Bad Dürkheim / Weisenheim am Sand RHEINPFALZ Plus Artikel Vinissima-Trio: Frauen im Weinbau eine Stimme geben

Sarah Janson, Saskia Teucke und Christine Freund (von links) beschäftigen sich gerne mit Wein.
Sarah Janson, Saskia Teucke und Christine Freund (von links) beschäftigen sich gerne mit Wein.

Die Regionalgruppe Pfalz von Vinissima, einem Netzwerk von Frauen aus der Weinbranche, wird erstmals von einem Sprecherinnen-Trio vertreten. Es hat ein gemeinsames Ziel.

Vinissima ist ein bundesweites, generationenübergreifendes Netzwerk für Frauen, die als Winzerinnen, Önologinnen, Wissenschaftlerinnen, Weinhändlerinnen, Gastronominnen, Sommelière, Journalistinnen oder im Wein-Marketing tätig sind. Die Vereinigung hat 600 Mitglieder in 13 Regionalgruppen. Seit Frühjahr sind Christine Freund-Grieger (Bad Dürkheim), Saskia Teucke (Weisenheim am Sand) und Sarah Janson (Bockenheim) die Sprecherinnen der Regionalgruppe Pfalz, die mit 150 Mitgliedern die größte Gruppe ist.

Zunächst hatte sich niemand bereit gefunden, für die nächsten zwei Jahre Sprecherin zu werden. Als Lösung bot sich ein Sprecherinnen-Trio an, um die anfallende Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und dadurch die Mehrfachbelastung mit Beruf, Familie und Ehrenamt besser bewältigen zu können. Sprecherinnen werden für zwei Jahre gewählt, man kann um zwei Jahre verlängern. Mit den jungen Frauen wurde ein Generationswechsel bei Vinissima vollzogen.

Frauen lange unterrepräsentiert

Die 39-jährige Christine Freund-Grieger ist im Marketing der Vier Jahreszeiten Winzer in Bad Dürkheim und organisiert mit einer eigenen Firma Führungen in Bad Dürkheim mit Weinbezug. Die zweifache Mutter und ehemalige Weinprinzessin stammt aus einer Winzerfamilie. Durch das Vinissima-Netzwerk habe sich einiges für die in dieser Branche lange Zeit unterrepräsentierten Frauen bewegt, sagt Freund. Es gehe um die Sichtbarkeit und um eine Stimme für die Frauen. Frauen hätten zudem eine andere Herangehensweise an relevante Themen, hat die Bad Dürkheimerin festgestellt. Sie versteht das Netzwerk, das alle Altersgruppen umfasst, als ein „Geben und Nehmen“, es sei kein Verein mit einem Vorstand und Mitgliedern. Jeder sei gefordert, sich einzubringen, das funktioniere sehr gut. Die Frauen würden in der Weinbaupolitik etwas bewegen. Diese Außenwirkung sei positiv für das Selbstbewusstsein der Frauen aus der Branche.

Ein anderer Blick auf den Weinbau

Sarah Janson vom Weingut Schloss Janson in Bockenheim ist Quereinsteigerin. Die gebürtige US-Amerikanerin kommt aus der Gastronomie und ist der Liebe wegen 2004 nach Bockenheim gekommen. Die Amerikaner hätten einen ganz anderen Blick auf Wein, als das hier der Fall sei, hat sie festgestellt. In Nordamerika werde Wein eher als Luxusgut angesehen mit einer entsprechend anderen Preisstruktur.

Im Weingut Schloss Janson ist die 45-Jährige für den Verkauf zuständig. Frauen müssen ihrer Meinung nach in vielen Bereichen doppelt so viel arbeiten wie Männer, um gehört zu werden. Das liefert der zweifachen Mutter die Motivation, sich in dem Business-Netzwerk zu engagieren. Man finde in den USA nur wenige familiengeführte Weinbaubetriebe, wohl deshalb blicke sie aus einer anderen Perspektive auf die Arbeit der hiesigen Winzer. Die Weinbaubetriebe hier würden anders geführt, sie und ihr Mann müssten „mehrere Rollen“ in ihrem Weingut ausfüllen. Die Weinbaubranche sei im Umbruch, es gebe „ganz viele Änderungen“, deshalb sei Fortbildung enorm wichtig. Ihre Kolleginnen schätzen ihre originellen Einfälle für Veranstaltungen.

Die dritte im Bunde ist Saskia Teucke, die Pfälzische Weinkönigin 2021/22 aus Weisenheim am Sand. Sie hat Marketing und Kommunikation studiert und besucht für eine Firma im Außendienst Weingüter und Genossenschaften in Rheinland-Pfalz. Sie interessierte sich für das Frauennetzwerk, ließ sich von einer Patin einführen, wie das bei Vinissima üblich ist, und fand Gefallen an der Organisation.

Teil des großen Puzzles sein

Sie wolle gerne ein Teil dieses großen Puzzles sein. Sie habe zwar nicht „hier“ gerufen, als es um die Wahl einer neuen Sprecherin ging, aber in einem Sprecherinnen-Team mitzumachen gehe für sie in Ordnung. Man lerne im Netzwerk immer jemanden kennen, der jemanden kennt, mit dem man gerne Kontakte knüpfen würde. Sie sei gerne mit anderen jungen Frauen „in einem Boot“, die für sich selber gerade stehen könnten, so Teucke.

Auf die Sprecherinnen warten in den nächsten zwei Jahren die Organisation von Weinproben zu speziellen Themen oder Gegenden oder Fortbildungsveranstaltungen beispielsweise zu Betriebsübergaben oder Biodiversität.

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