Bad Dürkheim „Tolles Amt, dafür muss man Werbung machen“

Weinprinzessin Svenja Hick
Weinprinzessin Svenja Hick

Nachwuchssorgen in Wachenheim: Die Stadt hat noch keine Bewerberinnen für das Amt der Weinprinzessin. An Svenja Hick liegt es nicht. Die amtierende Hoheit macht Werbung für den Job – erst im Bekanntenkreis, nun auch öffentlich. Im Interview erzählt sie von einem Merkel-Besuch und warum ihr auch dumme Anmache den Spaß nicht verdirbt.

Frau Hick, Schorle trinken und Leute begrüßen – Weinprinzessin ist doch gar kein schlechter Job. Warum will keine Wachenheimerin Ihre Nachfolge antreten?

Zuerst muss ich richtig stellen: Schorle trinken und Leute begrüßen – so einfach ist das Amt nicht! Man ist die Repräsentantin der Stadt Wachenheim und der Region bezüglich des Weines. Man besucht Weinproben, Weinmessen, man hat überregionale Veranstaltungen und eröffnet regionale Feste. Viele wissen vermutlich nicht, welche Voraussetzungen nötig sind. Man muss nicht unbedingt aus einem Weingut kommen oder in dieser Branche tätig sein. Jeder kann dieses Amt ausüben. Es sollte jedoch Interesse und vor allem Grundwissen bezüglich des Weines und der Region vorhanden sein. Dies kann man in Form von Seminaren und Fachvorträgen noch erweitern. Darüber hinaus sollte man flexibel, kommunikativ und begeisterungsfähig sein. Ihre Werbeversuche sind fehlgeschlagen, was haben Sie alles probiert? Ich habe erst mal in meinem Bekanntenkreis in Wachenheim – ich bin in der Landjugend – gefragt. Durch die Landjugend bin ich damals auch an das Amt gekommen. Aber vielen ist klar, dass das ein zeitintensives Amt ist. Das schreckt vielleicht ab. Gibt es das Problem auch in anderen Gemeinden? Definitiv. Es gibt Ortschaften, da bewerben sich mehre. Aber es gibt auch andere, da gibt es nur eine oder zwei Bewerberinnen. Und dann muss man jemanden in der Altersspanne finden. Und: Man steckt viel Zeit hinein. Ein Ehrenamt ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache. Es ist aber ein tolles Amt, daher muss man dafür Werbung machen. Nutzen Sie doch die Gelegenheit. Machen Sie Werbung für das Amt. Was ist denn schön am Weinprinzessinnen-Job? Eigentlich alles. Die Leute, die man kennenlernt, sind für mich das größte Geschenk. Dazu kommen die Gespräche. Man lernt die Region noch mal von einer ganz anderen Seite kennen und bekommt einen tiefen Einblick in die verschiedenen Vorgehensweisen der Weinproduktion in den Weingütern. Darüber hinaus erlebt man Dinge, die man normalerweise nicht so einfach erlebt. Zum Beispiel war ich im vergangenen Jahr auf einer Informationsfahrt nach Berlin eingeladen. Dort haben wir Angela Merkel getroffen. Gibt es auch unschöne Aspekte, über die man ehrlicherweise auch sprechen muss? Dumme Anmache auf Weinfesten zum Beispiel? Ich sehe das nicht so, ich sehe alles relativ positiv. Klar, man wird mal von unangenehmen Leuten angesprochen. Aber dann muss man das Gefühl dafür haben, wie gehe ich damit um. Dann bekommt man auch den Dreh raus, wie man solche Situationen bewältigt. Das kann man alles sehr gut meistern, so dass das Amt nach wie vor in jeder Lage Spaß macht. Ihre Amtszeit geht noch bis Juni? Würden Sie denn weitermachen, wenn sich keine Nachfolgerin findet, oder gar nach „Höherem“ streben? Wir schauen mal, wie sich in Wachenheim die Lage ergibt. Mir wäre es recht, wenn sich jemand findet, weil ich im Sommer mit meinem Referendariat anfange. Und da will ich mein Herzblut reinstecken. Aber wenn sich niemand findet, bin ich gerne bereit, weiterhin das Gesicht von Wachenheim zu sein. Ich könnte weiter die Wachenheimer Termine wahrnehmen, wohingegen die Auswärtstermine zeitlich begrenzt wären. Pfälzische Weinkönigin… das liegt mir in der Nase. Aber warten wir mal ab, wie sich alles entwickelt. Zur Person Die 24-jährige Svenja Hick studiert Grundschul-Lehramt. In ihrer Freizeit spielt sie Tennis beim TSV Haßloch. Sie spielt Gitarre und engagiert sich im Verein. Melden sollten sich potentielle Bewerberinnen bei der Tourist-Information Wachenheim: Weinstraße 15, 67157 Wachenheim, Email touristinfo@vg-wachenheim.de, bis spätestens 31. März. | Interview: Julia Plantz

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