Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheim: Wie es Bürgermeister Torsten Bechtel nach der Corona-Diagnose geht

In Quarantäne: Derzeit arbeitet der mit dem Coronavirus infizierte Wachenheimer Bürgermeister Torsten Bechtel von zu Hause.
In Quarantäne: Derzeit arbeitet der mit dem Coronavirus infizierte Wachenheimer Bürgermeister Torsten Bechtel von zu Hause.

Wachenheim war die erste Stadt im Landkreis, die einen Corona-Fall meldete. Wenige Tage später infizierte sich auch Bürgermeister und Verwaltungschef Torsten Bechtel mit dem neuartigen Virus. Im Gespräch am Donnerstag erzählt der 50-Jährige wie es ihm seit der Diagnose ergangen ist.

Wie geht es Ihnen heute?
Ich bin jetzt drei Tage fieberfrei, darüber bin ich sehr glücklich, fühle mich aber noch schlapp und habe noch einen gewissen Druck im Kopf.

Sie hatten, als Sie Ihre Corona-Erkrankung öffentlich gemacht haben, noch ganz milde Symptome. Das hat sich aber dann geändert.
Letztlich ist es erst am Mittwochabend vergangener Woche – ein Tag nach dem Testergebnis – intensiver geworden. Vor allem hatte ich hohes Fieber. Es gab einen Generalangriff auf den Organismus, auf Herz, Lunge und Darm. Das ging nacheinander.

Haben Sie unter Atemnot gelitten?
In ganz geringem Maße – ein-, zweimal. Das Fieber ist hoch, das Herz pocht. Da muss der Geist funktionieren. Dass ich mich darauf konzentriere, dass ich gesund bleiben will, dass ich atme, das hat bei mir funktioniert.

Wie sind Sie medizinisch versorgt worden?
Wir haben uns selbst medizinisch versorgt. Die Burgapotheke hat uns Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel geliefert. Ich habe, wenn das Fieber extrem hoch war – und in der Spitze waren es fast 40 Grad - abends ein Paracetamol genommen, um ruhiger schlafen zu können. Was letztlich dazu geführt hat, dass das Fieber morgens etwa bei 38,5 Grad lag. Das Gesundheitsamt hat ein paarmal angerufen. Und unsere Hausärztin, die ich in der Regel selten besuche, hat sich nach unserem Befinden erkundigt. Sie hat übers Telefon geprüft, ob ich kurzatmig bin und eingeschätzt, dass wir das selbst in den Griff bekommen.

Wie geht es Ihrer Familie?
Den Umständen entsprechend gut. Wir sind ja zu fünft. Meine Frau hat auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Krankheit hinter sich gebracht. Sie hatte drei Tage hohes Fieber und Übelkeit. Es geht ihr aber auch besser.

Haben Sie sich in der Wohnung separieren können?
Das haben wir versucht, aber das ist natürlich nur begrenzt möglich. Wir hatten schon mal im Urlaub getestet, wie das vier Wochen zusammen in einem Wohnmobil ist. Unsere Wohnung ist dann doch etwas größer. Wir sind ganz gut zurecht gekommen. Ich habe versucht, möglichst wenig Kontakt mit den Kindern zu halten. Gemeinsam gegessen haben wir aber dann doch.

Ich nehme an, Sie können mit der Erfahrung der vergangenen Tage nur appellieren, dass man das Virus ernst nehmen sollte.
Definitiv. Weil es über viele Tage bei mir ging. Von vergangenen Mittwoch bis vergangenen Sonntag extrem intensiv. Fünf Tage, in denen der Organismus wirklich angegriffen wurde. Ich war jahrelang nicht krank, insofern denke ich, dass ich das ganz gut verkrafte. Aber auch ich habe gemerkt, dass es dem Organismus zusetzt. Daher kann ich jedem nur empfehlen, die Sache ernst zu nehmen. Die Erkrankung ist heftig.

Es lassen sich immer mehr Menschen testen, viele klagen über lange Wartezeiten. Wie lief es bei Ihnen?
Ich war mit dem Gesundheitsamt die ganze Zeit in Kontakt, weil wir ja in der Kita in Wachenheim den ersten Fall im Landkreis hatten. Zu dem Zeitpunkt war es noch sehr gut möglich, alle Leute in Quarantäne zu stellen, die Leute anzurufen und so weiter. Da waren Tests noch schneller möglich. Ich hatte an einem Samstagmittag erfahren, dass ich Kontakt zu einer infizierten Person hatte und wurde am gleichen Tag getestet. Es hat aber bis zum nächsten Dienstag gedauert, bis das Ergebnis da war. Und danach war es sehr viel schwieriger, Tests durchzuführen und das Ergebnis zu bekommen. Das haben wir dann auch in der Verwaltung festgestellt. Es ist schon so, dass es eine Zeit dauert, bis man die Gewissheit hat und ich denke, diese Kapazitäten müssen noch ausgebaut werden. Es war eine Zeit lang schwierig für das Testcenter, auch weil die Anzahl der Infizierten deutlich gestiegen ist. Meine Frau hatte zwar zunächst einen negativen Test, wir sind aber sehr, sehr sicher, dass sie es danach bekommen hat. Getestet wurde sie aber nicht mehr. Auch meine Kinder nicht.

