Bad Dürkheim „Wachenheim hat viel zu bieten“
Spannend und aufregend. Ich bin zum ersten Mal Großmutter geworden. Außerdem musste sich unsere neue Vinothek das erste komplette Jahr beweisen. Und auch unternehmerisch hatten wir uns sehr viel vorgenommen, nicht zuletzt Preiserhöhungen. Das hat viele Gespräche mit den Kunden erfordert. Das erste Halbjahr war umsatztechnisch schwierig, das konnte sich niemand so richtig erklären. Ab der Jahresmitte war es dann so, als ob irgendwo ein Hebel umgelegt worden wäre. Das zweite Halbjahr war glücklicherweise dafür umso erfolgreicher. Warum haben Sie an der Preisschraube gedreht? Wir waren der Meinung, dass wir die Preise an die Qualität in der Flasche anpassen müssen. Mit unseren Weinen stehen wir sehr häufig im internationalen Vergleich und es wurde in den letzten Jahren immer deutlicher, dass unsere Qualitäten preislich schlicht unterbewertet waren. In Deutschland und besonders in der Pfalz werden mittlerweile Weine produziert, die in der Breite eine sehr hohe Qualität vorweisen. Und da müssen die Preise angepasst werden. Schauen Sie: Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts zählte Riesling vom Rhein zu den teuersten Weinen der Welt. Wir müssen preislich dahin, wo jetzt die Spitzenburgunder sind. Zudem bedeutet unsere biodynamische Produktion einen enormen Mehraufwand an Zeit und Personal, was mit der Einführung des Mindestlohnes nochmals stark an Dynamik gewonnen hat. Was sagen denn die Kunden dazu? Wir haben durch die Preiserhöhung keinen großen Kunden verloren. Die meisten Kunden haben diesen Schritt absolut nachvollziehen können und häufig angemerkt, dass dieser Schritt aufgrund der qualitativen Entwicklung eine logische Folge sei. Die Frage ist natürlich, was die Kunden der Gastronomie und dem Handel erzählen. Bislang haben wir noch nichts Negatives gehört. Ich denke, für uns und den deutschen Wein ist das der richtige Weg. Man muss auch bedenken, dass wir von unseren Spitzenrieslingen nur eine sehr begrenzte Menge erzeugen. Die Nachfrage jedoch ist enorm hoch, gerade auch aus dem Ausland. Nehmen Sie unser Kirchenstück: Da erzeugen wir zwischen 1200 und 1500 Flaschen, einige legen wir zur Seite. Dem Markt stehen dann etwa 1100 Flaschen zur Verfügung. Man sagt ja auch: Was nichts kostet, ist nichts wert. Seit August 2017 ist Ihre neue Vinothek in der Ringstraße geöffnet. 2018 war das erste komplette Jahr am neuen Standort, auch das Konzept mit den Veranstaltungen im Englischen Garten musste sich bewähren. Wie ist es gelaufen? Wir hatten sechsmal die Weinzeit, ein Picknick, eine Weinprobe im Park und dazu Weinwanderungen. Wir sind positiv überrascht worden, wie viele nette Leute gekommen sind, um die Natur und die Ruhe im Englischen Garten zu genießen, die Kinder auf dem Spielplatz springen zu lassen und dabei ein Glas Wein zu trinken. Das ist genau der Grund, warum wir dorthin umgezogen sind. Ich wollte den Menschen dieses wunderschöne Stück Natur zugänglich machen. Sind viele Wachenheimer gekommen? Das Angebot wurde im Laufe des Jahres immer stärker angenommen. Am Ende des Sommers hatten wir schon den Eindruck, dass der Termin zu einem festen Bestandteil in der Terminplanung unserer Gäste wurde. Aber es gibt auch viele, die noch nicht dort waren und nichts davon wussten. Dabei lässt sich ein Besuch zum Beispiel wunderbar mit der Wachenheimer Serenade kombinieren. Den Tennisplatz haben wir an den Forster Tennisclub vermietet. Wir wollen das Gelände beleben, ohne dass der eine den anderen stört. Werden Sie für 2019 Änderungen an dem Konzept vornehmen? Nein, große Änderungen planen wir nicht, das Konzept geht auf und darf sich weiter bewähren. Wobei wir natürlich auch einen Prachtsommer hatten, der natürlich für den Start sehr hilfreich war. Seit 2008 ist Dr. Bürklin-Wolf als biodynamischer Betrieb zertifiziert. Somit war 2018 auch ein Jubiläumsjahr. Im kommenden Jahr steht das nächste Jubiläum an: 25 Jahre Klassifikation der Weinbergslagen nach burgundischem Vorbild. Hier waren wir – wie in der Einführung der Biodynamie – Vorreiter in Deutschland. Aber für mich ist Biodynamie kein Marketingtool, sondern das Handwerkszeug, um Qualität auf die Flasche zu bringen: Spitzenweine lassen sich ohne einen naturnahen Ansatz nicht produzieren. Davon bin ich überzeugt. Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Zeit. Biodynamie verträgt sich nicht mit Hektik. Wir geben unseren Weinen die Zeit, zu reifen. Deswegen stellen wir grundsätzlich keine aktuellen Jahrgänge unserer Spitzenweine in Verkostungen an. In Wachenheim tut sich ja so einiges. Zum Beispiel kommt das „The Izakaya“ von Benjamin Peifer und Johannes Lochner ... ... und wir sind total glücklich darüber. Aber es ist ja nicht nur das Izakaya. Das Kapellchen hat einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Auch die Gerümpelstube, das Pfalzweiße, die Alte Münze oder das Café Schellack tragen dazu bei, dass Marktplatz und Innenstadt belebt werden. Manche Wachenheimer schauen neidisch nach Deidesheim, das als das kulinarische Mekka der Pfalz bekannt ist. Wachenheim muss aber nicht wie Deidesheim werden. Es kann beschaulicher bleiben und hat trotzdem viel zu bieten. Benjamin Peifer und Johannes Lochner gehören für mich zu einer sehr ambitionierten, neuen Generation. Sie leben dafür, was sie machen: 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Im Weinbau kommt eine ebenfalls sehr ambitionierte Generation ans Ruder. Das merken wir schon in der Ausbildung. Diese jungen Menschen beschäftigen sich Tag und Nacht mit Wein. Winzer ist für viele junge Leute mittlerweile ein Traumberuf. Aber Weinbau ist ja auch eine wunderschöne Branche. Man ist immer bei seinem Produkt, sozusagen von der Rebe über den Keller bis hin zum Kunden. Sie haben ja vier Kinder. Wird einer Ihrer Söhne und Töchter mal das Weingut übernehmen? Ich sage da immer: Schauen wir mal. Ich habe viermal die Chance! Ich hoffe natürlich, dass eines der Kinder in meine Fußstapfen tritt. Wichtig ist, dass der- oder diejenige es mit Begeisterung fortführt. Wird denn der 2018er Jahrgang Freude machen? Wir sind sehr glücklich, sowohl mit der Menge als auch mit der Qualität. Obwohl es die Natur den Reben nicht leicht gemacht. Von Mai bis Oktober hat es bei uns praktisch nicht geregnet. Nach den zuletzt kleineren Jahrgängen können wir aus dem Vollen schöpfen. Wir sind glücklich, endlich die Kunden mit den Mengen bedienen zu können, die sie bestellen und nicht zuteilen zu müssen. Es ist natürlich auch eine Riesenmenge Wein im Markt. 2019 wird zur Herausforderung für unsere Vertriebsabteilung. Aber bei denen leuchten schon die Augen ... | Interview: Alexander Sperk