Die Veranstaltung Ende September mit dem Asselheimer Weingut Metzger ist ausverkauft, für den Termin im November mit Winzerin Katrin Wind gibt es noch Karten. Zudem soll es im kommenden Jahr After-Work-Termine geben, allerdings in kleinerem Rahmen als früher, und eine Charity-Veranstaltungen. Dazu kommen Ludt Tagungen und Seminare, geführte Weinwanderungen als Nilkreuzfahrten und Kellereiführungen.
Weitere Löwenfestivals „schließe ich vorerst aus“
Und wie sieht es mit einer Fortsetzung des Löwenfestivals aus? „Wir hatten sieben erfolgreiche Veranstaltungen, jede hat die vorherige getoppt. Es war aber auch ein unvorstellbarer Aufwand, vorher, währenddessen mit 120 Kräften im Service, und danach. Vorerst gibt es kein Löwenfestival, aber ich wäre nicht ich, wenn ich es für immer ausschließen würde“, erklärt Ludt motiviert. „Ich liebe das Weingut und das lila Lebensgefühl, bin seit sechs Jahren hier sehr glücklich, schätze die Teambereitschaft der ganzen Löwenmannschaft und bin gespannt, was wir gemeinsam noch auf die Beine stellen.“