BAD DÜRKHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel „Unsere Träume sind geplatzt“

Nele Pelzer
Nele Pelzer

Sie haben ihr Abi in der Tasche und jetzt erst mal ganz viel Zeit. Wegen der Corona-Krise können 110 Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und 55 Schüler der IGS Deidesheim-Wachenheim weder Partys feiern noch ins Ausland reisen. Was tun sie stattdessen? Wir haben bei einigen von ihnen nachgefragt.

Nele Pelzer aus Bad Dürkheim hat sich das Leben nach dem Abitur anders vorgestellt. „Eigentlich wollte ich mich demnächst um Pflegepraktika, die ich für mein geplantes Medizinstudium gebrauchen kann, kümmern und eine Thailandreise antreten“, berichtet sie und kann ihre Enttäuschung, dass alles nicht klappt, kaum verbergen. Stattdessen verbringt sie momentan viel Zeit mit Hund „Snoopy“, liest viel, macht Sport und hat sich damit vertraut gemacht, für die Familie zu kochen. „Meine Eltern arbeiten beide, und da sorgt das Kind halt für die Familie“. Da Bruder Nils, der in Aachen Wirtschaftsingenieurwesen studiert, auch zu Hause weilt, genießt sie die Zeit mit der Familie. Sie berichtet, dass die Stimmung bei allen noch ganz gut sei und alle hoffen, dass die Krise bald überstanden sei. Sie wünsche sich, ihr geplantes Medizinstudium im nächsten Jahr beginnen zu können.

Ablenkung beim Schach

Ahad Hüseynov aus Wachenheim hat sich schon immer für Mathematik interessiert und würde gern im Wintersemester sein Studium zur Wirtschaftsmathematik aufnehmen, um später als Banker, Unternehmensberater oder in der Versicherungsbranche zu arbeiten. „Ich bin guter Dinge, dass die schlimme Zeit bald vorbeigehen wird, da sich die Menschen größtenteils an die Kontaktbeschränkungen halten“, sagt der Abiturient, der in Baku, Aserbaidschan, geboren und mit der Familie 2015 nach Deutschland gekommen ist. Aus der Idee, bis zum Studienbeginn zu jobben, ist leider nichts geworden. So verbringt der Schachspieler, der beim SK Frankenthal in der zweiten Rheinland-Pfalzliga die Figuren bewegt, viel Zeit, um mit Freunden die eine oder andere Partie online zu spielen. „Außerdem hat sich der Tagesrhythmus geändert, denn ich gehe viel später ins Bett und stehe spät auf“, berichtet er. Es sei ihm anfänglich sehr schwer gefallen, nicht mehr mit Freunden rausgehen zu können. Er hoffe auf eine baldige Lockerung der Beschränkungen.

Der Hund als Streitobjekt

Hannah Ries aus Wachenheim möchte gern ab Mitte Juli ein freiwilliges ökologisches Jahr bei der Schutzstation Wattenmeer an der Nordsee ableisten. „Die Idee dazu ist mir 2016 beim Familienurlaub auf Amrum gekommen“, berichtet die 19-jährige, die eigentlich Anfang April zu Vorstellungsgesprächen in den hohen Norden reisen wollte. Da Schleswig-Holstein momentan jedoch keine Touristen ins Land und auch nicht auf die Inseln lässt, „läuft das dann per Skype“.

„Meine für Anfang Juni geplante dreiwöchige Englandreise fällt natürlich auch ins Wasser.“ Momentan fühle sie sich noch nicht isoliert, da sie sich viel im Garten aufhalte, koche oder mit dem Hund spazieren gehe. „Der Hund wird langsam zum Streitobjekt, da jeder aus der Familie mit ihm rausgehen möchte“, berichtet sie lachend. Im Übrigen sei sie optimistisch. Das Land habe ein gutes Gesundheitssystem. Nach dem ökologischen Jahr möchte sie in Mainz Publizistik studieren, denn „das Schreiben liegt mir“.

