Bad Dürkheim Umfrage des Forstamts: Wo im Wald die Konflikte liegen
Seit Beginn der Corona-Pandemie beobachtet das Forstamt Bad Dürkheim immer mehr Besucher im Pfälzerwald. „Die Menschen haben das Bedürfnis nach Wildnis und Räumen, die nicht reglementiert sind“, erklärt Förster Joachim Weirich den Zulauf. Ganz so einfach funktioniert es in der Praxis aber nicht.
Weil Wanderer und Radfahrer sich immer häufiger in die Quere kommen, Mountainbiker querfeldein fahren und im Wald gezeltet wird, hat Weirich eine Umfrage ausgearbeitet. Schon am Wochenende war der 61-Jährige damit auf den Wanderparkplätzen Weilach und Drei Eichen unterwegs. „Da war es völlig überfüllt“, sagt er, „das bestätigt wieder, warum wir die Umfrage machen.“
Auch am Mittwoch sind die Tische vor dem Waldhaus Lambertskreuz gut besetzt. „Oh nee, kein Fragebogen!“, ruft eine Spaziergängerin, als Weirich ihre Gruppe anspricht. Die meisten anderen kommen der Bitte jedoch nach und füllen beim Mittagessen die Formulare aus.
Dort wird auf zwei Seiten abgefragt, wie häufig und aus welchen Gründen – ob als Wanderer, Hundehalter, Radfahrer oder Reiter – die Leute den Wald besuchen und welche Konflikte sie mit anderen Besuchern erleben.
Spannungen zwischen Wanderern und Radfahrern
Vielen Fußgängern fallen bei dem Stichwort als erstes die Mountainbiker ein. „Die sollten öfter klingeln“, sagt Benno Ostermayer aus Rödersheim. Man sehe oft, dass Mountainbiker abseits der Wege fahren, sagt Thomas Schlich aus Mutterstadt, „das ist ja auch für die Tierwelt eine Belastung“.
Aber auch die Radfahrer berichten von negativen Erfahrungen mit Wanderern ihrerseits. „Wir sind schon mit Stockschlägen bedroht worden“, erzählt Frank Matheis aus Bissersheim, der des Öfteren mit dem Mountainbike oder zu Fuß mit dem Hund im Pfälzerwald unterwegs ist. „Es geht mir hauptsächlich um die Vernunft“, sagt er, „damit man sich in der Freizeit nicht auch noch gegenseitig das Leben schwer macht.“
Martin Burkhardt aus Neustadt, der mit dem Mountainbike für Wettkämpfe trainiert, beklagt sich über freilaufende Hunde, die für ihn und seine Mitfahrer gefährlich werden könnten. „Ich bin aber auch dafür, nicht zu viel zu regeln“, sagt er im Hinblick darauf, welche Wege für wen freigegeben werden sollten.
In der Umfrage möchte Weirich auch erfahren, ob die Besucher mit den gängigen Verhaltensregeln vertraut sind oder ob mehr Informationen gewünscht werden. Ansam El Kelany aus Worms sieht da für sich selbst keinen Bedarf. „Wenn man ein bisschen mitdenkt, braucht man das nicht“, findet die 24-Jährige. Einen Verbesserungsvorschlag hat sie aber: Die Wegmarkierungen könnten besser ausgebaut sein.
Susanne Häberle aus Pfeddersheim wünscht sich mehr barrierefreie Wanderwege, auf denen man auch einen Rollstuhl schieben könnte. Dann könnte sie auch ihre Eltern, die nicht mehr gut zu Fuß seien, häufiger mit in den Wald nehmen.
Bis zum frühen Mittwochnachmittag haben knapp 150 Personen an der Umfrage teilgenommen – Joachim Weirich ist damit zufrieden. Er habe überlegt, den Fragebogen auch online zugänglich zu machen, „aber dann wäre der Aufwand für die Auswertung zu groß“.
Welche Probleme sieht das Forstamt im Wald?
Probeweise hat er die Fragen im Vorfeld auch von den Kollegen im Forstamt beantworten lassen. Die größten Störfaktoren sind dort wiederum ganz andere als die der Waldbesucher: Das größte Problem sei Feuer, sagt Weirich. Wenn Wanderer auf Parkplätzen rauchen oder an Felsen Lagerfeuer anzünden – „für die Feuerwehr sind Stellen im Wald oft schwer zugänglich“.
Auch Waldarbeiter beklagten sich über Beschimpfungen von Passanten während Baumfällungen. „Für die Arbeiter ist es auch eine nervliche Belastung, wenn Wanderer durch abgesperrte Bereiche laufen“, sagt Weirich. Das dritte große Problem, das den Förstern auffällt, ist der Müll. Dabei gehe es allerdings weniger um einzelne Gesichtsmasken oder Plastiktüten – entlang der Straßen durch den Wald würde teils sogar Sondermüll wie Asbestplatten entsorgt.
In den kommenden Wochen will Weirich die Auswertung abschließen. Wie es danach weitergeht, hängt aber nicht allein vom Forstamt ab. Bei der Umsetzung der Vorschläge müsse man sich mit den umliegenden Forstämtern, sowie den Tourist-Informationen, der Verwaltung des Biosphärenreservats und der Politik kurzschließen.