Gönnheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wein- und Kulturtage: Die Straßenkünstler bekommen Gesellschaft

Die Open-Air-Art-Gallery in Gönnheim erhält auch in diesem Jahr neuen Zuwachs – das „Krümelmonster“ von Frank Cmuchal wird’s fre
Die Open-Air-Art-Gallery in Gönnheim erhält auch in diesem Jahr neuen Zuwachs – das »Krümelmonster« von Frank Cmuchal wird’s freuen.

Mit einem Konzert mit Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung starten kommenden Donnerstag die Gönnheimer Wein- und Kulturtage. Ein ganzes Wochenende lang steht das Dorf danach ganz im Zeichen der Kultur – mit Straßenkunst und erstmals auch einem „Pfälzer Comic-Salon“.

Traditioneller Höhepunkt der Kulturtage ist das „Wine-Street-Art-Festival“, das in diesem Jahr seine siebte Auflage erlebt. Am Samstag und Sonntag, 1. und 2. Juli, wird dann Gönnheims Ortsdurchfahrt für Autos gesperrt. Auf der Straße malen Straßenkünstler ihre Kunstwerke, an ausgewählten Mauern stehen andere auf Leitern und Hebebühnen und sprühen oder pinseln ihre Bilder an die Wand, während man in den Höfen der Weingüter essen und trinken, Bands lauschen, Ausstellungen und Autorenlesungen besuchen oder an Workshops teilnehmen kann. Das Motto des diesjährigen Festivals ist das des Kultursommers Rheinland-Pfalz: „Kompass Europa: Westwärts“ und war auch Vorgabe bei der Ausschreibung.

Eingeladen wurden letztlich über 40 professionelle Streetart-Künstlerinnen und -Künstler, die ganz unterschiedliche Techniken und Stile pflegen: mit Kreide direkt auf den Asphalt, als sogenannte „Murals“, Wandgemälde auf Hauswänden oder in irgendwelchen Zwischenformen, abstrakt oder hyperrealistisch, surrealistisch oder ikonografisch, in Comicstyle oder Pop Art. Selbst aquarellartige Bilder sind möglich. Es wird gesprüht, gemalt, gewischt. Die Künstler, die all das schaffen, kommen in diesem Jahr unter anderem aus Mexiko, Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Serbien, Italien und natürlich aus Deutschland. Allein 38 Asphaltmaler werden kommen.l

Zwei Murals sollen in diesem Jahr neu entstehen

Aber auch zwei neue Murals sollen entstehen: Leonidas Giannakopoulos reist dafür extra aus Griechenland an und wird in der Jahnstraße ein 20 Quadratmeter großes Kunstwerk gestalten. Thematisch orientiert er sich dabei an Jules Vernes – ein Thema das auch beim gleichzeitig stattfindenden Comic-Salon aufgegriffen wird –, stilistisch an „Steampunk“, einer retrofuturistischen „Weltsicht“, die mit Zukunftsvorstellungen des viktorianischen Zeitalters „spielt“. Außerdem wird die Künstlergruppe „Bluebirds“ aus München ihr bereits begonnenes Ensemble in der Bahnhofsstraße fertigstellen. Dabei geht es um Zivilisationen auf „Elwetritsche-Island“. Desweiteren, so verrät die Projektleiterin Heike Ditrich, gibt es noch so einige Panels, Bilder auf Holzbrettern, aus vorherigen Jahren „in petto“, die noch eine geeignete Wand suchen, und mehrere Graffiti- und Streetartkünstler bieten kostenlose Workshops an - es könnten so noch mehr Kunstwerke spontan entstehen …

Eine Heimat für die Neunte Kunst

Ein neues Angebot ist der Pfälzer Comic-Salon, mit dem Gönnheim der ähnlich kleinen Gemeinde Contern in Luxemburg nacheifert, die seit 25 Jahren ein großes Comictreffen ausrichtet, hinter dem das ganze Dorf steht. Er wird veranstaltet vom Heimat- und Kulturverein Gönnheim gemeinsam mit dem Deutsch-Französischen Freundeskreis Wachenheim-Cuisery und inoffiziell eröffnet am Freitag, 30. Juni, um 17 Uhr mit einem Vortrag von Ulrich Karl mit dem Titel „,Die spinnen, die Römer!’ - Was wir bei Asterix & Obelix über Römer und Kelten erfahren“ im Untersaal des Gemeindezentrums in der Bahnhofstraße 1 sowie offiziell am Samstag, 1. Juli, um 10 Uhr mit Autoren und Zeichnern aus Deutschland und Frankreich im zum Comic-Salon mutierten TV-Festsaal. Im protestantischen Gemeindehaus in der Ludwigsstraße 46 läuft eine Ausstellung mit Comic-Raritäten aus den 50er Jahren. Insgesamt bietet sich den Fans des Genres sowohl am Samstag als auch am Sonntag von 10 bis 18 Uhr ein dichtes Programm mit zahlreichen Angeboten für alle Altersgruppen.

