Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheim: Kaum genutzte Buslinie 483

Jose Campos am Steuer des Busses.
Jose Campos am Steuer des Busses. Foto: jele

Seit August pendelt ein Bus in der Verbandsgemeinde Wachenheim. Er sorgt dafür, dass die Ganztagsschüler aus Ellerstadt pünktlich ins Klassenzimmer kommen. Das klappt. Die anderen Fahrten werden aber so gut wie gar nicht nachgefragt. Die RHEINPFALZ war mit auf Tour.

Pünktlich um 11 Uhr 30 setzt sich Busfahrer José Campos in Bewegung und steuert seinen Bus vom Bahnhof in Wachenheim in Richtung Industriegebiet „im Bruch“ in Bad Dürkheim. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Jens Lepthien hat ihn in Erwartung, mit einigen Fahrgästen über das neue Busangebot zu sprechen, auf seiner Tour begleitet. Am Bahnhof war jedoch kein weiterer Passagier zugestiegen. Dann bestimmt beim nächsten Stopp, Wachenheim Jägertal. Der Bus hält, die Tür öffnet sich und schließt sich wieder. Fahrgäste? Fehlanzeige! Komisch, will denn heute niemand einkaufen?

Die nächsten Haltepunkte Bruchstraße West, Bruchstraße Ost, Philipp-Krämer-Ring und Gustav-Kirchhoff-Straße bringen keine Veränderung: alle 40 Sitzplätze im Bus blieben leer. „So ist das eigentlich immer, seit dem es die Erweiterung Linie gibt“, berichtet Campos und ergänzt, dass er seit dem 12. August höchstens 16 Personen befördert habe. Als die Fahrt in Richtung Ellerstadt fortgesetzt wird, berichtet der Fahrer, dass an der Haltestelle Akazienweg immer eine Mutter mit ihren zwei Kindern zusteige, die in die nahegelegene Kita zu fahren. Heute ist auch sie nicht dabei.

Nur Schulkinder sorgen kurz für Trubel

An der Haltestelle Ellerstadt Kreissparkasse wird es dann hektisch, denn 16 Erst- und Zweitklässler der Grundschule Ellerstadt steigen in Begleitung FSJ-lerin Elena Braun zu, um am Ganztagsschulbetrieb am Standort Friedelsheim Gönnheim teilzunehmen. Als die Kinder in Friedelsheim ausgestiegen sind und die Ruhe der letzten 45 Minuten wiederhergestellt war, wird die Fahrt nach Wachenheim fortgesetzt… ohne Fahrgäste.

Die Fahrt in den Bruch ist innerhalb der Verbandsgemeinde dreimal täglich möglich, von Wachenheim Bahnhof beginnend jeweils um 9.30, 10.30 und 11.30 Uhr. Selbstverständlich kann auch in Ellerstadt, Gönnheim und Friedelsheim entsprechend früher eingestiegen werden. Im Bruch ausgestiegen, haben die Fahrgäste eine Stunde Zeit zum Einkaufen, um mit dem Bus wieder zurückzukommen. Wer mit der letzten Fahrtmöglichkeit ankommt, hat jedoch keine Gelegenheit mehr, mit dem 483er zurückzukommen, weil der dann für den Schülerverkehr benötigt wird.

„Nach dem Fahrplanwechsel im August wurde das Angebot der Linie 483 erweitert, weil die Grundschule Ellerstadt-Friedelsheim-Gönnheim Ganztagsschule geworden ist, was Busfahrten von Ellerstadt nach Friedelsheim-Gönnheim notwendig machte, und weil die Stadt Wachenheim das Angebot im öffentlichen Nahverkehr verbessern wollte“, erinnert sich die Pressereferentin der Kreisverwaltung Bad Dürkheim, Sina Müller.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wachenheim Torsten Bechtel (CDU) weist darauf hin, dass es von 8 bis 19 Uhr innerhalb der Verbandsgemeinde zusätzlich einen stündlichen Taktverkehr gebe und dreimal am Tag eine Verbindung mit dem Bruch hergestellt wurde. Der Fahrplan sei so getaktet, dass in Wachenheim problemlos in die Regionalbahn nach Neustadt oder Bad Dürkheim umgestiegen werden könne. Das gleiche gelte für die Umsteigemöglichkeit in Ellerstadt in die Rhein-Haardtbahn. „Das Ruftaxi bleibt der Bevölkerung erhalten, es fährt immer dann, wenn der Bus nicht fährt“, erklärt der Bürgermeister und weist daraufhin, dass das Ruftaxi in Wachenheim weiterhin wie immer, also auch zu Zeiten, wenn die Buslinie 483 fahre. „Es handelt sich bei der neuen Linie um eine höchst attraktive Linie, da sie die Verbandsgemeinde verbindet und man noch zusätzlich in den Bruch kommt“, stellt Bechtel die Vorzüge der neuen Nahverkehrsergänzung heraus.

Auf die geringen Fahrgastzahlen angesprochen, erklärt Marcus Weigl, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Palatina Bus GmbH, dass man einer „neuen Linie Zeit geben“ müsse, bis sie in der Bevölkerung akzeptiert und bekannt sei und man die Fahrgastentwicklung weiter beobachten werde. Die Dürkheimer Kreisverwaltung will der neuen Linie in einer ersten Phase zunächst drei Jahre Zeit zugestehen, sich zu entwickeln und zu etablieren. Nach diesem „Probebetrieb“ werde dann neu entschieden. Die zusätzlichen Kosten, die durch die Linienerweiterung anfallen, werden seitens der Pressestelle mit jährlich 62.000 Euro beziffert.

Wenn sich die Vorzüge der erweiterten Buslinie 483 in der Bevölkerung herumsprechen und erkannt wird, dass man beispielsweise von Ellerstadt nach Wachenheim fahren kann, um dann den Zug nach Neustadt zu nehmen oder dass man von Wachenheim nach Ellerstadt zur Weinprobe fahren kann, könnte die neue Verbindung zur Erfolgsgeschichte werden und Fahrer José Campos mehr Fahrgäste bescheren.

Noch Fragen? Der Fahrplan der Buslinie 483 kann unter der Adresse www.palatinabus.de heruntergeladen werden.

Blick in den leeren Bus.
Blick in den leeren Bus. Foto: jele
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