Bad Dürkheim
Wahl der Pfälzischen Weinkönigin: So bereitet sich Dürkheimerin Lea Baßler vor
„Die Nervosität steigt schon ein wenig. Je näher das Datum rückt, umso größer wird das Kribbeln in der Magengegend“, sagt die Dürkheimerin Lea Baßler, wenn sie an den Krönungsabend denkt. Denn dann entscheidet sich im Neustadter Saalbau, ob Baßler oder eine ihrer zwei Neustadter Konkurrentinnen die Nachfolge der Pfälzischen Weinkönigin Sophia Hanke antritt. Und das vor ungefähr 700 Menschen, die im Publikum sitzen werden. „Das ist dann schon noch einmal etwas Größeres als in Bad Dürkheim.“
Die wenigen Tage ohne Krönchen auf dem Haupt hat die ehemalige Dürkheimer Weinprinzessin fleißig genutzt, um sich auf den Entscheidungsabend im Oktober vorzubereiten. Dafür seien sie und ihre Konkurrentinnen vom Veranstalter Pfalzwein mit „einer riesengroßen Tüte voller Infomaterial – darunter allerhand touristische Informationen, aber auch mehrere Seiten mit Englisch-Vokabular rund ums Thema Wein“ ausgestattet worden, erzählt die 22-jährige Kauffrau für Büromanagement. „Im Moment bin ich gerade dabei, mir Schwerpunkte zu setzen und alles so gut es geht zu lernen.“
Nicht nur graue Theorie
Aber nicht nur trockenes Auswendiglernen steht auf Baßlers Plan: Im Sommer absolvierte sie zusammen mit ihrem Mitstreiterinnen Lea Lechner und Sandra Eder unter anderem ein vom Veranstalter organisiertes Rhetorik- und Lauftraining, bei dem die Weinhoheiten Tipps zum freien Sprechen und zum eleganten Stehen auf der Bühne bekamen.
Aber auch außerhalb der offiziellen Tagesseminare ist die 22-jährige Kauffrau für Büromanagement „im Training“. Schließlich stammt Baßler aus einer Winzer-Familie: „Ich habe den großen Vorteil, dass ich mit meinem Papa einen Fachmann für Wein zu Hause habe.“ Zusammen mit ihrem Vater, der als Kellermeister bei den Wachenheimer Wachtenburg Winzern arbeitet, lasse sie den Abend bei einem Glas Wein und den damit verbundenen Fachsimpeleien ausklingen. Wolle sie sich Prozesse rund ums Keltern wie die Gärkontrolle mal live betrachten, stehe ihr auf ihrer Arbeit beim Wachenheimer Weingut Zimmermann, wo Baßler im Wein-Marketing tätig ist, immer ein Kollege zur Verfügung.
Kein Zickenkrieg
Einen wesentlichen Vorteil verspricht sich Baßler gegenüber ihrer Konkurrenz dadurch aber nicht. „Wir versehen uns sehr gut, haben uns privat schon gegenseitig besucht und sind uns charakterlich sehr ähnlich“, sagt sie. Missgunst gebe es untereinander nicht, stattdessen verstünden sich die Kandidatinnen als Team Pfalz. „Wir wollen uns alle an dem Abend nicht blamieren und es hätte auch keinen Mehrwert für die jeweils andere.“
Schließlich verfolgten die jungen Frauen gemeinsam das Ziel, die Pfalz als ihre Heimat und Weinregion zu repräsentieren. Deswegen setzten die drei auf gegenseitige Unterstützung: „Jede von uns hat ihr Steckenpferd und hilft der anderen, wenn es Fragen gibt.“ Aus diesem Grund freue sich Baßler neben den vielen Aufgaben des Wahlabends besonders auf die erste After-Show-Party: „Sonst ist die Gewinnerin immer mit ihren Leuten nach Hause gefahren und hat dort gefeiert. Das erste Mal können wir jetzt als Team Pfalz zusammen feiern.“
Inspiriert von Weinkönigin
Auch Dürkheimerin Janina Huber, ehemalige Pfälzische sowie Deutsche Weinkönigin, sei den Dreien eine große Stütze. „Sie hat uns angeboten, dass wir sie rund um die Uhr um Rat fragen können“, erzählt Baßler, die wie Huber ursprünglich aus Bad Dürkheim stammt. Wirklich in Anspruch musste Baßler die Hilfe zusammen mit ihren Kolleginnen aber nur einmal nehmen: „Bei einem Videodreh waren wir blockiert, hatten einen Denkfehler, wie wir es angehen können. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle sehr im Weinbau eingespannt. Janina hat uns mit ihren Ideen sehr geholfen.“
Darüber hinaus verbindet Baßler mit der ehemaligen Weinhoheit eine prägende Kindheitserinnerung. Als etwa Zwölfjährige habe ihr Vater ihr auf einem Weingut von Freunden die Weinkönigin vorgestellt. „Ich habe mich mit ihr unterhalten. Sogar die Krone durfte ich aufsetzen.“ Auf dem Nachhauseweg habe sie ihrem Vater voller stolz verkündet: „Die Krone trage ich irgendwann mal und den Wurstmarkt werde ich auch eröffnen.“
Weg vom Bild „lieb und nett“
Das Amt der Pfälzischen Weinkönigin liegt Baßler sehr am Herzen: „Es ist ein Fachamt. Ich will weg von dem Bild der Weinprinzessin, die nur lieb und nett ist.“ Stattdessen handele es sich um gestandene Fachfrauen, die mit ihrem Wissen rund ums Thema Wein glänzen könnten. Außerdem wolle sie zeigen, welche Arbeit hinter dem Produkt steckt. „Wein kennt jeder, Wein schmeckt jedem – aber ich will auch die Winzer zeigen, die dem Wein ihren speziellen Charakter geben und die Pfalz mit ihren Menschen und ihrer Kultur transparent, kompetent und mit Menschlichkeit vertreten.“
Unterstützung findet Baßler am 7. Oktober in ihrem „Fan-Block“: Etwa 70 Menschen, darunter vor allem Freunde und Familie, wollen sie im Neustadter Saalbau begleiten. Aber auch von anderen Menschen habe sie viel Zuspruch erhalten. Das stärke ihr schon jetzt den Rücken. „Es gibt mir viel Kraft, dass mir so viele Leute die Daumen drücken.“