Bad Dürkheim
Unwetter: Bilanz nach drei „heftigen Tagen“
„Das waren drei heftige Tage“, sagte Bürgermeister Christoph Glogger (SPD). Viele Bürger habe es hart getroffen. Die Feuerwehr erlebte eine anstrengende Zeit, Bauhof und Bürger frustrierende Aufräumarbeiten. „Wir denken an alle, die ihre Wohnung verloren haben“, so Glogger.
Am Donnerstag, 24. Juni, seien 60 bis 90 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen – am darauffolgenden Montag bis zu 70. „Beides waren 100-jährige Ereignisse. Statistisch müssten wir 200 Jahre Ruhe haben“, so Glogger. Dies sei aber nicht wahrscheinlich. Wegen des Klimawandels müsse man befürchten, dass so etwas nun öfter passiere.
Kanalsystem nicht für solche Ereignisse ausgelegt
Das Kanalsystem habe zwar funktioniert. Dieses sei aber nur für zwei- oder dreijährige Ereignisse vorgesehen. Wenn es laut Glogger so heftig regnet wie an den drei Tagen im Juni, kann der Kanal das Wasser nicht fassen, dann muss es oberflächlich möglichst schnell abfließen. Die Schillerstraße und die Kaiserslauterer Straße seien teilweise zum reißenden Fluss geworden. Aber bei so einem Ereignis sei es der Plan, dass das Wasser schnell weg müsse. „Es darf sich nicht aufstauen“, so Glogger. Laut seiner Aussage kann die Stadt an manchen Stellen einen Stau nicht verhindern. „So bitter das ist“, sagte Glogger zum Beispiel mit Blick auf die Gerberstraße, wo die Isenach über die Ufer getreten war. Hier sei baulich nicht viel möglich. Bauamtsleiter Dieter Petry empfahl, dass sich Bürger selbst gut schützen. Wichtig sei es, auf Grundstücken einen Rückhalt zu schaffen, bei den neueren Neubaugebieten sei das auch der Fall, so der Bürgermeister. „Das geht in der Schillerstraße schlecht“, nannte Glogger Grenzen des Hochwasserschutzes.
Zwei neuralgische Punkte in der Stadt sind die Hammerwiesen in Hardenburg und die Altenbach in Ungstein. In Hardenburg will die Stadt eine Maßnahme in diesem Jahr angehen und im Frühjahr des kommenden Jahres umsetzen. Im Sommer 2022 soll das System dann bereitstehen. Das Prinzip: Das Oberflächenwasser soll anders gefasst und zur Isenach zurückgeführt werden, erklärte Wietschorke. Alle Probleme werde das aber an dieser Stelle nicht lösen, betonte Glogger. Markus Wolf (CDU) sagte, die Stadt sei „verdammt noch mal“ in der Pflicht, die Lösung in der Hammerwiesen schnell umzusetzen. „Wenn wir Probleme kennen, müssen wir sie angehen.“ Hardenburgs Ortsvorsteher Torsten Brand (CDU) verdeutlichte die Problematik im Ortsteil: „Was soll ich den Leuten in den Hammerwiesen erzählen, die immer wieder betroffen sind?“ Sein Appell: „Jeder Tropfen Wasser, der zurückgehalten werden kann, soll auch zurückgehalten werden.“
Wasser an Ungstein vorbei führen
Sehr stark betroffen war der Bereich Altenbach in Ungstein. Bei manchen drückte das Grundwasser noch Tage durch die Wände. „Das Wasser floss stundenlang rein, es war nicht denkbar, den Kanal leerzukriegen“, verdeutlichte Glogger das Problem. Ein Hochwasserprojekt, das das Erpolzheimer Bruch und Ungstein schützen soll, ist zwar bereits begonnen, aber noch nicht abgeschlossen worden. „Es ist versprochen, dass wir uns das sehr genau ansehen“, so Glogger. Die Hochwassermaßnahme sieht laut Wietschorke vor, die Isenach so zu ertüchtigen und zu verbreitern, dass das Wasser nicht aus dem Bachbett heraustreten wird. Im weiteren Verlauf soll das Gewässer an Ungstein vorbeigeführt werden. Albertgraben und ein weiterer würden von der Isenach abgehängt. Der Fluss solle dann in neu geschaffene Areale eingeleitet werden. So soll verhindert werden, dass sich wieder eine Art See im Wohngebiet bildet.
Ortsvorsteher Andreas Wolf (CDU) appellierte an Stadt, es sei wichtig, die nötigen Teile der Weinberge neben der Isenach zwischen Lebenshilfe und Bleiche zu kaufen. Das hätte zum Teil schon erfolgen können bei den Winzern, die schon zum Verkauf bereit seien. Die verbleibenden sollten dazu aufgefordert werden. „Es wird sich nichts verbessern, wenn wir diese Flächen nicht bekommen“, so Wolf.
Feuerwehrchef zufrieden
Die Gräben seien vom Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach so gepflegt worden wie jedes Jahr, entgegnete Glogger anderslautenden Gerüchten.
Karlheinz Bayer, SPD-Mitglied im Stadtrat und Feuerwehr-Chef, zog ebenfalls Bilanz: „Das Ganze lief trotz Riesenausmaß gut.“ Die Feuerwehr sei 250 bis 260 Mal im Einsatz gewesen. Das Zusammenwirken mit den anderen Wehren, dem THW und dem DRK sei „hervorragend gelaufen“. Er dankte auch den städtischen Einheiten. Er sehe kein großes Verbesserungspotenzial, was den Ablauf des Einsatzes angehe.