Bad Dürkheim Tricks und Kniffe, um nicht durchzudrehen
„Nicht noch ein Baby-Ratgeber“, denkt man vor dem Regal im Buchladen. Doch Alexandra Gebels Taschenbuch mit dem Titel „How to survive unter Müttern“, also auf Deutsch „Wie überlebt man unter Müttern?“, hebt sich von der „Gewusst-wie-Literatur“ ab. Es geht weniger um Kleinkinder, mehr um deren Mütter.
Die Autorin Alexandra Gebel lebt seit rund vier Jahren mit Mann und Sohn in Maikammer. Unter dem Mädchennamen Alexandra Reis wurde sie vor 49 Jahren im Krankenhaus Hetzelstift geboren, wuchs in Diedesfeld auf und machte ihr Abitur am Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Nach dem Publizistik-Studium in Mainz absolvierte sie ihr Volontariat bei „Working@Office“, einer Fachzeitschrift für Büromanagement. Es folgte später auch ein Job als Redakteurin bei der „Freundin“ in München. Vor der Geburt des Sohnes, der im Buch Finn genannt wird, zog sie 2004 zu ihrem Mann nach Karlsruhe-Durlach. „Aus dieser Zeit sind auch die Erlebnisse in dem Buch“ erzählt Gebel. Durlach habe einen eher kleinstädtischen Charakter mit vielen Spielplätzen. Es seien viele eigene Erlebnisse eingeflossen, die Namen aber verändert und manches auch literarisch verdichtet. Auch erfahrene Mamas werden sich in dem Buch jedenfalls schnell festlesen – wahrscheinlich mit einem „So ist das bei uns auch“ auf den Lippen. Denn Gebel spielt so ziemlich alle Situationen durch, in die Jungmütter geraten können. Zunächst ändere sich die Kernkompetenz der Frauen radikal: von einer berufstätigen Frau zur „Mutter in Stilldemenz“. Wer kann da schon mithalten, außer echten Mamatieren? Als manchmal schief gewickelt wird Frau in dieser Extremsituation von Außenstehenden angesehen, und schnell wird eine Mutter auch als Rabenmutter bezeichnet, wenn sie nicht dem gängigen Klischee entspricht. Und weil das Buch trotz seines humorvollen Ansatzes letztlich ein Ratgeber ist, folgt der Tipp: „Legen Sie die Meinung von Außenstehenden im Kurzzeitgedächtnis ab. Nehmen Sie nur noch positive Bewertungen auf.“ Eine weitere Erkenntnis: Fast nirgendwo werden mehr Vergleiche gezogen als in den diversen Krabbelgruppen und Mamatreffs. Das beginnt schon im Geburtsvorbereitungskurs. Gebels Fazit: „Die Konkurrenz unter Mütter kann mörderisch sein.“ Vielleicht ihr wichtigster Tipp im gesamten Buch ist aber wohl folgender: „Fragen Sie sich nicht, wenn ihr erwachsenes Kind fröhlich winkend auszieht: ,War ich die perfekte Mutter?’, sondern ,Hatte mein Liebling eine glückliche Kindheit?’“. Gebel nimmt alles aufs Korn, was eine auf das Kind fixierte Mama unter Müttern während der ersten Lebensjahre erlebt. Schließlich suchen die Frauen die passende Krabbel-, Baby-Massage- oder Pekip-Gruppe (Prager Eltern-Kind-Programm). Ihr Tipp: zurück zur Basis, zur normalen Krabbelgruppe. Und findet sich keine im Umfeld, einfach selbst eine gründen. Aber mütterliche Solidarität ist nicht grundsätzlich schlecht. „Die verschiedenen Mütter helfen auch, Netzwerke zu gründen und geben Tipps bei allen aufkommenden Fragen und Problemen rund ums Kind. Gleichzeitig ist es wichtig, sich von Frauen abzugrenzen, mit denen man nicht klarkommt“, betont Gebel. Nicht umsonst führt das Buch das Begriffspaar „Von neuen besten Freundinnen und Lieblingsfeindinnen“ im Untertitel. Zwischen Helikopter-Mamas und Laissez-faire-Müttern kann es naturgemäß zu Reibereien kommen. Lesezeichen „How to survive unter Müttern“ ist als Taschenbuch im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen, hat 234 Seiten und kostet 9,99 Euro.