Klimawandel RHEINPFALZ Plus Artikel Trinkwasser wird auch im Raum Bad Dürkheim knapper

Die Qualität des Leitungswassers wird ständig überwacht.
Die Qualität des Leitungswassers wird ständig überwacht.

Das Wetter schlägt Kapriolen: Nach drei heißen und sehr trockenen Sommern waren die vergangenen Monate von hohen Niederschlägen und teilweise starken Unwettern geprägt. Doch wie wirkt sich das auf die Wasserversorgung in der Region aus?

Die gute Nachricht zuerst: Die Trinkwasserversorgung ist gesichert. Die Stadtwerke Bad Dürkheim etwa betreiben vier Brunnen: im Bruch, an der Isenach und zweimal in der Fürth. „Daneben nutzen wir 28 Quellen, davon 23 im Hammelstal“, erklärt Geschäftsführer Peter Kistenmacher. Rund 80 Prozent des Bad Dürkheimer Trinkwassers stammen aus den vier Brunnen, 20 Prozent von den Quellen. Die Verbandsgemeindewerke Freinsheim betreibe vier Tiefbrunnen bis 350 Meter im Krumbachtal zwischen Bobenheim am Berg und Battenberg, berichtet Werkleiter Stefan Dachsteiner. „70 bis 80 Prozent unseres Trinkwasser stammen aus acht Quellen aus dem Burgtal“, erklärt Dieter Panzer, Werkleiter der Stadtwerke Wachenheim. „Als zweites Standbein stehen uns noch zwei Tiefbrunnen zur Verfügung, die 20 Prozent unseres Bedarfs decken“, ergänzt er. Und nennt noch als drittes Standbein: eine Verbundleitung zu den Stadtwerken Neustadt. „Bei Bedarf können wir zehn Prozent unseres Trinkwassers von dort beziehen“, so Panzer.

Über das Wasserwerk Wachenheim kommt das Trinkwasser des Zweckverbands Wasserversorgung „Friedelsheimer Gruppe“ aus fünf Tiefbrunnen im Poppental, sagt Sebastian Hötzinger. Der stellvertretende Werkleiter verweist darauf, dass der Gruppe auch die Gemeinden Rödersheim, Gönnheim und Ellerstadt angehören.

Wasserbedarf steigt, Grundwasserspiegel fällt

Auch wenn die Versorgung nicht gefährdet ist: Die Auswirkungen des Klimawandels sind spürbar. „Durch längere Trockenphasen steigt der Wasserbedarf nicht nur bei der Bevölkerung, auch bei den landwirtschaftlichen Betrieben war zuletzt ein höherer Verbrauch zu verzeichnen“, berichtet Sebastian Hötzinger. So sieht es auch Dieter Panzer: „Während der Trockenheit in den vorherigen drei Jahren haben wir klar gemerkt, dass der Verbrauch hochgegangen ist“, sagt er. „Bei Privathaushalten hat auch das Thema Homeoffice in der Corona-Zeit eine Rolle gespielt, dazu kam ein erhöhter Wasserverbrauch für das Gießen von Pflanzen oder das Rasensprengen im Garten.“ Auch bei Weinbaubetrieben habe man größere Verbrauchswerte verzeichnet, so der Wachenheimer Werkleiter.

Kistenmacher betont, dass es bei den Quellen im Lauf der vergangenen drei Jahre einen deutlichen Rückgang beim austretenden Wasservolumen, der sogenannten Schüttung, gegeben habe. „Hier haben sich die trockenen Jahre sofort ausgewirkt“, erläutert der Bad Dürkheimer Stadtwerke-Geschäftsführer. Auch bei den VG-Werken Freinsheim hat man die Trockenheit zwischen 2018 und 2020 gespürt. „Der Wasserbedarf ist im Hochsommer stark angestiegen, die Grundwasserspiegel sind gefallen“, erklärt Stefan Dachsteiner.

Das Kind ist aber quasi nicht in den Brunnen gefallen, die Versorgungssicherheit in der Region ist gewährleistet. Alle Wasserwerke haben durch ihre Brunnen und Quellen stets genug Reserven. „Zudem haben wir Kooperationen mit benachbarten Versorgern“, betont Dachsteiner.

Niederschläge lassen Quellen wieder sprudeln

Um auf die Wasserknappheit zu reagieren, befinden sich bei den Freinsheimer Verbandsgemeindewerken neue Projekte in Planung, auf Herxheimer und Freinsheimer Gemarkung soll es Versuchsbohrungen geben.

Durch die sehr feuchten Monate in diesem Jahr sieht auch Peter Kistenmacher das Thema entspannt: „Nach den starken Regenfällen sind die Quellen nun wieder alle sehr aktiv. Die Quellen speisen sich meist aus der oberen Grundwasserschicht, weshalb ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Regenmenge und Schüttung besteht. Die Brunnen fördern aus der zweiten oder auch dritten Grundwasserschicht in größeren Tiefen“, erklärt er.

Starkregen kann allerdings auch negative Folgen für das Trinkwasser haben, etwa durch Verschmutzungen. „Bei der Wasserversorgung können starke Regenereignisse zu einer Eintrübung des Quellwassers führen“, erklärt Peter Kistenmacher. Die Wasserwerke der Region sind auf solche Fälle jedoch vorbereitet. „Durch eine Trübungsmessung wird die Zufuhr des Quellwassers zu den Wasserwerken gestoppt“, erklärt Kistenmacher.

„Die Trinkwasserversorgung unterliegt einer ständigen Prüfung und Kontrolle“, ergänzt Stefan Dachsteiner. Dieter Panzer betont: „Wir überprüfen die gesamte Technik ständig mit digitaler Technologie, dabei werden Störungen werden sofort gemeldet.“

Auch Sebastian Hötzinger berichtet von einem strengen Überwachungssystem: „Die Wasserwerke werden täglich von unseren Mitarbeitern angefahren und kontrolliert“ teilt er mit. „Zusätzlich gibt es bei Störungen in den Wasserwerken eine automatische Meldung an den Bereitschaftsdienst der Werke. Und außerhalb der Dienstzeiten steht bei Störungen im Leitungsnetz zusätzlich ein Mitarbeiter in Rufbereitschaft, um auftretende Probleme im Netz zu beheben.“

„Wasser ist ein hohes Gut“, sagt Dieter Panzer. „Wir alle sollten mit dieser wertvollen Ressource sorgsam umgehen.“

Die Serie

Klimawandel, das sind bei Weitem nicht nur schmelzende Polkappen und extreme Wetterphänomene. Denn die Veränderungen sind viel näher und an unserer Haustür angekommen. Klimawandel bedeutet mehr Trockenheit im Pfälzerwald, in den Weinbergen und im eigenen Garten. In unserer Serie beleuchten wir Bereiche, in denen die globale Erwärmung bereits bei uns angekommen ist, und stellen Menschen vor, die dagegen ankämpfen.

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