Nachgeschenkt
Wahlkampf: Das Ende naht
Der Bürgermeister-Wahlkampf in Bad Dürkheim neigt sich dem Ende entgegen. Wir als Lokalredaktion sind fast geneigt zu sagen: endlich. Nicht, weil die Zeit vor einer Wahl besonders arbeitsintensiv oder anstrengend ist. Im Gegenteil: Sich Formate zu überlegen, wie man die Leserinnen und Leser noch stärker für das Geschehen vor der Haustür interessieren kann, Standpunkte der Kandidaten gegenüber zu stellen, mit ihnen öffentlich auf dem Podium zu diskutieren und nicht zuletzt intern darüber zu streiten, wer denn der oder die bessere für die Zukunft unserer Stadt ist – all das ist es, was den Reiz des Lokaljournalismus ausmacht und warum uns der Beruf aller widrigen Rahmenbedingungen zum Trotz noch immer begeistert.
Doch warum sind wir dann froh, wenn am 25. Juni um 18 Uhr die Wahllokale schließen? Weil schon vieles, wenn nicht sogar (fast) alles Wesentliche in diesem Wahlkampf gesagt wurde. Die Argumente sind ausgetauscht, nach dem RHEINPFALZ-Podium am 24. Mai hat der Wettstreit von Natalie Bauernschmitt (CDU) und Christoph Glogger (SPD) noch einmal an Fahrt aufgenommen. In den sozialen Netzwerken wie Facebook wurde dabei von den unterschiedlichen Unterstützern hart und manchmal für unseren Geschmack auch zu persönlich diskutiert und attackiert.
Auch wir haben eine Reihe von Leserbriefen erhalten, von denen die allermeisten interessante Meinungsbeiträge waren, wie wir sie auch gerne veröffentlichen. Allerdings möchten wir auch nicht verhehlen, dass es bei einigen Zuschriften Grauzonen gab, die wir von Fall zu Fall abwägen und entscheiden mussten, immer nach bestem Wissen und aktuellem Kenntnisstand. Oft sind bei Zuschriften zwei Punkte zu berücksichtigen, die in Wahlzeiten zusätzliche Bedeutung gewinnen: Hat die Schreiberin oder der Schreiber einen Posten oder nicht? Hintergrund dieser verlagsweiten Regelung ist es, dass sogenannte Funktionsträger andere Möglichkeiten haben, ihre Meinung zu platzieren als gewöhnliche Bürger. Ein Beispiel: Ob jemand Mitglied in einer Partei ist, ist nicht relevant. Wenn jemand allerdings in der Stadtratsfraktion sitzt, schon.
Noch schwammiger und schwieriger ist die Abgrenzung zwischen Tatsachenbehauptung und Meinungsäußerung. Leserbriefe sind per se Meinungsäußerungen, Meinungen wiederum sind nicht verifizierbar und nicht wahr oder falsch. Allerdings sind sie oft nur schwer von den Tatsachen in den Briefen zu trennen, die für den Verständnis des Sachverhalts wichtig, aber sehr wohl nachprüfbar sind. Sind diese falsch, kann das in extremen Fällen sogar vor Gericht enden – für den Schreiber oder die Schreiberin, aber auch für uns.
Statt den Brief zu veröffentlichen, arbeiten wir solche Themen in vielen Fällen dann redaktionell auf.
Apropos Meinung: Wie unsere Kommentare stellen auch Leserbriefe Meinungsangebote dar, die Kritik und Lob enthalten. Um nicht zu nahe an den Wahltermin zu kommen, schließen wir mit der Dienstagsausgabe die Veröffentlichung von Leserbriefen, die Wahlkampf oder Themen zur Wahl zum Gegenstand haben. Planmäßige Schlusspunkts unserer Wahlberichterstattung sind in der Montagausgabe ein Artikel über die Diskussion der Kandidaten auf Einladung des Jugendkomitees sowie ein Text über wichtige, eher technische Fragen rund um den Urnengang.
Und wie ist unsere Empfehlung für den 25. Juni? Gehen Sie wählen, bitte! Herausforderin und Amtsinhaber haben sich als engagierte und faire Wahlkämpfer gezeigt. Beide werden in der Lage sein, die Geschicke der Stadt ab dem 1. Januar 2024 zu lenken. Wobei dieser Satz ausdrücklich eine Meinungsäußerung ist.