Wachenheim
Wachtenburg Winzer: Vorstand bleibt vorerst weiter am Ruder
Christoph Rehklau hatte im November 2023 das Amt des Geschäftsführers der Wachenheimer Winzergenossenschaft übernommen. Nach zwei Jahren trennten sich die Wege bereits wieder. Grund sei die unterschiedliche Auffassung über die Ausrichtung der Genossenschaft gewesen, hieß es damals. Peter Zimmermann, der gemeinsam mit Albert Reinhardt und Ralf Swillus seitdem die Wachtenburg Winzer interimsweise leitet, präzisiert drei Monate später im Gespräch mit der RHEINPFALZ, worum es dem Vorstand vor allem ging: Zum einen habe es Differenzen gegeben, „wo wir hinwollen“, zum anderen könne eine Genossenschaft nicht geführt werden wie ein gewöhnliches Unternehmen. Künftig soll wieder stärker die Perspektive der Mitglieder in den Blickpunkt rücken. In Wachenheim sind das 24 Familien, insgesamt bewirtschaften die Wachtenburg Winzer 350 Hektar. Damit gehört die Genossenschaft in der Pfalz zu den mittelgroßen. Die finanzielle Lage sei „befriedigend bis gut“, sagt Zimmermann. Im vergangenen Jahr haben die Wachtenburg Winzer laut Zimmermann ihren Mitgliedern einen höheren Kilopreis für die abgelieferten Trauben bezahlt als im Vorjahr.
Der Vorstand – Reinhardt, Swillus und Zimmermann – lenkt weiter die Geschicke der Genossenschaft; mindestens bis zur nächsten Generalversammlung, die Ende 2026 oder Anfang 2027 ansteht. Bis dahin will das Trio die Situation analysieren und „Gespräche in alle Richtungen“ führen und „in alle Richtungen denken“. Auch eine interne Lösung auf dem Posten des Geschäftsführers sei denkbar. Langfristig, sagt Zimmermann, werde die Genossenschaft ihre Führungskräfte selbst ausbilden müssen.
Ernte fällt klein aus
Dass die Erträge 2025 um 30 Prozent geringer ausgefallen sind als im Vorjahr, macht es etwas leichter für die ehrenamtlich arbeitenden Vorstände. „Wir haben nicht den Druck, eine große Ernte verkaufen zu müssen“, sagt Zimmermann. Er sei zuversichtlich, dass die Genossenschaft trotz der prekären Lage am Weinmarkt alles an den Kunden bringen wird. Gerade der Fasswein-Markt gilt als extrem schwierig, weil Nachfrage und Preise im Keller sind. „Wir arbeiten beim Fasswein zumindest noch kostendeckend“, sagt Zimmermann. Dabei helfe, dass sich die Genossenschaft auf Riesling spezialisiert habe, für den es auch im Ausland noch Nachfrage gebe. Ziel sei es, den Anteil an den lukrativeren Flaschenweinen weiter zu steigern. Dieser liegt derzeit bei 65 Prozent.
Die schwierige Lage im Weinbau werde sich nicht mehr grundlegend ändern, ist Zimmermann überzeugt. Die Wachtenburg Winzer haben bei den Rebflächen die Bremse gezogen: Mitglieder können nur noch Weinberge von ausscheidenden Mitgliedern hinzu nehmen, keine externen Flächen mehr. „Wir können nicht sehenden Auges in die Überproduktion gehen“, verdeutlicht Zimmermann.
„Beste Genossenschaft Deutschlands“
Im vergangenen Jahr waren die Wachenheimer vom Fachverlag Meininger als beste Genossenschaft Deutschlands ausgezeichnet worden, vor wenigen Monaten gab es erneut den Großen Staatsehrenpreis der Landwirtschaftskammer. „Das müssen wir auf der ProWein spielen“, betont der 63-Jährige. Mitte März trifft sich die Weinwelt wieder in Düsseldorf.
Doch wo wollen die Wachtenburg Winzer hin? „Wir brauchen authentische Weine. Riesling können wir in Wachenheim, Sekt auch“, ergänzt er und nennt ein Beispiel: Der Bestseller der Genossenschaft sei der trockene Literwein aus der Lage Forster Schnepfenflug. „Wir haben nicht den Anspruch, Bürklin-Wolf zu kopieren.“