Bad Dürkheim Vom Chateau Petrus bis zum Chako-Riesling
Gute Weine als Rücklage in Tresoren und Bankfächern? Aus Pfälzer Sicht sicher die schönste Art von Kapitalanlage. In Wachenheim ist dies tatsächlich Geschäftsmodell: Im vergangenen November hat dort die Winebank eröffnet – als zweite bundesweit. Die hat bisher knapp 130 Einleger im wahrsten Sinne. Für 20 RHEINPFALZ-Leser wurde gestern auf unserer „Sommertour“ das Bankgeheimnis gelüftet.
Aah, allein dieser Abstieg hat den Abstecher schon gelohnt. Herrliche 16 Grad herrschen konstant in den Kellergewölben des einstigen Weinguts Rettinger in der Wachenheimer Langgasse. Die Schalterhalle der Sparkasse ist nicht so klimatisiert. Und solch ein Gedränge herrscht dort auch selten. Freilich, die Winebank, die zwei Bankerkollegen aus diesem Hause vor gut acht Monaten dort eröffnet haben, ist nicht ganz so groß. Verzeichnet aber gute Wachstumsraten. 129 der 320 Fächer, auf sieben Tresore und 350 Quadratmeter in mehreren Gewölbe und Räumen verteilt, sind bereits vermietet. Für 40 bis 120 Euro im Monat, je nach Fachgröße. Die liegt in der Regel vierstufig zwischen 25 und 150 Flaschen. In die ehemaligen Betongärtanks mit den Original-Glasfliesen passen 1800 Flaschen (600 Euro). Und Christian König ist durchaus stolz, auch die beiden größten, begehbaren Tresore für monatlich 900 Euro schon vermietet zu haben. „Ich hätte nie gedacht, dass die weggehen“, räumt er ein. König ist seit 2014 in Ruhestand. Seither ist er der Manager der Winebank, die er zusammen mit dem noch aktiven Sparkassen-Kollegen Thomas Distler als Hausbesitzer umgesetzt hat. Weltweit gibt es erst elf, davon acht im deutschsprachigen Raum. Oder besser neun: eine auf Mallorca. Auch zwei US-Investoren haben das Franchise-Modell übernommen, dass das Weingut Balthasar Ress im rheinhessischen Hattenheim vergibt. Dort hatte man die Idee vor neun Jahren. Für Kunden, die selber zu Hause nicht ausreichend Lagerkapazität hatten. Die Amerikaner aus Austin/Texas und Washington/D. C., seien im Frühjahr dagewesen, um sich die Sache anzusehen, sagt König. Der seine Erwartungen in so kurzer Zeit übertroffen sieht. Wer die Tarife für teuer hält: In Frankfurt bezahle man das Dreifache, sagt König. Die Kunden kommen aus einem Umkreis, den er mit Thüringer Wald, Saarlouis und Sindelfingen umreißt. Das vertraglich geschützte Einzugsgebiet, in dem keine andere Winebank lizenziert werden darf, reicht von Darmstadt bis Karlsruhe. Leser und Reporter der RHEINPFALZ sind beeindruckt. Schon vom Gebäude, außen zum Kleinod restauriert, innen edel bestückt. Pfälzer Eiche, Edelstahl, teils noch der naturbelassene Buntsandstein von vor gut 200 Jahren. Darin eingebettet modernste Smart-Vernetzung und hochwertige Gerätetechnik. Gegründet wurde das Weingut im Jahr 1618, wie ein Kopfstein ausweist. Einen Tag der offenen Tresore zum 400. wird es nächstes Jahr leider nicht geben. Und so kann man sich durch die offenen Gitterstäbe nur optisch auf der Zunge zergehen lassen, welche Schätze in den insgesamt 320 Fächer mit einer Gesamtkapazität von fast 41.000 Flaschen hier schon liegen. 0815-Weine – laut Etikett – allenfalls in Fach 1116. Ansonsten die gesamte Breite der pfälzischen Spitzen. Vom Eiswein bis zum QbA. Crossover, was die Produzenten betrifft, aber in Fach 1111 zum Beispiel liegt ausschließlich Bürklin-Wolf. Den Kunden nennt König natürlich nicht – aber einheimische Einleger machten noch keine zwei Handvoll aus. Älteste Kostbarkeit ist ein 1948er Chateau Petrus aus Bordeaux – Wert: ein fünfstelliger Betrag. Ansonsten reicht die Bandbreite von allerlei Champagnern bis zum „Chako-Riesling“, von namhaften Produzenten aus Übersee bis zum, na ja, badischen Wein. Und ein Wurstmarkt-Dubbeglas vom Stand 10. Gerne würde man die eine oder andere Geschichte hören, die man hinter manchem Fach vermutet ... Wer sind die Kunden denn so? Zu 90 Prozent Unternehmer und Selbstständige, verrät König. Daneben Sammler und Spekulanten – Wein als Kapitalanlage hat laut „Handelsblatt“ 2016 um 26 Prozent zugenommen. „Winebanker“ kann aber grundsätzlich jeder werden. Und der braucht nur seine spezielle Bankcard, die Zugang gewährt. 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Es gibt Genießer, die allein kommen,, andere in Gruppen. Geburtstage hat es schon gegeben und Geschäftstreffen. Einmal hat König vier Handwerker mit einem Bauplan auf dem Tisch angetroffen, die ein gemeinsames Projekt besprochen haben. Was passiert denn, wenn mehrere Winebanker gleichzeitig kommen? Kein Problem, meint der Manager mit Verweis auf mehrere Räumlichkeiten sowie Sitz- und Stehtische von zwei bis zwölf Leuten. „Das ist ein Hallo!“, zumal sich manche Winebanker untereinander kennen, aber noch nicht immer voneinander wissen. „Meistens setzt man sich dann eh zusammen“, sagt Christian König. „Wir sind doch in der Pfalz ...“ Und deshalb gibt’s für die Sommertourler am Ende noch einen Schluck Riesling oder Chardonnay, herrlich auf acht Grad temperiert. Die Treppe hoch geht einem plötzlich ein alter Song durch den Sinn. EAV, 1985. Ba-Ba-Banküberfall ...