Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Warm genug: Cabernet ist inzwischen auch in der Region heimisch

Beim Verkosten: Stephan Schwerdt (links) und Thomas Hanewald.
Beim Verkosten: Stephan Schwerdt (links) und Thomas Hanewald.

Ein Südländer im Rieslingland – kann das gutgehen? Beim Weingut Hanewald-Schwerdt schon.

Für alle Rebsorten gibt es ein verträgliches Temperatur-„Fenster“. Silvaner braucht kühle Lagen. In Südfrankreich hat er nichts verloren. Monastrell wächst in Spanien und Südfrankreich – in der Pfalz wäre er fehl am Platz. Hier gedeihen Rebsorten wie Riesling, Weißburgunder oder Spätburgunder – auch wenn es dem Riesling in Jahren wie 2011 oder 2018 schon fast ein wenig zu warm wurde. Interessanterweise gibt es tolerante Rebsorten wie Syrah oder Sauvignon Blanc, die ein recht breites Temperaturspektrum vertragen und weniger tolerante wie der Riesling, die schnell ihren Reiz verlieren, wenn sie zu warm oder zu kühl stehen.

Die wichtigsten Bordeauxsorten Cabernet-Sauvignon und Merlot brauchen südländische Wärme. Das gilt vor allem für den Cabernet, dessen erste in der Pfalz gepflanzten Reben der Ellerstadter Winzer Heinrich Vollmer in den 1980er Jahren gleich wieder ausreißen musste. Das hatte zwar mehr mit Bürokratie als mit kühler Witterung zu tun, aber ganz von der Hand zu weisen war das Argument nicht: Es gebe gute Gründe, warum man in Bordeaux keinen Riesling anpflanzt.

Wärmere Jahre kommen auch dem Merlot zugute

Inzwischen wächst Cabernet-Sauvignon in der Pfalz auf über 200 Hektar, der weniger anspruchsvolle Merlot sogar auf fast 350 Hektar. Die wärmeren Jahre kommen diesen Rebsorten zugute. Das Weingut Hanewald-Schwerdt war sogar der Meinung, dass die Lage Leinhöhle fast schon zu warm für den Riesling geworden ist. Also pflanzte man dort und im Nonnengarten Cabernet und Merlot. Weil die hochwertigen Weine des Weinguts die Namen von Schwertern tragen, zwei Familien zusammenarbeiten und zwei Rebsorten die Cuvée bilden, nannte man den kräftigsten Rotwein des Hauses „Zweihänder“. Der 2015er profitiert vom warmen Jahrgang und zeigt sich schon jetzt trinkreif mit rund-harmonischer Wärme, pfeffriger Cabernet-Note und einer feinen Säure. Mit Bordeaux zum gleichen Preis konkurriert er spielend.

Der Wein

2015 „Zweihänder“, Weingut Hanewald-Schwerdt, 67098 Bad Dürkheim-Leistadt. Telefon 06322/63206, www.hanewald-schwerdt.de. 22,80 Euro ab Weingut.

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