Wissen Sie schon, ob Sie neben Ihrer Frau jemanden angesteckt haben?
Stand jetzt nein. In der Verwaltung waren alle Tests negativ, worüber ich sehr glücklich bin.

Sie haben in der Zeit viel Zuspruch erhalten, Sie haben aber auch negative Erfahrungen gemacht.
Wir wurden von Freunden hervorragend versorgt. Eine Freundin hat uns so viele Süßigkeiten vorbeigebracht, dass es fast schon wieder nicht gut war für mich. (lacht) Auch mit Lebensmitteln wurden wir gut versorgt. Wir haben viele, viele aufmunternde Zuschriften bekommen.

Meine Mutter und auch einzelne Verwaltungsmitarbeiter haben allerdings auch davon berichtet, dass sie gemieden wurden. Auch wenn sie nachweislich mit mir gar keinen Kontakt hatten. Bei meinen Eltern war ich vier Wochen nicht mehr. Trotzdem wurde meine Mutter immer wieder gefragt, ob das denn in Ordnung sei, dass sie draußen unterwegs ist. Das trägt nicht dazu bei, dass andere Betroffene transparent mit der Erkrankung umgehen.

Das Virus bringt die Menschen zusammen und auseinander. Wie schlagen sich die Wachenheimer aus Ihrer Sicht? Hier gibt es ja schon einige Wochen Corona-Erfahrung.
Das war wie überall in Deutschland, man hat ein bisschen gebraucht, um die Sache ernst zu nehmen. Aber ich glaube, mittlerweile haben alle verstanden, dass es jetzt wichtig ist, die Infektionsketten zu unterbrechen. Wenn das gelingt, dann können wir auch wieder optimistischer in die Zukunft schauen.

Momentan versuchen alle, den Spagat zwischen Prävention und möglichst überschaubaren wirtschaftlichen und sozialen Folgen zu schaffen. Tut die Politik genug, und was kann die Kommune tun?
Das ist eine schwierige Frage, weil es dafür keine Blaupause gibt. Die Bundesregierung hat mit ihrem Paket schon sehr viel getan. Aber letztlich wird es davon abhängen, wie schnell wir wieder ein normales wirtschaftliches Leben führen können. Die Stadtwerke werden möglichst sofort die Monatszahlungen heruntersetzen bei Gaststätten, die momentan den Strom- und Gasbedarf nicht mehr benötigen. Wir stunden selbstverständlich Zahlungen und versuchen, dass keine unbeabsichtigten Härten entstehen. Es geht aber auch darum, dass die Bevölkerung Solidarität beweist. Dass der Lieferservice eines Gastronomiebetriebs wahrgenommen wird oder der Wein beim Weingut bestellt wird.

Momentan kann man dem Thema nicht entfliehen. Gönnen Sie sich bewusste „Corona-Pausen“?
Das hat mich die Krankheit gelehrt. Ich muss ab und zu schlafen. So bekommt man Abstand. Witzigerweise habe ich mich an ein altes Wandervogellied aus Pfadfinderzeiten erinnert: „Wenn auch Tod und Verderben uns drohen“, heißt es da. Eigentlich geht es dann weiter: „Wir hoffen, wir kommen davon.“ Ich habe immer gesungen: „Wir wissen, wir kommen davon, denn wir lieben das Dasein auf der Erde.“ Das geht mir immer durch den Kopf, damit ich meinen Optimismus behalte.

Jetzt, da es Ihnen besser geht: Haben Sie den Quarantäne-Koller oder machen Sie Homeoffice?
Ich habe auch in der schwierigen Phase Kontakt zu den Fachbereichsleitern gehalten, weil wir schauen müssen, dass wir weiter laufen, um möglichst schnell bei 100 Prozent zu sein. Wir haben Möglichkeiten des Homeoffice geschaffen, sodass wir das für einige Mitarbeiter ab nächste Woche anbieten können. Zum Koller: Wir haben einen schönen Garten, in den ich schauen kann. Das sehe ich für mich als geringstes Problem an.

Wann dürfen Sie wieder raus?
Es scheint so zu sein, dass nicht mehr alle Menschen getestet werden. Wir haben mit dem Gesundheitsamt entschieden, dass ich am Freitagmorgen einen Test bekomme. Was dann hoffentlich zur Beruhigung aller beiträgt, damit ich definitiv nicht mehr ansteckend bin. Ich freue mich darauf, dass ich keine Angst haben muss, dass es mich in Kürze noch mal trifft. Das ist das Gute, bei allem, was nicht schön war, dass ich dann immun bin gegen den Erreger.

Info

Die meisten Mitarbeiter werden am Montag wieder in die Verwaltung zurückkehren, Publikumsverkehr(nach Anmeldung) ist wohl ab Dienstag möglich.

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