Historisch
Unwetter auch Mitte des 19. Jahrhunderts
„Fürchterlich heulten die Wasserwogen, der Angstruf der Bedrängten, das traurige Tönen der Sturmglocke erschütterte die Herzen aller Einwohner. Doch dem Fleiße und der menschenfreundlichen Gesinnung der braven Bürger gelang es, mehrere Häuser und deren Bewohner vom Untergange zu retten“, heißt es in dem Bericht. Ein Einwohner Wachenheims wurde bei den Rettungsmaßnahmen von den Wassermassen fortgerissen und verletzte sich so schwer, „daß er zwei Tage darauf unter großen Schmerzen sein Leben aushauchte“.
Bereits zwei Jahre zuvor hatten Unwetter und deren Folgen Eingang in die pfälzische Presse gefunden. So berichtete der in Speyer erscheinende „Rheinbayer“ im Mai 1834 über ein Gewitter, das sich zunächst als harmloses „Gewölk“ dargestellt hatte, dann aber mit Blitz und Donner, heftigem Sturm und Hagelschlag über die in den Weinbergen und Feldern beschäftigten Landleute hereingebrochen war: „Alles suchte noch seine Wohnungen zu erreichen, allein das Wetter, von einem so entsetzlichen Sturme begleitet, daß mehrere Bäume in der Mitte des Stammes entzwei brachen, holte die Fliehenden, noch ehe sie an ihre Häuser kamen, ein, und viele wurden von den Hagelkörnern, die die Größe von Flintenkugeln hatten, ziemlich beschädigt. Etwa 8 Minuten dauerte der Hagelschlag und ach! nach dieser kurzen Zeit glichen unsere vorher so üppigen Weinberge und Äcker einem dürren, mit Eis bedeckten Winterfelde“. Die Felder und Weinberge um Deidesheim, Niederkirchen und Forst wurden zur Hälfte zerschlagen, Wachenheim und Dürkheim blieben nur verschont, weil das Unwetter in Richtung Gönnheim, Friedelsheim und Ellerstadt weitergezogen war.
Regierungspräsident besucht Region nach Unwetter
Weitere drei Jahre zuvor besuchte Regierungspräsident Joseph von Stichaner bei einer Inspektionsreise am 25. Mai des Jahres 1831 Dürkheim, wo er nach den üblichen Besichtigungen und Besprechungen auch eine Abordnung der Gemeinde Forst empfing, die ihm von den großen Schäden berichtete, die just einen Tag zuvor nach einem Unwetter niedergehende Wassermassen in der Gemeinde hervorgerufen hatten.
Der Regierungspräsident verschaffte sich vor Ort einen Eindruck von den ihm geschilderten Schäden und begab sich nach Forst, wo er mit dem Bürgermeister und Einwohnern die durch die Wassermassen nicht zum ersten Mal hervorgerufenen Verwüstungen in Augenschein nahm. Dort verfolgte man das „Rinnsaal, welches Schutt, Sand und Steine in ungeheueren Massen herbeyführte bis in das Gebirg, um sich von allen Ursachen dieses öfters schon wiederkehrenden Übels zu überzeugen“.
Gewaltiger Sturm über Wachenheim im Jahr 1861
Auch im Jahr 1861 war Wachenheim erneut der Ort, an dem heftiger Regen, Hagel und Sturm bedeutende Schäden verursachten. Die „Pfälzer Zeitung“ berichtete über das Ereignis vom 3. August: „Der Regen goß in Strömen, leider war er von Hagel begleitet, welcher bei einem gewaltigen Sturme nicht unerhebliche Schäden an Gartengewächsen und Weintrauben anrichtete. Doch ungleich größer war die Zerstörung, welche das Wasser, das in Fluten daherbrauste, verursachte. Die sogenannte Raingasse, ein parkähnliches, muldenförmiges Thälchen zwischen Wachenheim und der Burg (dem westlichen Stadttheil) ist verheert. Gestern noch ein lachender Garten, heute eine kahle, traurige, mit Schlamm und Gerölle schuhtief überdeckte Fläche“.
Kaum besser erging es Ungstein, wo die Weintrauben von Sturm und Hagel „zerhackt und zerfetzt“ wurden. „Mit trüben Blicken sehen nunmehr unsere besorgten Winzer der Zukunft entgegen“, bemerkte die „Pfälzer Zeitung“ abschließend über das verheerende Unwetter.