Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheim: Toller Auftakt zur Serenade

Tolles Duo: Sängerin Janice Dixon und Michael Sorg am Klavier.
Tolles Duo: Sängerin Janice Dixon und Michael Sorg am Klavier. Foto: Franck

Amerikanische Weihnachtslieder und ein bisschen mehr haben Sängerin Janice Dixon und Pianist Michael Sorg in die ausverkaufte Protestantische Kirche nach Wachenheim gebracht. Die Adventseröffnung der Wachenheimer Serenade reichte von Choral bis Jazz – dabei waren auch einige eigene Songs.

Mit dem alten Choral „O come, o come Emmanuel“ begann das Konzert, und der offizielle Teil endete mit „Santa Claus is coming to town“, einem Jazz-Standard. Damit ist auch das musikalische Spektrum umrissen, das dieser Abend bot. In den USA sind verschiedene Kulturen zusammengekommen, die auf ihre Art Weihnachten gefeiert haben.

Da waren einerseits die europäischen Protestanten, die ihre Lieder mitgebracht haben. So hörten wir in Wachenheim „What Child is this?“, das auf der altenglischen Melodie „Greensleeves“ beruht. Der „Little Drummer Boy“, der auf keinem amerikanischen Christmas-Album fehlen darf, wurde 1951 für die Trapp-Familie geschrieben, österreichische Auswanderer, die vor den Nazis geflohen sind und durch das Musical „The Sound of Music“ berühmt wurden. Die Melodie, die Komponistin Katherine Davis schrieb, beruht auf einem tschechischen Volkslied. Den „Drummer Boy“ haben Bing Crosby, Johnny Cash, Joan Baez und sogar Jimi Hendrix aufgenommen, um nur ein paar zu nennen.

Ursprünge in Zeit der Sklaverei

Dann gibt es die afroamerikanische Tradition. Die unterdrückten und ausgebeuteten Sklaven sahen in der Geschichte der Israeliten ihr eigenes Schicksal. Insbesondere Geschichten wie die Gefangenschaft des jüdischen Volks in Ägypten oder in Babylon boten Möglichkeiten der Identifikation. Das wurde in Spirituals und Gospels ausgedrückt. So hörten wir „Go, tell it on the Mountain“, das die Geburt des Erlösers verkündet.

Aber auch ein sehr altes deutsches Weihnachtslied hatte das Duo im Programm: „Es kommt ein Schiff geladen“ stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die ersten Strophen sind eine Art Rätsel: Maria ist das Schiff mit der kostbaren Fracht, dem Gottessohn. „Have yourself a merry little Christmas“ ist sehr bekannt geworden, vor allem durch Frank Sinatra. Wenig bekannt ist dagegen, dass die ursprüngliche Textfassung recht düster war. Da hieß es „Mach dir eine schöne kleine Weihnacht, es könnte deine letzte sein. Nächstes Jahr sind wir Vergangenheit. ... Freunde die uns nahe sind, werden nicht mehr sein.“ Judy Garland, die das Lied als Erste in einem Film singen sollte, änderte den Text. Frank Sinatra fand ihre Version immer noch zu traurig und strich noch die Zeile „wir werden uns bis nächstes Jahr durchwursteln“ – und so entstand eine Version voll amerikanischem Optimismus, die zum Hit wurde.

Wird es flott, kommt der Drumcomputer

Michael Sorg brachte zwei eigene Songs mit, „The Mystery of Christmas“ und „Extraordinary Time“. Beide Stücke sind mit jazzigen Akkorden angelegt und klangen recht reizvoll. Sorg spielte auf einem Keyboard, das ihm neben Klavier auch Streicher und Harfenklänge zur Verfügung stellte und eindrucksvolle Glocken klingen ließ. Für die flotteren Stücke schaltete Sorg einen Drumcomputer ein. Zumindest bei „You are the sunshine of my life“ kann man über die Wahl der Rhythmen streiten, da wäre ein leichtfüßiger Bossa vielleicht passender gewesen als der verwendete Rock.

Dass Janice Dixon in allen Stilrichtungen dieses Abends bestens geklungen hat, ist fast schon selbstverständlich. Die große Opernstimme hat sie für „Summertime“ von der Leine gelassen – das Stück von Gershwin ist sozusagen ihre Erkennungsmelodie. Die Sängerin ist sehr wandlungsfähig und fühlt sich auch in Jazz und Gospel zuhause. Sie kann sehr soulig klingen, vermittelt immer viel Gefühl und hier und da hat sie auch etwas Scat improvisiert.

Ein gut informierter Heiliger

Ende des Programms war „Santa Claus is coming to town“, einer der bekanntesten Weihnachtshits. Er weiß, wann du schläfst oder wach bist, er weiß, ob du lieb oder böse warst, also sei um Himmels Willen lieb“, heißt es im Text. Das legt nahe, dass der Heilige gute Verbindungen zur NSA hat.

Für das jubelnde Publikum gab es eine Zugabe, „Let it be“, ein Stück das Paul McCartney seiner früh verstorbenen Mutter Mary gewidmet hat. Und zum guten Schluss sangen die beiden Künstler a capella „We wish you a merry Christmas.“ Das Publikum applaudierte stehend.

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