Bad Dürkheim Vom Mittelalter bis heute

Die Mitglieder des Quartetts Flautando verwenden bei ihren Auftritten bis zu 40 Blockflöten in allen Bauformen und Tonlagen.
Die Mitglieder des Quartetts Flautando verwenden bei ihren Auftritten bis zu 40 Blockflöten in allen Bauformen und Tonlagen.

Vier alerte Damen werden bei der vorletzten Wachenheimer Serenade den Zuhörern die richtigen Flötentöne beibringen. Zu Gast in der Sektkellerei Schloss Wachenheim ist am Samstag, 3. November, um 19 Uhr das Blockflötenquartett Flautando aus Köln, das ein abwechslungsreiches Programm präsentieren will.

Im Jahr 1990 fanden sich vier Studentinnen der Musikhochschule Köln anlässlich eines Vorspiels der Blockflötenklasse zum Quartett zusammen. Seither haben sie sich zu einem weltweit konzertierenden Ensemble gemausert. Kontinuierlich haben sie sich entwickelt, ihr Repertoire erweitert, wobei sich Kontinuität in der Besetzung widerspiegelt: Mit einer Ausnahme spielen die Musikerinnen in der Urformation zusammen. Sie gastierten unter anderem auf dem Schleswig-Holstein-Musikfestival, dem Rheingau-Musikfestival und dem MDR-Musiksommer. Die Blockflöte steht im Ruf, ein eher schlichtes Instrument für Anfänger und Kinder zu sein, das vornehmlich der Hausmusik dient. Dabei ist sie ein hoch entwickeltes, differenziertes Konzertinstrument. Ihre Blütezeiten waren Renaissance und Barock, seit der Klassik wurde sie nicht mehr besonders beachtet und geriet im 19. Jahrhundert in Vergessenheit. Erst in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckte der französisch-englische Instrumentenbauer Arnold Dolmetsch die Blockflöte neu. Seitdem erfreut sie sich großer Beliebtheit, vor allem als Schulinstrument und im häuslichen Bereich. Darüber hinaus wird sie intensiv in der Historischen Musikpraxis und der Alte-Musik-Szene verwendet. Es gibt jede Menge neuer Kompositionen für Blockflöte, von der Pädagogik und Jugendmusik bis zur Avantgarde. Ensembles wurden gegründet, vor allem Quartette, von denen sich einige fast rein der Alten Musik verpflichten und andere, die vor allem Moderne und Avantgarde pflegen. Und es gibt Flautando. Das aus Susanne Hochscheidt, Katrin Krauß, Ursula Thelen und Kerstin de Witt bestehende Quartett zeichnet sich durch ein breites Repertoire aus. Von der Kunstmusik des Mittelalters bis zum 21. Jahrhunderts reicht die Palette. Auch der Impressionismus Claude Debussys aus der eigentlich „blockflötenlosen“ Epoche erklingt in ausgefeilten Arrangements. Die Musikerinnen erteilen zudem Kompositionsaufträge für ihr Ensemble. Dazu kommen Volkslieder aus Europa und von außerhalb, und auch vor Popsongs machen die vier nicht halt. Gelegentlich kommt ein Rhythmusgerät als Ergänzung zum Einsatz. Insgesamt vierzig Blockflöten spielen sie dabei, in allen Bauformen und Tonlagen vom winzigen Sopranino bis zum mächtigen abgrundtiefen Subbass. Stets legen sie atemberaubende Virtuosität und Spielfreude an den Tag. Als Besonderheit tritt Ursula Thelen auch als Sopranistin auf, sodass auch textgebundene Stücke zu hören sind. „Kaleidoskop“ heißt treffenderweise das Programm, das das Quartett in Wachenheim präsentiert. Es erklingen Stücke von Telemann und Mozart, türkische und irische Volkslieder. Der mittelalterliche Minnesänger Neidhart von Reuental ist ebenso vertreten wie die zeitgenössische australische Komponistin und Blockflötistin Recheal Cogan mit ihrem vor zwei Jahren geschriebenen Stück „Swirling Leaves“, und auch swingende Töne werden nicht fehlen.

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