Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Unverpackt-Laden öffnet in der Schlosskirchenpassage

Die Flocken fürs Müsli können in eigene Behälter gefüllt werden.
Die Flocken fürs Müsli können in eigene Behälter gefüllt werden.

Wer kennt das nicht? Man kommt vom Einkaufen und hat unfreiwillig Berge von Plastik mitgebracht. Bei Miriam Baßlers „Derkemer u(n)verpackt“-Laden, der am Dienstag um 14 Uhr in der Schlosskirchenpassage erstmals seine Türen öffnet, soll das anders sein. Selbst Gefäße mitbringen ist hier die Devise.

Auf die Idee mit einem „Unverpackt“-Laden in Bad Dürkheim ist Baßler durch Heike Mack gekommen, die so ein Geschäft in Landau betreibt. „Da habe ich eingekauft und mich sofort wohlgefühlt.“ Zwei Jahre lang reifte die Idee im Kopf der 37-jährigen Wachenheimerin. Nun setzt sie den Plan, mit eigenen, gereinigten Gefäßen auch in Dürkheim einkaufen gehen zu können, in die Tat um – allerdings wegen Corona rund vier Monate später als ursprünglich erhofft.

Mit Küche ist der Laden 88 Quadratmeter groß, es werde aber kein Café oder Bistro im „Unverpackt“-Laden geben, sagt Baßler. Stattdessen will sie hauptsächlich trockene Nahrungsmittel, aber auch andere alltägliche Dinge anbieten. Müsli, Haferflocken, Nüsse, Mehl, Gewürze, Salze, Zucker, Backpulver, getrocknete Früchte, aber auch Menstruationstassen, Cremes, Bambus- und Bienenwachstücher, kompostierbares Backpapier, Allzweckreiniger, Waschmittel oder – ja, das gibt es: Zahnpastatabs.

Produktpalette mit rund 500 Artikeln

Ihre rund 500 Artikel umfassenden Produktpalette kauft Baßler in Großgebinden und füllt es in „Bulks“ und „Bins“, also Behälter um. Mehr als 100 davon hat sie für ihren Laden angeschafft. Sie sind gut zu reinigen und bestehen aus abriebfreiem Kunststoff, der ohne die Chemikalie BPA produziert wurde. Es gibt einen Spuckschutz und separate Löffelschaufeln.

Zunächst wiegen die Kunden ihre mitgebrachten Gefäße an einer Waage im Eingangsbereich, wo ein Sofa die Möglichkeit zum Durchschnaufen geben soll. Das Gewicht wird auf dem Behälter festgehalten, per wasserfestem Stift oder auf einem Etikett. Dann kommen die Produkte rein, teils können die Kunden sie selbst in ihre Dosen und Gläser schütten. Da es aber beispielsweise bei Waschmitteln zu chemischen Reaktionen kommen kann, „werde ich die selbst abfüllen“, versichert die gebürtige Dürkheimerin, die inzwischen in Wachenheim wohnt und lächelnd sagt: „Wir sind Derkemer, auch in Wachenheim.“

Keine frischen Waren

Auf Bio und Fairtrade will Baßler achten, gerne Waren aus der Region verkaufen. Frische Waren stehen zunächst nicht auf dem Plan für ihr Sortiment. „Es gibt den Markt und genug Geschäfte hier, die frische Sachen anbieten.“

20 Jahre lang hat Baßler bei Optik-Wagner in Dürkheim gearbeitet – bis zum Sommer 2019. Nach dem Einkauf bei Heike Mack dachte Baßler: „Ich würde das selbst so gern machen und es ist was Sinnvolles.“ Wahr geworden ist der Wunsch auch dank der Unterstützung ihres Mannes Christian, der eigentlich in der Industrie arbeitet, aber nebenher einen Weinberg nach ökologischen Standards bewirtschaftet. Die Familie, zu der zwei vier und acht Jahre alte Kinder gehören, hat außerdem sieben Schafe im Garten der Oma. „Wir befassen uns also auch privat viel damit, was man selbst tun kann“, so Baßler. Ihr Mann finde Ausgleich in den Wingertzeilen, „das erhoffe ich mir auch vom Laden“, der gleichzeitig ein Beitrag zur Müllvermeidung sein soll.

In der Schlosskirchenpassage fündig geworden

Baßler hat gerne beim Optiker gearbeitet, ging dann aber doch auf die Suche nach den passenden Räumen und wurde in der Schlosskirchenpassage fündig. Holzregale, ein Bollerwagen und schöne, alte Schränke und Weinkisten dienen nun als Lagerfläche für die Waren, die zentnerweise im Keller liegen und darauf warten, in die Behälter gepackt zu werden. Ist das geschehen, kann’s endlich losgehen. Am Montag gibt es einen Testlauf mit Freunden und Familie, dann geht’s am Dienstag ab 14 Uhr für die Öffentlichkeit los. „Ich freue mich riesig und bin aufgeregt“, gibt Baßler zu und strahlt dabei. Einen fünfstelligen Betrag hat sie in ihr Herzensprojekt investiert.

„Es geht darum, bewusster einzukaufen, sich genau zu überlegen: Was verbrauche ich?“, erklärt Baßler. Ziel sei, zu kaufen, was man braucht und unnötige Spontankäufe, die dann oft doch zu viel waren und im Müll landen, zu vermeiden. Wichtig ist ihr aber auch eins: „Die Kunden sollen gut beraten werden, das steht für mich an erster Stelle.“

kurzinfo

Öffnungszeiten: Montag und Samstag, 9.30 bis 12 Uhr, Dienstag bis Freitag, 9.30 bis 13 und 14 bis 18 Uhr. Im Netz: www.derkemer-unverpackt.de
Miriam Baßler hat sich von einem ähnlichen Geschäft in Landau inspirieren lassen.
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Seife und Waschmittel sind auch im Angebot.
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