Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Tipps vom Hochzeitsfotografen: Was Brautpaare beachten sollten

Für die Rachels „einer der schönsten Momente des Tages“: Der Bräutigam sieht die Braut zum ersten Mal im Brautkleid.
Für die Rachels »einer der schönsten Momente des Tages«: Der Bräutigam sieht die Braut zum ersten Mal im Brautkleid.

Andrea und Roger Rachel aus Dackenheim lieben Hochzeiten so sehr, dass sie sich als Hochzeitsfotografen selbstständig gemacht haben. Außerdem geben sie den Brautleuten wertvolle Tipps bei der Hochzeitsplanung. Was bei Hochzeitsfeiern oft falsch läuft, haben sie Dagmar Schindler-Nickel verraten.

Der Valentinstag gilt ja als Tag der Liebenden. Sind Sie als Hochzeitsfotografen dann auch im Einsatz?
Roger Rachel: Nein, wir haben zwar schon 700 Hochzeiten als Fotografen seit 20 Jahren begleitet, aber am Valentinstag noch gar nicht. Wir hatten dieses Jahr zwar schon Termine, aber die Hochzeitssaison geht erst so richtig Mitte April los. Bis Mitte Oktober haben wir dann an den Wochenenden viel zu tun.

Andrea Rachel: Auf 50 bis 55 Hochzeiten werden wir bestimmt auch in diesem Jahr wieder kommen.

In Ihrem Buch geben Sie Hochzeitswilligen Tipps, damit auf ihrer Hochzeit nichts schief läuft. Gibt es etwas, was alle Paare falsch machen?
Roger Rachel: Ja. Sie unterschätzen ganz häufig den Faktor Zeit. Nehmen wir mal an, die Trauung beginnt um 14 Uhr und um 18.30 Uhr möchte das Brautpaar beim Essen sein. In diese viereinhalb Stunden wird dann alles mögliche reingepackt: Die Trauung, Gratulationen, Sektempfang, Fahrt zur Feierlocation, Brautpaarshooting, Familienbilder und manchmal auch noch der Tortenanschnitt.

Andrea Rachel: Einige dieser Positionen werden zu kurz eingeplant, andere sogar regelmäßig ganz vergessen. Vielen Brautpaaren wird leider erst am Tag der Hochzeit klar, dass die viereinhalb Stunden nicht für alles ausreichen – und dann ist es zu spät, um etwas zu ändern.

Und wann wäre der geeignete Zeitpunkt für Hochzeitsfotos?
Andrea Rachel: Das ist auch ein Aspekt, um den Druck zwischen 14 und 18.30 Uhr herauszunehmen. Wir empfehlen unseren Brautpaaren, das Shooting vor der Trauung zu machen, das ist wesentlicher stressfreier. Das Paar muss so auch nicht die Gäste während der Feier eineinhalb Stunden verlassen. Sie sind außerdem noch frisch, das heißt man sieht ihnen die Spuren der höchst emotionalen Momente in der Kirche noch nicht an und auch nicht das Händeschütteln danach.

Dann sieht der Bräutigam seine Braut also beim Fotoshooting zum ersten Mal im Brautkleid?
Roger Rachel: Genau diesen Moment zelebrieren wir. Wir stellen den Bräutigam für diese Bilder in Position, bilden seine Reaktion ab, wenn er sich umdreht. Einer der schönsten Momente des Tages. So schön kann man das als Fotograf gar nicht in einer Kirche festhalten.

Welche Orte wählen Sie für das Fotoshooting?
Andrea Rachel: Der Ort steht gar nicht so im Mittelpunkt. Er soll nur einen schönen Rahmen abgeben. Es geht ja um die Brautleute, die sich wohlfühlen sollen. Es reicht ein schöner Weinberg, eine Sandsteinmauer. Wir richten uns da auch nach den Wünschen der Brautleute. Die meisten wollen auch gar keine Orte mit viel Begegnungsverkehr, weil sie sich beim Fotografieren nicht den Blicken der Öffentlichkeit aussetzen wollen. Früher bin ich mit meinen Brautleuten gerne an die Römerkelter nach Ungstein gefahren, aber da ist mittlerweile samstags viel zu viel los.

