Wachenheim
Wachenheim: Fahrer wirft Schüler am Bahnhof aus dem Bus
Seit Jahren läuft die Beförderung von Schulkindern aus der Verbandsgemeinde Wachenheim zum Wachenheimer Standort der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim reibungslos. Auch die Verlängerung der Fahrt vom Bahnhof Wachenheim bis zum Haltepunkt „Oberstnest“ in unmittelbarer Nähe der Schule, der 2015 aufgenommen wurde, funktionierte unproblematisch. Seit dem Schuljahr 2019/2020 soll es jedoch zu Schwierigkeiten bei den Fahrten kommen. Was ist passiert?
Sarah Stiegler aus Gönnheim berichtet, dass die Fahrt ihrer Tochter von Gönnheim in die Wachenheimer Schule seit dem vergangenen Sommer bereits viermal am Bahnhof Wachenheim vorzeitig beendet wurde. „Ich finde es unmöglich, dass der Busfahrer die Kinder am Bahnhof rauswirft“, berichtet sie und ergänzt, dass die Kinder die restlichen etwa 750 Meter zur Schule zu Fuß gehen mussten. Die Kinder verhielten sich wie Kinder sich in diesem Alter eben verhielten und seien sicher manchmal laut, machten aber kein Tohuwabohu, ergänzt Stiegler. Auch gebe es Beschwerden hinsichtlich des Fahrstils des Fahrers.
„Tumultartige Szenen“
Der beauftragte Busunternehmer Marcus Blesinger erklärt auf RHEINPFALZ-Nachfrage, dass der verantwortliche Busfahrer jeweils von massiven Störungen seitens der Schulkinder berichtet habe, so dass er es nicht verantworten konnte, die Fahrt ohne Gefährdung der Sicherheit der Fahrgäste fortzusetzen. So habe er kurzerhand alle Kinder am Bahnhof Wachenheim aufgefordert, den Bus zu verlassen und zu Fuß in die Schule zu gehen. „Ich kenne den Fahrer gut, das ist ein besonnener, ruhiger Mann, der nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen ist“, erklärt Blesinger. Im Bus müssten sich tumultartige Szenen mit Turnübungen an den Haltegriffen und lautem Gebrüll abgespielt haben, die auch nach mehrfachen Ermahnungen des Fahrers und der Bitte um Ruhe nicht eingestellt wurden, berichtet Blesinger. Die Rechtsgrundlage für das Verhalten des Busfahrers stellen die Beförderungsbedingungen des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) dar, zu dem die Palatina Bus GmbH gehört, die für die Fahrten der Linie 483 verantwortlich ist. Dort heißt es in Paragraf 3, dass die Beförderung von Personen ausgeschlossen ist, „…die eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen…“ Weiter heißt es, dass die betreffenden Fahrgäste nach Aufforderung des Personals das Fahrzeug zu verlassen hätten.
Rainer Kinzinger, Standortleiter der Palatina Bus GmbH Ludwigshafen, nimmt die geschilderten Vorfälle sehr ernst und hat erfahren, dass einige wenige Kinder, die am Bahnhof Wachenheim zusteigen, für die Unruhen im Bus verantwortlich sein sollen. Die Kinder aus der Verbandsgemeinde würden sich dagegen eher unauffällig verhalten. Er bedauere, dass der Fahrer in seiner Verzweiflung zu derartig drastischen Mitteln greifen musste und die Kinder aus dem Bus geworfen hat „Das ist natürlich nicht schön, aber wenn die Sicherheit unserer Fahrgäste nicht gewährleistet ist, kann zu diesem Mittel gegriffen werden“, erklärt Kinzinger. Er habe sich auch schon an die Schule gewandt, damit dort auf die betreffenden Kinder eingewirkt wird.
Niemand will petzen
Georg Dumont, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim, würde gern etwas unternehmen, hat nur das Problem, dass die auffälligen Kinder namentlich nicht bekannt sind und die Namen von den mitfahrenden Kindern nicht genannt werden. So könne er wenig tun, um das Problem zu lösen. „Diejenigen, die sich im Bus friedlich verhalten, wollen nicht petzen“, bedauert der Schulleiter und ergänzt, dass auf einer Jahrgangsversammlung an die Schüler appelliert wurde, sich im Bus anständig zu benehmen. Zusätzlich seien die Lehrerteams angehalten, das Thema in den Klassen zu besprechen. Außerdem habe er erfahren, dass Busunternehmen eine „Busschule“ für Fünftklässler anbieten. Dieses Angebot möchte er an der Schule installieren.
Nach Auskunft von Sina Müller, Pressereferentin der Dürkheimer Kreisverwaltung, ist die Beauftragte für den öffentlichen Nahverkehr des Kreises mit allen Beteiligten im Gespräch. Sie will erreichen, dass der Bus künftig immer die geplanten Haltestellen anfahren kann.