Die Arbeit am Abifilm lenkt ab

„Eigentlich wollte ich mit einer Freundin einen Monat mit Interrail unterwegs sein, dann nach Griechenland in einem Hotel arbeiten, um dann ein halbes Jahr nach Australien und Neuseeland zu reisen“, berichtet Fiona Dietrich aus Weisenheim am Sand. Sie ist enttäuscht, dass das nun alles nichts wird. „Wir wollten alle mal Pause machen, hatten schon lange Reisen und Praktika geplant, und nun sind unsere Träume alle geplatzt“ berichtet sie wehmütig.

Die Zeit verbringt sie zurzeit damit, mit einer Freundin den Abifilm mit Szenen aus der Schulzeit zusammenzuschneiden. Persönlich plane sie, sich für das Wintersemester für ein Studium einzuschreiben, wobei es schon etwas mit Medien sein könne. Dann erinnert sie sich noch daran, dass die Abizeitung mit 210 gedruckten Exemplaren zum Verkauf bereitliege.

3000-Teile Puzzle als Ablenkung

Statt der nach dem Abitur geplanten Städtereisen nach Hamburg, Berlin und München heißt es jetzt für Noah Dommershausen, die passenden Teile für sein „Unterwasserwelten-Puzzle“ zu finden. Der Dürkheimer, der Geschichte studieren möchte, ist zuversichtlich, dass „der Spuk bis zum Jahresende vorbei ist und man zur Normalität zurückkehren kann“. Voraussetzung sei jedoch, dass sich alle an die auferlegten Beschränkungen halten. „Ich jobbe als Aushilfe in einer Tankstelle und kann sagen, dass die Leute sich vernünftig verhalten und die Regeln beachten“, stellt er zufrieden fest und fügt hinzu, dass immer mehr Kunden bargeldlos zahlen würden, um den Kontakt mit den Banknoten zu vermeiden.

Australien muss warten

Anna Dech aus Leistadt verschiebt ihren dreimonatigen Australienaufenthalt, den sie Ende April antreten wollte, auf unbestimmte Zeit nach hinten. Dort wollte sie als Au-pair arbeiten. Sie hofft aber, dass sie im Wintersemester ihr Lehramtsstudium beginnen kann. Sie denkt, dass man das Coronavirus bis dahin in den Griff bekommen hat. Die Zeit vertreibt sich Anna Dech, die auch die Betreuung eines Nachbarkindes übernommen hat, im Haus und im Garten.

Gutes tun für Mensch und Umwelt

„Bitter sieht es für diejenigen aus, die eine Reise geplant hatten“, sagt Moritz Tapp von der IGS Wachenheim-Deidesheim. Viele ziehe es in die weite Welt hinaus, er selbst habe mit dem Zug durch Europa reisen und wandern wollen. Jetzt versucht er, viel für Umweltorganisationen zu tun, bei denen er sich schon während der Schulzeit engagiert hat. Auf einen Beruf mag er sich noch nicht festlegen, will aber auf jeden Fall „weiter Gutes tun für Mensch und Umwelt“. Beworben hat er sich für ein freiwilliges ökologisches Jahr in Deutschland. „Auf einen Auslandsaufenthalt setze ich in dieser Situation lieber nicht.“

„Man kann derzeit nicht planen“

Anna Sabin von der IGS Wachenheim-Deidesheim wollte „nach dem Abi erst einmal nach Kanada“, erzählt sie, auch in die USA. Sie kann sich vorstellen, auch beruflich etwas mit Englisch zu machen und wollte da Näheres gern im Ausland herausfinden. Jetzt muss sie sich gedulden. „Es ist schwierig, dass man derzeit nichts planen kann“, bedauert sie.

Ahad Hüseynov
Ahad Hüseynov
Hannah Ries
Hannah Ries
Fiona Dietrich
Fiona Dietrich
Noah Dommershausen
Noah Dommershausen
Anna Dech
Anna Dech
Moritz Tapp
Moritz Tapp
Anna Sabin
Anna Sabin
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