Was ist beim Thema Zeit noch wichtig?
Roger Rachel: Wenn man die Brautleute vorher fragt, was ihnen an dem Tag wichtig ist, dann sagen sie eigentlich alle übereinstimmend, das sie einen entspannten, glücklichen Tag gemeinsam mit zufriedenen Gästen genießen wollen. Leider geben Sie sich nicht die Zeit dafür, gerade das auch umzusetzen.

Andrea Rachel: Deshalb sollte man unbedingt Zeit zum Genießen auch einplanen. Zeit ohne Programmpunkte. Damit auch genug Zeit bleibt für schöne Gespräche zwischen dem Hochzeitspaar und seinen Gästen.

Also keine Spiele?
Andrea Rachel: Oh nein, sie rauben doch nur Zeit und Nerven und machen keine Hochzeit wirklich schöner. Lieber sollten alle früher zum Tanzen übergehen.

Roger Rachel: Spätestens um 21.30 Uhr sollte die Party anfangen. Ich habe es schon erlebt, dass um 23.30 Uhr endlich die Tanzfläche freigegeben wurde, und da haben sich dann leider auch schon die ersten Gäste verabschiedet. Auch ein richtiger DJ ist besser als eine Playlist vom Musikstreaming-Dienst.

Sie wissen so viel über Hochzeiten. Warum kann man Sie da nicht auch als Hochzeitsplaner buchen?
Andrea Rachel: Nein, wir bleiben lieber Hochzeitsfotografen. Unsere Tipps sind ein Extraservice, den wir nicht berechnen. Wir haben als Fotografen einen engen Kontakt zu dem Paar bereits im Vorfeld geknüpft, und wir sind dann im Vergleich zu allen anderen Dienstleistern am längsten am Hochzeitstag selbst mit dabei. Wenn das von dem Paar so gewünscht wird, auch bis zum späten Abend.

Roger Rachel: Wir wissen so viel über Hochzeiten, dass es quasi unterlassene Hilfeleistung wäre, dieses Wissen nicht zu verraten. Die Idee für das Buch, wie man Hochzeiten clever plant, kam durch ein Erlebnis auf einer Hochzeit, auf der die Braut einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, weil der ganze Tag nicht nach ihren Vorstellungen verlief.

Was war passiert?
Roger Rachel: Sie war mega angespannt. Der Tag war einfach zu voll gepackt. Den Ausschlag gab letzten Endes die falsche Farbe der Blumen, die die Treppe zum Feiersaal schmückten. Ein Arzt musste sogar kommen. Die Feier war ruiniert. Diese Situation hat sich regelrecht bei uns eingebrannt.

Sind Hochzeitsfeiern zu aufwendig geworden?
Roger Rachel: Die Erwartungen an den Tag sind schon sehr hoch. Entsprechend aufwendig ist alles geworden. Aber die Preise für die Feier sind auch enorm angestiegen, im vergangenen Jahr um 30 bis 50 Prozent. Das führt bei vielen Brautpaaren zur Verzweiflung. Wenn man heutzutage weniger als 20.000 Euro ausgibt, hat man ein Schnäppchen gemacht.

Andrea Rachel: Deshalb geben wir auch Budget-Tipps. Denn man sollte Prioritäten setzen, und dann weiß man auch, in welchen Bereichen man sparen kann.

Aber wohl nicht am Fotografen, oder?
Roger Rachel: Nein, natürlich nicht (lacht). Wir wissen selbst, wie wichtig gute Erinnerungsfotos sind. Wir haben vor sechs Jahren Silberhochzeit gefeiert und haben jetzt endlich vernünftige Bilder.

Zur Person

Die Eheleute Andrea (54) und Roger Rachel (55) aus Dackenheim fotografieren seit 20 Jahren Hochzeiten, seit zwölf Jahren auch hauptberuflich. Über 700 Hochzeiten haben sie deshalb schon miterlebt. In ihrem Buch „Hochzeit clever planen“ geben sie 1000 Tipps für die Traumhochzeit. Der Ratgeber ist über Amazon oder im Internet über die Seite roger-rachel.de erhältlich.

Andrea und Roger Rachel.
Andrea und Roger Rachel.
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