Bad Dürkheim
Waldspaziergang an der Weilach: Esskastanien und Baumernte im Fokus
Leise rieselte der Schnee, als sich am Samstagmorgen eine kleine Gruppe auf die 1,5 Kilometer lange Strecke an der Weilach begab. Doch die Teilnehmer der Veranstaltung hatten sich gut auf die angekündigten Witterungsbedingungen vorbereitet – sie waren in wetterfester Kleidung und gutem Schuhwerk gekommen und trotzten den Schneeflöckchen, die sanft vom Himmel niederschwebten. Geführt und informiert wurden sie von Frederike-Marie Franke, der Leiterin des Reviers Hardenburg und Forstwirtschaftsmeister Bernhard Reckmann, dem Betreuer des Forsteinschlags im Forstamt.
Zunächst erfuhr die Gruppe, dass es verschiedene Methoden des Baumeinschlages gibt. „Es gibt die motormanuelle Holzernte“, erklärte Reckmann. „Das ist klassische Handarbeit mit einer Motorsäge.“ Mit einem Seilschlepper werden die Stämme dann aus dem Wald gezogen. Daneben gibt es auch die vollmechanisierte Ernte mit einem Harvester, mit welchem Bäume gefällt und abtransportiert werden. Eher seltener wird im Revier das Pferderücken eingesetzt, eine Methode, bei der Rösser die Stämme aus dem Wald ziehen.
Schutzausrüstung für die Sicherheit
Die Rundhölzer verschiedener Größe werden anschließend an den Seiten von Wirtschaftswegen in so genannten Poltern gestapelt und liegen hier zur Abfuhr für die Käufer bereit. Die Polter werden mit einer Nummer beschriftet und mit einem GPS-System versehen. Die Koordinaten werden schließlich dem Kunden zugewiesen. Wichtig sei die Sicherheit der Waldarbeiter. Daher tragen diese eine Schutzausrüstung. Ein Team besteht beim Einschlag wegen der Unfallgefahr aus mindestens drei Personen, meist aber aus fünf bis sechs Arbeitern. Man achte bei den Baumfällungen stets darauf, einen Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie herzustellen, so Reckmann.
„Wir haben hier in der Region Mischwälder, meist Buchen, Eichen und Kiefern, aber auch Kastanien“, berichtete Franke. Die Kastanienbäume haben zwar einst die Römer in die Pfalz gebracht, doch mittlerweile seien sie eine einheimische Baumart geworden, unterstreicht die Revierleiterin. Kastanien kämen mit warmen Bedingungen gut zurecht. Das Holz könne für viele Verwendungen dienen, etwa zum Bau von Fässern oder Möbeln, erfuhren die Teilnehmer der Wanderung. Die Früchte der Esskastanien sind darüber hinaus auch beliebt als Genussmittel. Die „Keschde“ oder „Maronen“ können im Ofen geröstet werden, man genießt sie ebenso als Püree, Suppe oder in Kuchen. Und wenn im Juni und Juli die Esskastanien blühen, kommen Imker mit ihren Bienenstöcken und produzieren den beliebten Kastanienhonig.
Firma Eder verarbeitet regionales Holz
Die Infoveranstaltung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Bad Dürkheimer Firma Wilhelm Eder, die in der Holzverarbeitung tätig ist. „Wir schauen in unserem Unternehmen stark auf des Thema Nachhaltigkeit. Daher kooperieren wir eng mit Forstämtern und sind auf regionale Holzarten fokussiert“, erklärte Jonas Eder. Die Firma Eder stellt unter anderem Holzfässer mit Volumen von fünf bis 20.000 Litern her. „Nicht nur für den Weinbau“, erklärt Eder. „In unseren Fässern könne auch Kräuterliköre, Whisky oder Rum gelagert werden.“ Aber auch Bottiche zum Kneipp- oder Eisbaden werden im Dürkheimer Bruch gefertigt.
Margarethe Kilian aus Bad Dürkheim zeigte sich von der Waldbegehung begeistert: „Bei der Führung habe ich viel Neues erfahren. Man hat viele Fragen stellen können.“ Sie habe sogar ein tolles Rezept für einen Kastanienkuchen, verriet die 90-Jährige. „Aber ich habe mehrere Jahre gebraucht, um die ideale Mischung herzustellen.“