Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel TuS Wachenheim: Badminton-Jugendtrainer wirft wegen Hallenschließung das Handtuch

Die Halle der Wachenheimer Kurpfalzschule bleibt bis Ende der Sommerferien zu.
Die Halle der Wachenheimer Kurpfalzschule bleibt bis Ende der Sommerferien zu.

Die Woche hat für den TuS Wachenheim mit einem Paukenschlag begonnen. Am Montag hat Bernd Kohlenbach, der Leiter der Badmintonabteilung, das Handtuch geworfen. Warum? Die RHEINPFALZ hat beim Verein und Kohlenbach nachgefragt, was der Auslöser für den Rücktritt war.

Seit vier Jahren wohnt Bernd Kohlenbach in Wachenheim. Ursprünglich kommt der 52-Jährige aus Hannover. Er lebt aber schon lange in der Pfalz. Kohlenbach, der lizenzierter Badminton-Übungsleiter ist und auch als Teammanager des Zweitligisten Neuhofen fungiert, engagiert sich seit seinem Umzug in die Gemeinde beim lokalen TuS 1883. Er leitete das Training der Jugend und Junioren und hatte vor einem Jahr das Amt des Abteilungsleiters bei den Wachenheimer Badminton-Spielern übernommen. Seit dieser Woche hat Kohlenbach aber seine Funktion beendet. Warum? „Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, aber die Situation, dass der Kreis die Sporthalle an der Kurpfalzschule weiter für unser Training geschlossen hält, ist für mich einfach so nicht nachvollziehbar“, erklärt Kohlenbach und sagt: „In Neuhofen bin ich Teammanager, und dort trainieren wir längst wieder. Die Zusammenarbeit mit den dortigen Kreisbehörden ist eine ganz andere, da geht der Kreis auf den Verein zu und fragt an, ob man die Halle benötigt. Da bekommen die Offiziellen einen Chip, mit dem sie die Tür zur Halle öffnen können. So eine Zusammenarbeit mit den Behörden vermisse ich hier in Wachenheim. Hier ist man einfach nicht flexibel genug. Es geht ja hier nicht um mich. Wir haben Kinder, die Sport machen wollen, aber an die wird wieder mal am wenigsten gedacht.“ Kohlenbach sagt weiter: „Ich wäre gerne bereit gewesen, über ein Hygienekonzept zu sprechen. Natürlich steht die Sicherheit aller an erster Stelle. Beim Badminton stehen wir Spieler aber auf Distanz, es wäre sicher ein gutes Konzept möglich, aber ein Dialog wurde vom Kreis ja rigoros abgeblockt.“

Halle bleibt bis nach den Sommerferien zu

Dass der Kreis Bad Dürkheim, der von der Stadt Wachenheim die Verantwortung für die Sporthalle an der Kurpfalzschule übertragen bekam, die Einrichtung bis zum Ende der Sommerferien geschlossen halten wird, was Pressesprecherin Sina Müller am Dienstagmittag der RHEINPFALZ bestätigte, findet Kohlenbach nicht gut. „Für den Verein tut es mir Leid, aber die Versicherungen entscheiden offenbar alles. Das ist nicht schön. Es sind ja nicht nur die Badmintonmitglieder beim TuS, sondern vor allem die Tischtennisspieler, die leiden. Die Argumentation, dass Wachenheim ja ein Corona-Hotspot war, ist für mich auch schwach. Denn wir haben aktuell keinen Fall mehr, und das ist ja alles schon fast vier Monate her“, sagt Kohlenbach und erklärt: „Darüber nachzudenken, warum man hier nicht zusammenarbeiten kann wie in anderen Kreisen, kostet mich einfach zu viel Energie, da trainiere ich lieber in Neuhofen und in Neustadt. Deshalb habe ich mich entschlossen, zurückzutreten.“

Erster Vorsitzender hat Hoffnung noch nicht aufgegeben

Für Helmut Ott, den Ersten Vorsitzenden des TuS 1883 Wachenheim, kam die Entscheidung von Kohlenbach „sehr überraschend“. Der Klubchef kann sie nachvollziehen, doch menschlich sei er schon enttäuscht. „Wenn man mal nicht weiterkommt, weil Widerstand da ist, und dann gleich alles hinschmeißt, das ist nicht so meine Sache. Ich habe Bernd Kohlenbach noch einmal ans Herz gelegt, vielleicht eine Nacht darüber zu schlafen“, hat Ott die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Der TuS-Vorsitzende kann den Ärger seines Abteilungsleiters verstehen. „Die Situation ist nicht schön. Aber es geht eben auch um Verantwortung. Wir beim TuS Wachenheim haben nach den ersten Corona-Fällen damals schnell gehandelt und im Verein alles dicht gemacht. Damals wurden wir noch kritisiert, mittlerweile gibt es Lob, dass wir so konsequent reagiert haben.“ Ott fügt an: „Der Kreis hat nun einmal die Verantwortung für die Sporthalle. Die Entscheidung, die Sportstätte bis nach den Sommerferien zu schließen, muss man akzeptieren. Natürlich bin ich auch nicht begeistert. Die Gefahr ist groß, dass einige Abteilungen nicht mehr existieren, wenn das alles ausgestanden ist. In der Tischtennis-Abteilung haben sich schon Spieler gemeldet, die den Verein verlassen wollen, weil woanders die Trainingsmöglichkeiten schon vorhanden sind.“ Ott kann aber die Vorgehensweise des Kreises frei nach dem Motto „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ verstehen. Er sagt: „Man stelle sich doch nur einmal vor, es passiert etwas, dann ist die Empörung schnell wieder groß. Wir sollten mal abwarten, wie die Situation nach der Urlaubszeit ist.“

Klubchef hat einiges an Zeit und Nerven gelassen

Mangelndes Engagement für den Klub will sich Ott jedenfalls nicht vorwerfen lassen. „Ich habe mich zuletzt für die Öffnung der Außensportstätten eingesetzt. Wenn der Kreis eben so entscheidet, dann muss man es leider akzeptieren, auch wenn man es nicht gut findet.“ Der Klubchef macht klar: „Glauben Sie mir, ich bin auch coronageschädigt, aber nicht wegen des Virus selbst, sondern wegen der organisatorischen Dinge in den vergangenen Wochen. Diese Sachen haben sehr viel Zeit und Nerven gekostet.“

Keine Ausweichhalle für Hallensportler des TuS

Laut Kreissprecherin Sina Müller ist noch nicht sicher, ob die Schulsporthallen, über die der Kreis die Verantwortung hat, nach den Ferien wieder zur Verfügung stehen. Wenn der Schulbetrieb wieder ansteht, müsse erst einmal die aktuelle Situation geprüft werden. Für die Hallensportler des TuS, die keine Ausweichmöglichkeiten haben, bedeutet das: Es könnte länger dauern, bis Trainingsbetrieb bei den Wachenheimern

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