Da es bislang in der Pfalz kein Comicfestival dieser Art gibt, hoffen die Veranstalter auf ähnlichen Zuspruch wie bei der Streetart. Die ist in Gönnheim längst Teil des Touristikkonzeptes, es gibt Führungen durch die „Open-Air-Art-Gallery“, ausgewählte Bilder werden auf Weinetiketten gedruckt, Pläne zeigen Touristen die Lage der Gemälde, und alle Bilder sind auch im Internet veröffentlicht. Generell habe man bei der Auswahl der Bilder immer darauf geachtet, dass sie dekorativ im weitesten Sinne sind, erklärt Heike Ditrich, Totenköpfe oder Gewaltdarstellungen zum Beispiel sind tabu: „Das wollen die Leute in Gönnheim nicht“, sagt die Organisatorin. Insofern ist hier die ursprünglich subkulturelle Kunstform in der bürgerlichen Mitte angekommen – ohne dabei ihre typischen sozialkritischen Elemente gänzlich zu verlieren.

Den Comic-Fans wird einiges geboten

Dass sich Graffiti, Straßenmalerei und Comic gut ergänzen, davon sind die Veranstalter überzeugt. Beide erzählen schließlich durch Bilder Geschichten, und etliche Künstler sind sogar in beiden Metiers tätig, wie etwa der aus Dörrenbach stammende Illustrator Frank Cmuchal, der das Titelbild des Comic-Salons entworfen hat, aber auch in der Vergangenheit in Gönnheim bereits die Murals „Magische Pfalz“, „Der Traubenstecher“, „Krümelmonster“ und das Portrait von John Hurt gestaltet hat. Er wird als einer von mehr als einem Dutzend Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland und Frankreich übrigens auch selbst beim Comic-Salon anwesend sein. Im Nachbarland gilt der Comic längst als etablierte Kunstform, als die „Neunte Kunst“. Genau dahin will man in Gönnheim auch kommen.

Gezeigt werden auf dem Festival „Graphic Novels“, Comics für Erwachsene, die sich anspruchsvollen Themen widmen, aber auch Jugendcomics wie Donald Duck und Fix und Foxi, zudem sind Fantasy-Comics, Science-Fiction-Comics und japanische Mangas vertreten. Aus Neustadt schaut der Karikaturist und Cartoonist Steffen Boiselle vorbei. Der am Wochenende ebenfalls anwesende Illustrator Thilo Krapp wird quasi als Epilog am Montag, 3. Juli, um 17.30 Uhr in der Kunst-Scheune, Ludwigstraße 27, ein Lesekonzert über Jules Verne geben, seine Bilder illustrieren das Thema, musikalisch begleitet wird er von Jörg Walter auf der Orgel.

Termine

Eröffnet werden die Gönnheimer Wein- und Kulturtage am Freitag, 30. Juni, um 19 Uhr auf dem Dorfplatz, Bahnhofstraße 1, von Bürgermeister Wolfram Meinhardt und Live-Musik. Davor gibt es bereits am Donnerstag, 29. Juni, um 18 Uhr ein Konzert mit dem Titel „Musica libera“ und Werken von Beethoven bis Andrew Lloyd Webber in der Martinskirche, dargeboten von Stipendiaten-Ensembles der Friedrich-Naumann-Stiftung. Der Eintritt ist frei. Das Straßen- und Comic-Festival steigt dann so richtig am Samstag und Sonntag, 1. und 2. Juli, ab 10 Uhr. Weitere Infos unter www.winestreetartfestival.de und www.pfaelzer-comic-salon.de. Parkmöglichkeiten (Ortsdurchfahrt gesperrt) gibt es an Friedhof, Sporthalle, Schule oder auf der ausgeschilderten Wiese zwischen Friedelsheim und Gönnheim. Empfohlen wird aber die Anreise mit der Bahn.

So wie Martino Pitture aus Italien 2022 werden auch in diesem Jahr wieder die meisten der über 40 professionellen Street-Art-Kün
So wie Martino Pitture aus Italien 2022 werden auch in diesem Jahr wieder die meisten der über 40 professionellen Street-Art-Künstler, die anreisen, direkt auf den Asphalt malen.
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