Bad Dürkheim Wachenheim: Roter Mond fasziniert
An sich ist eine totale Mondfinsternis nicht besonders selten – die nächste folgt bereits Anfang 2019. Doch am Freitag gab es die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts zu erleben. So auch für die Besucher und Mitglieder des Pollichia-Arbeitskreises Astronomie, die sich östlich von Wachenheim trafen. Als zusätzliche Attraktion sahen sie den Planeten Mars in ungewöhnlicher Erdnähe.
Die Spiegelteleskope stehen bereit, die Besucher auch. Überraschend viele Mondbeobachter sind an den ehemaligen Ballonfahrerplatz gekommen, um die totale Mondfinsternis zu sehen, die wegen ihrer fast zweistündigen Länge als Jahrhundertfinsternis gilt. Doch der Hauptdarsteller des Abends lässt sich Zeit: Ein dichter Dunstschleier über dem südöstlichen Horizont verhüllt zunächst den Mond. Fast zögerlich taucht er auf. Der verfinsterte Mond ist anfangs nur als hauchzarter Schimmer zu sehen, zeigt aber schon die ungewöhnlich rote Färbung. Nach einem chinesischen Märchen vertilgt der Himmelsdrache während einer totalen Finsternis den Mond und speit ihn wieder aus. So düster deutet der moderne Mensch das Himmelsereignis natürlich nicht mehr. Er weiß: Unser Planet Erde steht so zwischen Mond und Sonne, dass der Erdschatten auf den Mond fällt. Auch ist ihm klar, dass die Kupferfarbe durch abgelenktes Sonnenlicht entsteht: Die Erdatmosphäre streut den roten Anteil des Lichts in den Erdschatten. Doch die Faszination bleibt, wie die Reaktionen der Umstehenden zeigen. Auch Kinder sind gekommen und blicken begeistert durch Fernrohre und Ferngläser. Immer mehr Kontur gewinnt der rote Mond, bis er sehr plastisch aussieht. Als weitere Besonderheit des Abends erscheint ebenfalls über dem Südosthorizont der Mars. Zur Zeit ist unser äußerer Nachbarplanet der Erde so nah wie nur selten. Im Teleskop sehen die Besucher ihn als rötliche kleine Scheibe. „Details lassen sich nicht erkennen“, erklärt Uwe Klünder, früherer Vorsitzender des Arbeitskreises, „weil ein Sandsturm die Mars-Oberfläche verhüllt“. Die Julinacht nach einem sehr heißen Erdentag wirkt erfrischend. Inzwischen ist es dunkel genug, um fernab vom Licht und Dunst der Siedlungen den Zauber des Nachthimmels wahrzunehmen. Im Westen geht durch die Drehung der Erde die Venus hinter der Haardt unter. Trotz der Bezeichnung als „Abend-“ oder „Morgenstern“ ist Venus kein leuchtender Stern, sondern sie reflektiert wie alle Planeten das Sonnenlicht. Auch den Riesenplaneten Jupiter gibt es zu sehen, im Teleskop sogar mit seinen vier größten Monden. Beeindruckt sind die Besucher für einige Momente von einem Himmelsobjekt ganz anderer Art: Als gleißend heller Punkt zieht die Internationale Raumstation (ISS) in 410 Kilometern Flughöhe ostwärts, gefolgt von vielen irdischen Augenpaaren. Während in den Wiesen unermüdlich die Heuschrecken zirpen, verabschieden sich nach und nach die meisten Besucher. Wer noch bleibt, bekommt von Uwe Klünder die Sterne gezeigt, die das Sommerdreieck bilden. Ihre wohlklingenden Namen lauten Wega im Sternbild Leier, Atair im Adler und Deneb, der die Schwanzspitze des Schwans darstellt. Dieses Sternbild erinnert tatsächlich an einen riesigen Vogel. Erst wenn in dieser besonderen Nacht der Mond langsam aus dem Erdschatten wandert, erhellt das von ihm reflektierte Licht wieder den Himmel, sodass der Glanz der Sterne blasser wird.