Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheim: Letztes Canto-Del-Mundo-Konzert mit Chorleiter Alexander Wendt

Dirigiert ein letztes Mal den Canto-Del-Mundo-Chor: Alexander Wendt.
Dirigiert ein letztes Mal den Canto-Del-Mundo-Chor: Alexander Wendt. Foto: Franck

Mit einem vielseitigen a-capella-Konzert hat der Wachenheimer Chor Canto Del Mondo am Freitagabend im protestantischen Teil der Georgskirche Wachenheim die Gäste begeistert. Gleichzeitig verabschiedete sich Alexander Wendt nach zehn Jahren als musikalischer Leiter des Ensembles, das nächstes Jahr von Sängerin und Gesangspädagogin Lena Maria Kosack weitergeführt wird.

Mit „Lux fulgebit hodie super nos“, übersetzt „Ein Licht wird heute über uns leuchten“, steigt Canto Del Mondo in das Programm ein. Raumgreifend hallt der gregorianische Introitus zum Weihnachtsfest durch das historische Kirchenschiff. Die bezaubernde Schlichtheit der Verse und Psalmen wird unterstrichen durch den Wechsel von sauber intonierten Frauen- und Männerstimmen. Alexander Wendt leitet die Tonfolgen und Phrase ausdrucksvoll mit Gesten ein, er scheint die Töne mit seinen Händen bildhaft zu formen.

Der Chorleiter moderiert die drei Themenblöcke mit Gedankenimpulsen und Hintergrundinformationen. „Vor zehn Jahren hatten wir unser erstes Konzert in dieser Kirche“, erinnert er. Dem Namen des Chors gemäß gehe es auch heute noch um „Eine Erde – viele Klänge“. Im Mittelpunkt stehe nun der adventliche Gedanke in einer Zeit der Erwartung, wobei man auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicke, die Gegenwart bedenke und einen Ausblick auf die Zukunft gebe.

Mitreißendes „Vater Unser“ auf Kisuaheli

Eingebunden ist das Konzert in die Initiative „Wachenheimer Sternstunden“, die ebenfalls seit zehn Jahren besteht. Wie Isabel Lübke ausführt, soll „der Sternenweg die Menschen Europas verbinden“. Leitmotiv sei im Advent der Aufbruch zum friedlichen Miteinander, symbolisiert durch den Sternenweg.

Das Konzertprogramm zeigt sich in diesem Sinne als gelungene Symbiose von Musikstilen unterschiedlicher Zeiten und Kulturkreise. Den Choral „Liebster Jesu, wir sind hier“ von Barockmeister Johann Sebastian Bach nutzt der Chor, um alle Stimmgruppen mit ihrer fein differenzierten Melodieführung nacheinander vorzustellen. Mitreißend ist das „Vater Unser“ aus Ostafrika auf Kisuaheli. „Baba Yetu“ ertönt es bewegt und bewegend, effektvoll werden die kurzweiligen Rhythmen umgesetzt, die spannungsreichen Modulationen erklingen intonationssicher und mit überzeugender Freude.

Das Ensemble zeigt seine Vielseitigkeit

Kontrastierend hierzu, inhaltlich unter dem Motto „Wandel und Veränderung“, beginnt der nächste Themenblock mit „Alta trinita beata“, einem getragenen Chorsatz aus dem 16. Jahrhundert. Ganz anders klingt der Lobpreis aus der Romantik, repräsentiert durch den Psalm 100 im „Jauchzet dem Herren alle Welt“ von Felix Mendelssohn. Jede Textzeile ist in polyphoner Ausdeutung in sich verwoben. Canto Del Mondo zeigt seine Vielseitigkeit auch beim Sprung in die populäre Neuzeit. „What a wonderful world“ , bekannt durch Louis Armstrong, lässt Raum für schwebende Dissonanzen, Echoeffekte und gesanglichen Ausdruck. Publikumsbeteiligung ist angesagt beim „Adventsjodler“ von Lorenz Maierhofer, gewandt teilt Wendt die Stimmgruppen in den Sitzreihen ein. Begeistert machen die Besucher mit, können gar nicht genug bekommen.

In die Zukunft weisen inhaltlich das „Gebet“ von Max Bruch nach einem Mörike-Gedicht und die festliche Fuge „Machet die Tore weit“ aus der Barockzeit von Andreas Hammerschmitt. Für Alexander Wendt ist das Konzert gleichsam der Abschied von Canto Bel Mondo als Chorleiter. Er wird sich künftig intensiv seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit, der Gesangspädagogik und der Ausbildung von Lehrkräften an seinem „Rabine-Institut“ in Wachenheim widmen. „Ihr seid mit der Musik gewachsen und richtige Bühnenprofis geworden“, lobt Wendt seine Chorsänger.

Dirigentenstabwechsel erst im Januar

„Das eine geht, das andere kommt“, sollte das Motto lauten: Vorgesehen war, dass die vom Chor erwählte Nachfolgerin, Lena Maria Kosack, das Lied „Holder Friede“ aus der Kantate „Das Lied von der Glocke“ von Andreas Romberg dirigiert. Sie musste kurzfristig aber aus gesundheitlichen Gründen absagen, erläutert Wendt. Der Stabwechsel vollzieht sich daher im Januar bei der ersten Chorprobe von Canto Del Mondo. Also bildet das muntere „Tourdion“ aus dem 16. Jahrhundert, ein französisches Trinklied, als Kanon mit Ostinati und zunehmendem Tempo aufgebaut, den eindrucksvollen Abschluss.

Die rund 250 Besucher im vollbesetzten Kirchenschiff zollen dem Chor und seinem engagierten Chorleiter mit langanhaltendem, begeistertem Beifall Anerkennung für dieses gelungene Konzert. „Holder Friede“ wird schließlich doch noch gewährt – als zweite Zugabe.

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