Bad Dürkheim Traumprojekt in Schieflage
Noch müssen Besucher der Wachenheimer Villa Böhm vorsichtig sein. Treten sie doch auf weichen Boden. Die Trittschalldämmung ist schon eingebaut, der Fußboden aber noch nicht. Auf der Baustelle gibt es noch einiges zu tun. Dass aber überhaupt ein reges Treiben herrscht und das Millionen-Projekt doch noch fertig wird, war im vergangenen Herbst nicht zu erwarten. Damals stand der Bau, dessen Fertigstellung sich ohnehin immer weiter verzögerte, praktisch vor dem Aus. Die Finanzierung des glanzvollen Projekts war fraglich. Es war letztlich die Käuferschaft, die für die wohl überforderten Bauträger in die Bresche gesprungen ist. Hinterlassen hat das bei den sieben Käuferparteien vor allem eines: Frust. „Wir haben immer pünktlich unser Geld bezahlt“, schildert der Wachenheimer Benjamin Höller die Situation. Erwartet haben er und die anderen Käufer vom Bauträger neun hochwertige Wohnungen und Geschäftsräume – verteilt auf Villa, ehemaliges Kelterhaus und Neubau. Schlüsselfertig. Ihr Job sei anspruchsvoll, dazu die Familie, erzählt eine Käuferin, die ihren Namen nicht der Zeitung lesen will. Ärger mit Handwerkern und Bauarbeiten hatten sie und ihr Mann nicht gewollt und sich für die vermeintlich stressfreie Variante eines Immobilienkaufs entschieden. Doch der Stress kam im Herbst des vergangenen Jahres. Damals gerieten die Bauarbeiten ins Stocken. Informationen vonseiten der drei Bauträger habe es keine gegeben, schildert Höller. Anrufe und Mails seien erst nicht, und später „patzig“ beantwortet worden. „Wir haben zusammen sieben Millionen Euro investiert und werden nicht adäquat behandelt“, ärgert er sich noch immer. Die Situation habe sich „dramatisch“ angefühlt, so Höller. Dann erklärte der Bauträger, dass er allein den Kaufvertrag nicht mehr erfüllen könne. Warum sei den Käufern nicht klar. Die Käuferschaft hatte zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben schon 50 Prozent des Geldes in das Projekt gesteckt. Und fürchtete, alles zu verlieren. Von einer „Schieflage“ im Herbst sprechen Dieter Krahnert und Klaus Möller. Sie sind die verbleibenden Gesellschafter, nachdem der ehemalige Geschäftsführer, Christian Hick, im April dieses Jahres ausgeschieden ist. Und auch sie haben die Begeisterung an der Neugestaltung des Kleinods längst verloren. „Wir sind mit einem guten Gefühl in das Projekt gestartet. Ziel war eine rundum gute Lösung auch für Wachenheim“, sagt Krahnert. Genauer wollen die beiden auf die Probleme bei der Finanzierung nicht eingehen, und verweisen auf den damaligen Geschäftsführer und auf ihre Rolle als nur beschränkt haftbare Gesellschafter. Planung und Umsetzung, nicht aber die Finanzierung sei ihre Rolle gewesen. Erfahrung hatten beide mit dem Bauträgermodell noch nicht. Sie räumen ein, dass das Projekt für sie Neuland gewesen sei. Ex-Geschäftsführer Hick sagt, ihm hätten damals Kostenberechnungen gefehlt. Er sei auf diese Zuarbeit der Architekten angewiesen gewesen. Die Überschreitung habe sich mit der Zeit aufgebaut. Mit den Anfang 2018 vom Planungsbüro vorgelegten Zahlen habe sich eine Kostenüberschreitung von über einer Million Euro ergeben, „was dazu führte, dass nun selbst die Kaufpreise nicht mehr ausreichten, um den Bau zu Ende zu führen“. Die Geschäftsführung habe er dann niedergelegt, weil er in seinem Bereich keinen Beitrag mehr habe leisten können. „Ich habe eine Schlammschlacht vermeiden wollen“, sagt Hick zur Kommunikation mit den Käufern, die besonders sein Verhalten als „problematisch“ bezeichnen. Er habe nicht geantwortet, wenn die Schreiben an ihn verletzend gewesen seien, erklärt er. Dass die Käufer in die Bresche gesprungen sind, bestätigen alle: „Die Käufer sind die, die das Projekt gerettet haben“, sagt Möller. Sie hätten die Zwischen- und Endfinanzierung übernommen. Dazu Pfand für die Handwerker gezahlt, nachdem die Gewerke zwischenzeitlich das Vertrauen verloren hatten. „Wir haben ein kleines Gremium gebildet und einen Bauleiter beauftragt“, sagt Käufer Christian Jantscha. Sei einigen Wochen ist nun fast täglich Bernd Blößer auf der Baustelle. Der Architekt aus Schwetzingen ist von der Käuferschaft mit der Bauplanung bedacht worden. Spurlos ist die Phase an keinem vorbeigegangen. Käufer Höller fühlt sich „maximal enttäuscht“. Zudem seien sie als Käuferschaft Opfer des Stadtklatsches geworden. Sie seien pleite, habe es in Wachenheim zu Unrecht geheißen. Höller sagt, er hätte nie investiert, wenn er gewusst hätte, wie die Sache endet und auch Krahnert und Möller wollen ein solches Projekt nicht wieder in Angriff nehmen. Zur Sache