Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Wasserknappheit beschäftigt Stadtgärtnereien und Bauhöfe

In Wachenheim läuft das Wasser weiterhin: Bis auf wenige Einschränkungen werden Grünflächen weiter bewässert.
In Wachenheim läuft das Wasser weiterhin: Bis auf wenige Einschränkungen werden Grünflächen weiter bewässert.

Seit Wochen appelliert die Verbandsgemeinde Freinsheim an ihre Bürger, sparsam mit Wasser umzugehen. Doch wie hat sich das auf den Verbrauch ausgewirkt? Und wie gehen die Stadtgärtnereien und Bauhöfe mit der Trockenheit um?

Ein wesentlicher Rückgang beim Verbrauch stellt sich in der Verbandsgemeinde Freinsheim bis jetzt noch nicht ein, berichtet John Beuttel, Betriebsleiter des Wasserwerks in Bobenheim am Berg. Auch nach den Appellen von Autowäschen, der Bewässerung des Gartens oder dem Befüllen von Pools bei der anhaltenden Trockenheit abzusehen, hat sich bisher nur wenig getan: „Etwas ist der Wasserverbrauch zurückgegangen, noch ist die Lage aber nicht entspannt.“ Ob der Rückgang wirklich mit der Einsicht der Menschen oder mit den „etwas kühleren Temperaturen“ zu tun hat, kann der Betriebsleiter nicht einschätzen. Derzeit liege der Wasserverbrauch immer noch bei 4000 Kubikmetern am Tag. Im Vergleich: Im Winterbetrieb werden täglich 2000 bis 2500 Kubikmeter Wasser verbraucht. Deswegen hält Beuttel an den Aufrufen fest: „Wir werden auch diese und nächste Woche weiter darum bitten, Trinkwasser zu sparen.“

Pools und Bewässerung sorgen für hohen Verbrauch

Dabei ist ihm klar: „Der Verbrauch steigt mit den Jahren auch, weil die Gemeinden durch Neubaugebiete wachsen.“ Als größte Belastung sieht er zwei Faktoren: Seit Corona hätten viele Menschen einen Pool. „Befüllt den jeder am ersten warmen Wochenende, können die benötigten Massen ein Wasserwerk schon an seine Grenzen bringen.“ Langfristig kritisch sieht er zudem den gestiegenen Bedarf durch das Gießen von Gärten. „Es gibt so viele Unvernünftige, die meinen, sie müssten mehr gießen als nötig oder sogar mit Wasser die Straße säubern.“ Zwar sei der Wasserstand in den vier Versorgungsbrunnen der VG Freinsheim derzeit konstant, dennoch könnte ein übermäßiger Bedarf und die Trockenheit schnell zu größeren Problemen führen.

Aus diesem Grund bewässert man in der Verbandsgemeinde Freinsheim „nur noch ganz eingeschränkt“, berichtet der stellvertretende Büroleiter Ingo Runge. Die Beregnung von großen Flächen hätten die Bauhöfe in der VG ganz eingestellt. „Nur noch Neubepflanzungen wie Jungbäume im Neubaugebiet in der Erpolzheimer Straße werden noch gegossen.“ Anders als ältere Bäume seien ihre Wurzeln noch nicht ausreichend tief verwurzelt, bräuchten daher wesentlich mehr Feuchtigkeit. „Dafür wird kein Trinkwasser verwendet“, versichert Runge. Beuttel ergänzt: „In Herxheim wurde für Landwirte und Winzer eigens eine altes Pumpwerk auf Vordermann gebracht, wo sie ihr Nutzwasser holen können.“ Das Wasser habe zwar Trinkwasserqualität, werde aber nicht aufbereitet.

