Historisch RHEINPFALZ Plus Artikel „Vierzig Blätter vom Rhein“ berichten 1820 von Dürkheim und Wachenheim

„Ruinen des Bergschlosses bey Wachenheim“ ist der Titel dieses Stichs von J. Roux, der in dem Buch „Malerische Ansichten des Rhe
»Ruinen des Bergschlosses bey Wachenheim« ist der Titel dieses Stichs von J. Roux, der in dem Buch »Malerische Ansichten des Rheins, der Mosel, des Haardt- und Taunusgebirges« aus dem 1820 abgedruckt ist.

Am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließen sich viele Dichter, Maler, Musiker und Schöngeister von der unverfälschten Kulturlandschaft des Rheintals inspirieren. Damals entstand die „Rheinromantik“ und mit ihr Beschreibungen von Rheinreisen und Ansichten der am Strom gelegenen alten Städte und Burgruinen. Ein Werk aus dieser Epoche erschien 1820 mit dem Titel „Malerische Ansichten des Rheins, der Mosel, des Haardt- und Taunusgebirges“. Es beschrieb auch Regionen außerhalb des damals favorisierten Mittelrheintals.

Ein Kapitel des mit zahlreichen Stahlstichen illustrierten Werks trägt die Überschrift „Vierzig Blätter vom Rheine“ und beschreibt den Abschnitt entlang der Haardt zwischen Neustadt und der Gegend um Bad Dürkheim. Die damaligen Leser erfuhren manch Wissenswertes.So ist darin zu lesen: „Der Flecken Wachenheim mit den Ruinen einer alten Burg, liegt 2¼ Stunden von Neustadt. Das Kloster Limburg hatte hier eine Münzstätte, die sogenannte Burgvogtey, welche der jetzige Besitzer in eine sehr schöne Wohnung umgeschaffen hat“. Die Entfernung zwischen Neustadt und Wachenheim wurde mit 2 ¼ Stunden angegeben, sodass Besucher einen Anhaltspunkt für die Länge der Strecke hatten, die sie entlang der Landstraße zu Fuß zurücklegen mussten. Erwähnt wurde auch, was sich verändert hatte, etwa, dass die ehemalige Münzstätte zu einer Privatwohnung umgewandelt worden war.

War Wachenheim „erwandert“, lag Dürkheim, als Hauptort des Kantons, mit einer halben Stunde Fußweg nicht mehr weit entfernt. Am „Eingang eines romantischen Thals und am Bach Isenach“ gelegen, führte eine moderne „Kunststraße“, von Oggersheim kommend an Dürkheim vorbei nach Kaiserslautern. Sie verband die Verkehrswege der Rheinniederung mit der nach Westen führenden Kaiserstraße, als Teil übergreifender Kommunikations- und Handelswege.

Vom publikumsträchtigen „Wurst- oder Michaelis-Markt“

Auch in Dürkheim waren nach der Revolution neue Zeiten angebrochen. Das ehemalige Schloss der Grafen von Leiningen war 1794 ein Raub der Flammen geworden. Die Ruine mitsamt den Schlossgärten war in das Eigentum von Bürgern übergegangen, wie die Leser des Werks „Malerische Ansichten des Rheins, der Mosel, des Haardt- und Taunusgebirges“ erfuhren. Alle Zeiterscheinungen und revolutionären Umbrüche unbeschadet überstanden hatte der publikumsträchtige „Wurst- oder Michaelis-Markt“, der nach der Beschreibung von 1820 „sehr häufig von (Gästen) zehn Meilen in der Runde besucht“ wurde.

Viele der „malerischen Ansichten“ lagen nach dem damaligen Verständnis natürlich außerhalb der Stadt, wie etwa die Heidenmauer. Die führte der Autor des damaligen Textes auf den Hunnenkönig Attila zurück. Der habe an dieser Stelle angeblich einst sein Heerlager errichtet und habe den nahegelegenen Teufelsstein als Opferplatz dieser Völker gedeutet.

Landschaft wandelt sich „wie durch einen Zauberschlag“

„Das nahe Jägerthal ist äusserst romantisch“ lautet die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, in die sich die Ruine der Hardenburg und die des Klosters Limburg einreihen. „Von der Höhe dieser Ruine“, so heißt es in dem Text, „genießt man der schönsten Umsicht, gegen Osten, auf die reizenden Fluren, durch welche sich der königliche Rhein windet, gegen Westen aber in die schauerliche Wildniß; südlich sieht man das Dörfchen Seebach, welches guten rothen Wein erzielt, seine Lage ist idyllisch“.

Wurde auch der Weg zur Hardenburg noch als „romantisches Tal“ und „reich an reizenden Parthieen“ empfunden, so wandelte sich die freundliche Landschaft, nachdem man das Dorf passiert hatte, „wie durch einen Zauberschlag“ und nur noch eine Reihe wilder „Naturscenen“ dominierte fortan das Bild.

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