Bad Dürkheim Vorstoß in die Vergangenheit

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Die letzte intensive Auseinandersetzung um einen „autofreien Stadtplatz“, liebe Leserinnen und Leser, wurde um die Jahrtausendwende geführt. Zum Glück nicht als Grabenkampf, aber sie hatte doch Züge eines Glaubenskrieges. Einzig der Einzelhandel bildete eine klare breite Front: Die Geschäftsleute befürchteten – wie heute noch – eine Katastrophe für die Innenstadt. Die Bürgerschaft wie auch der Stadtrat waren geteilter Meinung. Die FDP wollte es belassen, wie es war, die Grünen plädierten für weniger Verkehr im Stadtkern – diese Positionen waren klar im März 2000. Pikant war höchstens, dass beide Fraktionen seit einem Vierteljahr in einer gemeinsamen Koalition mit der CDU saßen. Innerhalb deren Reihen jedoch schlugen ebenso zwei Herzen wie in der SPD. In beiden Fraktionen gab es auch Stimmen, wenigstens die Römerstraße für den Verkehr zu sperren. So hat es nun ja auch Die Linke im Sinn mit ihrem Antrag zur Ratssitzung im März (wir berichteten am Montag): Stadtplatz samt Römerstraße autofrei. Es konnte auch nur Die Linke sein, die sich an dieses Thema noch einmal herantraute. Sie gab es vor 15 Jahren noch nicht, wenngleich ihr aktueller Ratsvertreter Norbert Bender das Thema noch als Grüner miterlebt hat. Denn die öffentliche Diskussion seinerzeit über mehrere Jahre hinweg im Kommunalwahlkampf, in den Arbeitsgruppen zu Stadtkonzeption/Stadtleitbild, in Partei- und Vereinsversammlungen und in der Leserbriefrubrik der RHEINPFALZ endete letztlich wie’s Hornberger Schießen: Die Kommunalpolitik ließ sie einfach im Sande verlaufen... Vor dem Millennium war beides noch politischer Wille gewesen. Als Römerstraße und Stadtplatz in den 90er-Jahren ausgebaut wurden, geschah dies mit dem Ziel, den Verkehr hie wie da mittel- bis langfristig herauszunehmen. Allerdings gab es die meisten Fördermittel damals ausgerechnet aus Töpfen zur Verkehrsfinanzierung. Da war also zunächst eine gewisse Schamfrist abzuwarten. Das Thema kochte dann vor der Kommunalwahl 1999 neu hoch, die Gemüter schäumten über, viele Köche mischten mit. DIE RHEINPFALZ in Form einer repräsentativen Umfrage im Wahljahr: Soll der Stadtplatz Fußgängerzone werden? Das Ergebnis zeigte das ganze Dilemma dieser Frage: Fast jeweils ein Viertel der Befragten war „sehr dafür“ (24 Prozent) oder „sehr dagegen“ (26 Prozent) beziehungsweise „eher dafür“ (23 Prozent) oder „eher dagegen (27 Prozent). Die Tendenz pro Autos im innersten Stadtkern (53:47) wurde ein Jahr später bei einer – wenn auch nicht repräsentativen – Telefonabstimmung der Lokalredaktion (Ted) bestätigt: Von 1468 Anrufern waren 866 dagegen, den Platz zu sperren, 602 dafür – das entsprach 59:41 Prozent. Woran man sich heute übrigens kaum mehr genau erinnert: Vier Monate später, im Juli 2000, wurde der Einbahnring um den Stadtplatz eingeführt (vorher Gegenverkehr auf der Ostseite). Diese Regelung gilt bis heute. Ansonsten ist seither eine neue Generation von Bürgern, Kunden und Gästen herangewachsen, viele Ältere, viele junge Familien zugezogen. Nicht zuletzt sind im Stadtrat knapp Dreiviertel der Mitglieder seither neu hinzugekommen, vielleicht auch mit anderen Sichtweisen. Man kann die Sache also durchaus einmal neu hinterfragen, neu diskutieren. Das erste, noch persönlich geprägte Meinungsbild der Fraktionschefs deutet insgesamt eine gewisse Offenheit an, aber auch Unentschlossenheit bis Skepsis. Der Autor will sich an dieser Stelle um eine Aussage nicht drücken, kann aber im Moment ebenfalls nicht einfach mit ja oder nein antworten. Zwei Punkte erscheinen ihm aber mehrheitsfähig. Zum einen: Allein die Autos herauszunehmen, genügt am Stadtplatz nicht. Eine Verkehrssperrung muss einhergehen mit einer Aufwertung der Fläche, die sie als Anlaufstelle und Aufenthaltsort für Passanten jeglichen Alters attraktiver macht. Zum anderen: So wie jetzt kann der Zustand auf dem Stadtplatz auch nicht bleiben. Von der Stadt stillschweigend toleriert, parkt mittlerweile jeder wie und wo er will, Passanten bleibt ein enger Korridor zwischen den Autos, die sich auf beiden Längsseiten breitmachen, und den Außenauftritten der Geschäfte – da wird viel, zu viel Qualität verschenkt. (K)ein autofreies Wochenende wünscht Ihnen

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