Die Blühwiesen bleiben trocken

Im Gegensatz dazu gießt der Bauhof der VG Wachenheim noch weiter, berichtet Bauhofleiter Christian Klug. „Bisher herrscht bei den Stadtwerken noch keine Not.“ Aus diesem Grund gieße der Bauhof die Pflanzen auf öffentlichen Flächen weiter. Allerdings gehe man auch hier nicht verschwenderisch mit dem wertvollen Nass um. „Wir gießen so, dass die Pflanzen gerade so überleben können. Es ist quasi ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Auch der Rasen auf dem Generationenspielplatz werde noch gewässert. „Dort stehen aber auch einige Hecken und Bäume“, erklärt er. An anderer Stelle – vor allem die Blühwiesen in der Friedelsheimer Straße, dem Speyerer Weg und Auf der Höh – habe der Bauhof hingegen die Bewässerung eingestellt. Wie viele Liter damit eingespart werden können, weiß Klug, der im November 2021 die Leitung des Bauhofs übernommen hat, noch nicht. „Dass mehrere Wochen gar kein Regen mehr fällt, ist ja erst in der letzten Zeit zum Thema geworden.“ Deswegen stehe er in Kontakt mit anderen Verwaltungen, tausche sich regelmäßig mit ihnen aus. Eine Möglichkeit wäre es, künftig auf Pflanzen zu setzen, die mit weniger Wasser auskommen. Bei der Stadtgärtnerei Bad Dürkheim läuft es wie immer, teilt Stadtsprecherin Sonja Kowol mit. „Am Gießen hat sich bisher nichts geändert.“ Flächen, die aufgrund von Sparmaßnahmen nicht länger bewässert werden, gibt es laut Kowol nicht.

Wasser aus einer Tiefe von 300 Metern

Beim Zweckverband für Wasserversorgung Friedelsheimer Gruppe, die Friedelsheim, Gönnheim und Ellerstadt versorgt, sieht Werkleiter Wilfried Weber die Lage entspannt: „Es ist genug Wasser da. Wenn die Technik nicht ausfällt, haben wir alles im Griff.“ Dass die zehn Brunnen bei diesen hohen Temperaturen bald austrocknen können, befürchtet er nicht. „Der Vorteil ist, dass wir Brunnen mit einer Tiefe von über 300 Metern haben.“ Während Quellen bei wochenlanger Hitze und fehlenden Niederschlägen schnell versiegen, seien die Tiefbrunnen von der derzeitigen Wetterlage unabhängig. Bleibe es allerdings mehrere Jahre so, „kann das schon zum Problem werden“. Ob die Menschen aufgrund der vielen Warnungen derzeit sorgsamer mit dem Wasserverbrauch umgingen, kann Weber nicht bewerten. „Hauptsächlich nutzen in der Hochzeit gerade sehr viele Privathaushalte Gießwasser.“ Zwar gebe es auch Winzer, die Weinberge bewässerten, „das ist aber nur eine Randerscheinung“.

Die Wasserversorgung in der Stadt Wachenheim sei durch die lange Trockenperiode nicht beeinträchtigt, sagt auch Dieter Panzer, Leiter der Stadtwerke. Das Wachenheimer Wasser stamme zu zwei Dritteln aus den Burgtalquellen, dazu aus dem Tiefbrunnen am Riedbrunnen und einer Verbundleitung mit Neustadt. „Das Wasser, das wir fördern, ist mindestens 35 Jahre alt“, sagt Panzer. Trockenperioden wie diese würden sich in Wachenheim wenn überhaupt langfristig auswirken. In diesem Jahr steuere man aber auf einen „eher hohen Verbrauch“ zu, vergleichbar mit dem 2020. 2021 sei dagegen weniger Wasser verbraucht worden. Auch wenn es keine expliziten Aufrufe zum Sparen gibt, sagt Panzer: „Wasser ist ein Lebensmittel, mit dem man sorgsam umgehen sollte.“

Derzeit präsentieren sich viele Rasenflächen wie hier am Amtsplatz in Bad Dürkheim in Brauntönen.
Derzeit präsentieren sich viele Rasenflächen wie hier am Amtsplatz in Bad Dürkheim in Brauntönen.
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