Fussball
Verletzungen, Abgänge, Frust: Neuaufbau beim SV Weisenheim steht bevor
Wenn man über die Gründe der Talfahrt spricht, muss man etwas weiter ausholen. Nach dem kurzfristigen Ausstieg der Brüder Tim und Mark Heisel sowie dem Ausscheiden von Maximilian Janta, die auswärts studieren, schrumpfte der sowieso schon zu kleine Kader auf 17 Akteure, weil auch Ex-Juniorennationalspieler Dennis Lang aus Verletzungsgründen passen musste. Was nach einer vermeintlich ausreichenden Größe klingt, erwies sich rasch als Trugschluss, denn es folgten weitere Ausfälle: Der spielende Co-Trainer Florian Lutz war immer mal wieder angeschlagen und fehlte oft. Der verletzte Stürmer Lukas Löffel verpasste die Vorrunde ebenso zu großen Teilen wie Verteidiger Kai Amann.
„Wir haben uns schwergetan, ausreichend neue Akteure zu akquirieren. Wir hatten zwar Qualität im Kader, aber es fehlte an der Quantität“, verdeutlicht Spielertrainer Daniel Schattner. Die Folge dessen: Es fehlte der Konkurrenzkampf, mitunter mussten sogar Trainingseinheiten mangels Masse abgesagt werden. Es gab kuriose Ergebnisse am Fließband. Zehnmal hat der SVW fünf und mehr Tore erzielt, in sieben Begegnungen gab es fünf und mehr Gegentreffer. „Die prekäre personelle Situation, hervorgerufen von immer mehr wegbrechenden Akteuren und die daraus resultierenden Misserfolge haben dafür gesorgt, dass der Spaß immer mehr verloren ging“, stellte der Coach ernüchtert fest.
In der Hinserie lief es schon nicht gut, aber immer noch um Längen besser als in der katastrophalen Rückrunde, in der nur Vatanspor Frankenthal (7:2) und DJK Eppstein (10:3) geschlagen wurden. Ein Grund dafür war, dass drei weitere
Akteure wegbrachen: Torjäger Ayoub Mansouri zog in den Rhein-Gau um, Bernd Lindenau (Knöchelbruch) und Yanic Holzner (Kreuzbandriss) verletzten sich schwer. „Nach der Winterpause war es eine einzige Quälerei. Zum Glück hat uns die Reservemannschaft mehrfach ausgeholfen“, sagt Schattner. Oft mussten Spieler auf Positionen ran, auf denen ihre Stärken nicht zur Geltung kamen. Das Team habe außerdem zu viele Fehler gemacht und zahlreiche Gegentreffer selbst verschuldet.
Das einzigartige Torverhältnis von 111:96 spricht Bände. „Man kann nicht in jedem Spiel fünf Treffer erzielen, um drei Punkte einzufahren“, klagt der Übungsleiter. Und wenn der SVW in Rückstand geriet, gingen die Köpfe nach unten. Ein Aufbäumen blieb meistens aus, zudem sei die Körpersprache einiger Kicker verheerend gewesen. Je mehr sich die Runde dem Ende zuneigte, desto mehr sehnte jeder den letzten Abpfiff herbei. „Wenn das Training nur Bewegungstherapie ist, taktische Dinge keine Rolle mehr spielen, können die Ergebnisse nicht positiv sein“, stellt Schattner resigniert fest. Ganz wichtig: Der 33-Jährige bleibt seinem Heimatverein treu und trägt auch in der B-Klasse das blau-rote Trikot.
Der SVW setzte 31 Akteure ein, von denen nur Tim Reither alle Begegnungen mitmachte. „Tim ist kein Überfußballer, aber er gibt stets 100 Prozent, im Training wie im Spiel. Auf ihn war immer Verlass“, lobt der Trainer und erzählt eine Geschichte, die vieles über den Charakter des Spielers aussagt: „Er hat sich von seinem Vater am Flughafen abholen und direkt zum Spiel bringen lassen. Das hätte nicht jeder gemacht. Von seiner Sorte hätten wir mehr gebraucht“, betont Schattner. Rot-Weiss Seebach, wohin Reither zurückkehrt, darf sich auf einen Akteur mit vorbildlicher Einstellung freuen.
29 Begegnungen bestritt Verteidiger Manuel Kiefel. „Er setzt sich für den Verein ein, war in der Rückrunde nicht umsonst Kapitän und verschiebt auch mal seine Schicht zugunsten des Fußballs“, berichtet Schattner. Positiv: Der Abwehrspieler bleibt und hilft beim Neuaufbau mit. Ebenfalls nur einmal gefehlt hat Jan Gutermann. Er sei ein guter Fußballer, der sich mehr von der Saison versprochen hatte und wie viele höherklassige Akteure Probleme mit der Umstellung auf die Gegebenheiten der A-Klasse hatte. Sein Bruder Kai habe ebenso eine hohe fußballerische Qualität und sei in der Lage, Partien allein zu entscheiden wie etwa beim 5:3 in Bobenheim-Roxheim, wo ihm vier Treffer gelangen.
Kai Gutermann ist mit 21 Saisontoren der beste Torschütze der Weisenheimer. Überhaupt sind die 111 erzielten Treffer der Bestwert in der Liga knapp vor Meister Südwest Ludwigshafen (110). Dieser Rekord wurde allerdings hauptsächlich wegen der 19 Tore im Heimspiel gegen den PSV Grün-Weiß Ludwigshafen aufgestellt. Hinter Kai Gutermann folgen Schattner (17) sowie Reither und Jan Gutermann (jeweils 15). Löffel und Mansouri trafen zwölfmal ins Schwarze, womit sechs Spieler des SVW eine zweistellige Torausbeute verbuchen. Versöhnlicher stimmt dies jedoch nicht.