Historisch
Vor 185 Jahren: Vom Ende einer Dürkheimer Zeitung
„Dürkheim zählt eine ganz passable Anzahl Einwohner und man sollte denn doch wohl glauben, dass diese ganz passable Anzahl Einwohner auch dann und wann eine Neuigkeit vor sich gehen lasse; aber nein! Es ist gerade, als ob sich die ganze Stadt gegen die Redaction verschworen hätte ...“
So klagt ein Redakteur Anfang des 19. Jahrhunderts. Seine Zeitung steht vor dem Aus. Sind es die wenig spektakulären Alltäglichkeiten, die seine Arbeit erschweren. Ist es die geringe Anzahl an Anzeigen, die den Fortbestand des Blattes nicht mehr tragen? Heute lässt sich das nicht mehr sagen. Auf alle Fälle ist Friedrich Wilhelm Lehmann Mitte Dezember 1836 in der Klemme. Sein „Wöchentliches Unterhaltungsblatt für den Kanton Dürkheim“ wird es nicht mehr lange geben. Die letzte Ausgabe wird den wenigen Abonnenten schließlich am 25. Dezember 1836 zugestellt.Lehmann ist vor seiner Tätigkeit als Zeitungsmacher schon eine ganze Weile Buchbinder in der damaligen Wachenheimer Straße. Ganz in der Nähe des Obermarktes versorgt er mit seiner „Leihbibliothek“ die Dürkheimer mit Lesestoff.
Lokale Neuigkeiten und Inserate
Im „Wochenblatt“ berichtet er zusätzlich von lokalen Neuigkeiten. Etwa, dass in Seebach eine Suppenanstalt eröffnet wird, „in welcher auch ein guter Rother nebst lustigen Witzen den Leuten die Furcht vor der Cholera verscheucht“. Aus Wachenheim wird gemeldet, dass der Revierförster von einem Waldfrevler überfallen wurde und Schnittverletzungen am Hals davontrug.
Im Inserateteil erfährt der heutige Leser etwas über die damalige Geschäftswelt. So preist Kaufmann J.B. Walter „aechte Nürnberger und Baseler Lebkuchen in bester Qualität“ an, wie auch frisch eingetroffene „holländer und Genueser Sardellen“. Geschenke des gehobenen Bedarfs bietet Kürschner Herting an, der „dem geehrten Publikum“ eine Auswahl an Pelzkrägen für Herren und eine große Auswahl modernster Winter- und Sommerkappen, Pelzhandschuhe und mehr für den gut gefüllten Geldbeutel offeriert.
Die „Sklaven-Schau“ wird vom Redakteur kritisiert
Ein ungewöhnliches Ereignis wird vom Redakteur heftig kritisiert: eine Ausstellung von Eingeborenen, die von der indonesischen Insel Makassar stammen. In seinem Kommentar übt Lehmann nicht nur an der menschenunwürdigen und auf materiellen Gewinn ausgerichteten Zurschaustellung der Menschen Kritik, sondern auch an der Sensationslust seiner Mitbürger: „Wer noch keine Sclaven gesehen, aber schon über Sclaverei, selbst im Deutschen Vaterlande, faseln gehört, oder vielleicht selbst schon geträumt hat, der betrachte diese armen Unglücklichen, welche schmutziger Gelddurst ihrem heimathlichen Boden entrissen, und nun gleich seltenen Tieren, für Geld sehen gelassen werden. Ob dies mit der Menschenwürde, dem Menschen- und Völkerrechte, mit der europäischen Humanität, mit dem deutschen Gefühle vereinbar sey, dazu möchten wir Nein sagen“.
Letzte Ausgabe endet mit Gedicht
Mahnende Worte gibt’s vor Weihnachten für die Leser: „Möchten die Eltern vielmehr gerade in diesen Tagen auch den Geist ihrer Kinder nicht vergessen, und für die Bedürfnisse der Schulen sorgen. Bücher, Schriften, Federn, Griffel, Schiefer, Bleistifte, Lineale, Zeichnungsapparate und dergleichen. Dieß sind die schätzbaren Spielzeuge des kindlichen Geistes, welche denselben bilden, während das Marzipan den Magen verderbet“.
Doch bald schon schlägt für das „Unterhaltungsblatt für den Kanton Dürkheim“ sprichwörtlich dessen letzte Stunde. Lehmann verabschiedet sich dann noch einmal mit einem selbst verfassten Gedicht von seinen Lesern: „Was gibt’s Neues in der Stadt? Dass dieses Blatt ein Ende hat. Es entstand nicht aus Brodneid, endet nicht mit Herzeleid. Man ist nur des Schreibens müde, wünscht den Lesern Ruh und Friede, Glück und Segen zum Neujahr, und man reichet hiermit dar, noch das letzte Exemplar“.