Bad Dürkheim Wachenheim: Marode Straßen könnten gefährlich werden
Selten schafft es das Wochenendgebiet „Mundhardter Hof“ am Haardtrand zwischen Wachenheim und Bad Dürkheim ins allgemeine Bewusstsein. Aber als Mitte August ein BMW auf dem Kämmertsberg ganz in der Nähe brannte, schürte das Bedenken: Was, wenn ein schlimmerer Brand ausbricht? Hauptkritikpunkt: die marode Straße im Gebiet mit wohl mehr als hundert privaten Grundstücken. Auch Wachenheims Bürgermeister Torsten Bechtel bezeichnete den Zustand der Straße als „nicht ideal“. Ausgebessert wird sie aber wohl nicht so schnell.
Wieder einmal Glück gehabt, schrieb Ulrike Lenz nach dem Brand an die RHEINPFALZ. Die Anwohnerin des Engewegs bemängelt die fehlende Wasserversorgung, richtige Straßennamen und eben den Zustand der Wege, auf denen mit dem Wagen nur Schritttempo möglich sei. Bei diesem Brand sei wieder ein „Schutzengel dabei“ gewesen, um einen Waldbrand zu verhindern. Auch im Sommer 2008 habe es auf dem Kämmertsberg gebrannt. Die Feuerwehrzentrale habe nicht gewusst, wo der Brand ist, ein weiteres Problem seien fehlende Lampen gewesen. Die Nachbarn hätten damals mit Taschenlampen eine Lichterkette gebildet. Ähnlich sieht es Hans-Jürgen Engelmann. Die Lage sei ein „von der Stadt etwas verpöntes Gebiet“ mit verheerender Wegesituation. „Die Wege sind mittlerweile so stark eingewachsen, dass eine vernünftige Fahrbahnbreite nicht mehr gegeben ist“, sagt der Wachenheimer. In den letzten Jahren war der Zustand des Wochenendgebiets kaum noch Thema. Genutzt wird es trotz einiger verwildert aussehender Grundstücke dennoch. Etwa zwei bis drei Bauanträge werden im Jahr gestellt, so Bechtel. Grundsätzlich gilt allerdings: Das Gebiet ist für befristete Aufenthalte ausgewiesen. Hier darf Urlaub gemacht werden und natürlich können die Menschen an den Wochenenden kommen. Dass hier jemand dauerhaft lebt, ist rechtlich ausgeschlossen – auch wenn in der Realität wohl einige Menschen hier ihr Domizil haben. Es besteht hier aber kein Melderecht, sagt Bechtel. Das hat der Stadtrat schon vor vielen Jahren beschlossen. Laut Bebauungsplan dürfen die Bauten maximal 30 Quadratmeter Grundfläche haben. Im Gegensatz zu anderen Bauanfragen gehen im Falle des Wochenendgebiets alle Anfragen über den Tisch des Bauausschusses, so Bechtel. Damit die Ratsmitglieder wissen, was dort läuft. Die Stadt war und ist nicht an einer Erschließung interessiert, stellt der Bürgermeister klar. Übermäßige Bebauung solle es am Haardtrand nicht geben, da bestünde Einigkeit. Für die Straße bedeutet das: Der Bauhof flickt das Nötigste – etwa zweimal im Jahr. In diesem Jahr waren die Arbeiter aber wohl nur einmal da, räumt Bechtel ein. Es habe zu viel zu tun gegeben. Dass die Straße nicht im besten Zustand sei, gibt er zu. Gerade bei starken Regenfällen. Dazu komme, dass einige Anwohner ihr Wasser auf die Straße leerten, was deren Zustand nicht verbessere. Die Straße soll nach dem Willen des Gaslieferanten Creos ausgebaut werden. Sie will nämlich eine neue Leitung unter dem Engeweg bauen. Dazu soll der unbefestigte Weg neu geschottert werden – wo Kopfsteinpflaster lag, soll asphaltiert werden. Was gut klingt, hat einen Haken. Die Vereinbarung gilt seit 2009, seitdem ist nichts passiert. Laut Bechtel braucht die Firma kleine Stücke der Privatgrundstücke. In Einzelfällen fehle dafür noch die Erlaubnis, das blockiere das Projekt. Deshalb müssen nun aber alle warten. Bechtel findet, man müsse die Verhältnismäßigkeit sehen. Er verweist auf andere Wege im Gebiet, die in einem besseren Zustand seien. Dass die Straßen keinen Namen haben – auch der Engeweg hat keine offizielle Postadresse – sei eben dem Rechtsstatus des Gebietes geschuldet, erklärt der Bürgermeister. Die Anschrift sei Wochenendgebiet Mundhardter Hof. Und zumindest die Postboten finden das Gebiet ohne Probleme. Da das Wochenendgebiet überwiegend ohne Wasseranschluss ist, sind im Bebauungsplan auch besondere Brandschutzregeln festgelegt: So muss jeder Wochenendbewohner eine bestimmte Anzahl an Feuerlöschern haben. Natürlich wäre Wasser schön, findet Ulrike Lenz, sagt aber auch, dass das Interesse da wohl auch nicht so groß sei, schließlich würde eine Erschließung auch die Anwohner Geld kosten. „Der Weg ist schlecht, aber wenn wir im Wald unterwegs sind, können wir es uns nicht immer aussuchen“, sagt VG-Wehrleiter Marco Haag über die Straßen am Kämmertsberg. Im Wald wie auch im Wochenendgebiet sind große Äste oft ein Problem, an denen die Wehr mit den Fahrzeugen hängenbleibt. Auch im Wochenendgebiet ragt aus manchen Grundstücken ein kleiner Wald. Hier könnten sich die Anwohner auch „selbst an die Nase fassen“ und präventiv tätig werden, meint Haag. „Auf solchen Wegen fahre ich lieber mit größeren Fahrzeugen als mit meinem Privatfahrzeug. Schön wäre es, wenn alle Straßen 1a wären.“ Aber selbst in Ortschaften sei nicht immer gewährleistet, dass die Wehr bis zum Brandort komme. Dass es vor Ort kein Wasser gibt, damit kann die Wehr laut ihrem Leiter leben. Dafür stehen Tanklöschfahrzeuge bereit. Die Wehr poche darauf, dass die Fahrzeuge regelmäßig ersetzt würden. Ein vor zwei Jahren angeschafftes Fahrzeug hat sogar eine besonders lange Leitung: tausend Meter. Auch fehlende Beleuchtung stört den Wehrleiter nicht: „Licht machen wir uns selbst.“ Dass fehlende Straßennamen ein Problem bei einer Brandalarmierung darstellen könnten, kann Haag sich nicht vorstellen. Nach seiner Darstellung läuft die Alarmierung wie folgt: In der Ludwigshafener Rettungsleitstelle geht ein Anruf ein, der an die Wehren vor Ort weitergeleitet wird. Dabei wird genau die Aussage des Anrufers weitergeben. Weitere Hinweise würden stets weitergeleitet und bei Bedarf kann die Feuerwehr den Melder zurückrufen. In der Leitstelle werde keine Ortssuche vorgenommen, weil die dortigen Mitarbeiter nicht alle Gegebenheiten kennen. Dass das Fehlen von Straßennamen zum Problem würde, glaubt Marco Haag nicht. Die ortskundigen Kollegen wüssten mit den örtlichen Namen etwas anzufangen. „Dass wir ein Feuer überhaupt nicht finden, ist fast auszuschließen.“