Wachenheim
Weinexperte über Vorteile der pilzwiderständigen Rebsorten
In den Anfangsjahren wurde für den Piwi-Weinpreis noch in den Räumen der Stiftung Ökologie und Landbau in Bad Dürkheim verkostet. Mittlerweile werden die Weine nach dem von Darting entwickelten PAR-System in Bayern geprüft und bewertet. Das Besondere dabei: Die Sortentypizität spielt bei den Verkostungen eine untergeordnete Rolle, Herkunft und Stilistik stehen stärker im Vordergrund. Wegen der Pandemie wurden die Weine 2020 ausschließlich online verkostet.
„In den ersten sechs Jahren haben wir nur draufgezahlt, das war volle Pionierarbeit“, berichtet Darting von den Anfangsjahren. Wir, das sind seine Firma Wine System und der Verein Piwi International, der den Preis ausschreibt. Zu den Piwi-Pionieren gehörte auch der Freiburger Weinbauberater Matthias Wolf, der mit Darting und Gisela Wüstinger gemeinsam den Weinpreis auf die Beine gestellt hat, aber auch Winzer aus der Region wie Bernd Pflüger (Bad Dürkheim) oder Rainer Eymann (Gönnheim).
„Logische Fortsetzung des Bio-Weinbaus“
Sommelierausbilder und Winzer Darting war früh überzeugt von den speziellen Kreuzungen von Europäerreben mit amerikanischen Arten, die resistenter gegenüber Pilzkrankheiten sind als die etablierten Sorten. „Das ist auch von der sensorischen Seite eine total interessante Sache“, sagt der Wachenheimer. Doch vor allem die ökologischen Vorteile liegen auf der Hand: Die Piwis müssen deutlich seltener gespritzt werden als die traditionellen Rebsorten, das reduziert CO2-Emissionen und ist gut für die Böden. Zudem spart es dem Winzer viel Arbeit – und Kosten. Für ihn seien Piwis die logische Fortsetzung des Bio-Weinbaus, betont Darting.
Allerdings gab es in der Anfangszeit des Piwi-Weinpreises „viele zweifelhafte Weine und viel Mittelmaß“, räumt er ein. Mittlerweile habe sich die Qualität von Sorten wie Solaris, Johanniter oder Cabernet Blanc massiv verbessert: „Dieses Jahr hatten wir viele beeindruckende Qualitäten in der Spitze, die gezeigt haben, dass Piwi-Weine locker mit Top-Erzeugnissen aus etablierten Sorten mithalten können.“
Doch wie erklärt Darting die Qualitätssteigerung bei den Piwis? „Zum einen sind die Anlagen jetzt zwölf, 13 oder 15 Jahre alt und bringen eine ganz andere Qualität hervor. Auch die Winzer haben gelernt, mit den neuen Sorten umzugehen, etwa was Lesezeitpunkt oder Ausbau betrifft.“ Nicht zuletzt sei die Cuvée mittlerweile auch in Deutschland salonfähig geworden – das eröffne den Piwi-Winzern weitere Möglichkeiten.
Im Lauf der vergangenen zehn Jahre hat sich die Anzahl der Weine, die beim Piwi-Preis angestellt werden, deutlich erhöht: „Im ersten Jahr waren es vielleicht 100 Weine“, erinnert sich Darting – 2020 wurden 413 Weine aus 15 Ländern verkostet. Auch die Dürkheimer Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten und das Weingut Hauer waren mit Piwi-Weinen vertreten: Der Cabernet Blanc der Hauers erhielt ebenso Gold wie fünf Solaris-Trockenbeerenauslesen der Vier Jahreszeiten.
Beliebt in exotischen Weinbaunationen
Die pilzresistenten Neuzüchtungen spielen in exotischen Weinbaunationen wie Großbritannien, Dänemark oder Schweden eine größere Rolle als in den traditionellen Gebieten Spaniens oder Italiens. Wegen der ungünstigeren klimatischen Bedingungen sind in den Ländern Nordeuropas resistentere Sorten gefragt als im Süden – und da kamen die Winzer früh auf Piwis. Das könnte sich langfristig als Vorteil erweisen, glaubt der Weinberater Darting: „Je weiter im Süden ein Anbaugebiet liegt, desto stärker leiden die Winzer unter dem Klimawandel.“
Die Popularität der Piwis bei Winzern sei in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, „aber nicht explodiert“, erklärt Darting. Viele Winzer bestockten nur kleine Flächen mit Piwis. Entsprechend gering ist die Weinmenge – zu klein für den Handel. „Und so lange Politik und Handel nicht hinten dran stehen, ist es ein schwieriges Unterfangen, Piwis populär zu machen“, sagt der Weinexperte. Darting setzt auf Zeit und Geduld: „Ich hätte gerne eine Revolution, es ist aber eine Evolution.“