Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Tierschützer setzen sich für Kastenkastrationen ein

Nicht jeder streunenden Katze geht es gut.
Nicht jeder streunenden Katze geht es gut.

Es gibt sie fast überall, und doch werden sie kaum bemerkt: Immer mehr streunende Katzen streifen auch hier durch Gärten und Höfe. Doch vielen gehe es schlecht, klagen Tierschützer der Tiernotinsel Bad Dürkheim. Sie fordern eine Katzenschutzverordnung. Dann dürften nur noch kastrierte Haustiere vor die Türe.

Alexandra Brockschläger reicht’s. „Wir erleben das ganze Jahr über so viel Leid. Das ist ganz schlimm und für uns auch kaum wegzustecken“, sagt die Vorsitzende der Tiernotinsel Bad Dürkheim. Was sie anfügt, ist auch ein Hilferuf: „Den wilden Katzen da draußen geht es nicht gut.“

Es geht um ein Problem, das viele Menschen nicht bemerken: Die Population der Streuner, also verwilderter Hauskatzen, wächst. Rund 260 von ihnen – vom Baby bis zum erwachsenen Tier – hat der Verein laut Brockschläger in den vergangenen zwei Jahren in Bad Dürkheim sowie den Verbandsgemeinden Freinsheim, Wachenheim und Deidesheim gefangen oder gefunden. Manche gesund, manche tot, viele in schlechtem Zustand: „Es ist ein ganz großes Problem. Das war noch nie im Griff, aber es wird nicht besser.“

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Schutzverordnung bringt Nutzen für alle

Geht es nach den Mitgliedern der Tiernotinsel, soll sich das ändern. Der Verein hat Verträge mit der Stadt Bad Dürkheim und den Verbandsgemeinden Freinsheim, Wachenheim und Deidesheim zur Versorgung und Unterbringung von Sicherstellungs-, Beschlagnahme- und herrenlosen Tieren geschlossen. Nun streben die ehrenamtlichen Tierschützer für ihren Zuständigkeitsbereich Katzenschutzverordnungen an. Das Ziel: Wer sein Tier vor die Tür lässt, muss es kastrieren und registrieren lassen.

Katzenhalter tragen zu Problem bei

Denn das Streuner-Problem, sagt Brockschläger, ist auch menschengemacht. Viele Katzenbesitzer ließen ihr unkastriertes Haustier vor die Tür und trügen so zur unkontrollierten Vermehrung der Streuner bei. Die hätten oft keine guten Aussichten, seien schlecht ernährt und anfällig für Krankheiten.

Schon jetzt stellen Mitglieder des Vereins laut Brockschläger nach Hinweisen aus der Bevölkerung regelmäßig Lebendfallen auf, fangen Streuner ein, lassen diese kastrieren und wildern sie wieder aus. Denn abgesehen von Katzenjungen gilt für Streuner in der Regel: Wild bleibt wild. Mehr als eine Nacht im Quarantänekäfig nach der Operation könne man diesen Tieren nicht zumuten, sagt Brockschläger: „Man sieht die Panik in ihrem Blick.“

Immer wieder landeten Tiere in so schlechtem Zustand in den Fallen, dass sie in der Obhut der Tierschützer sterben oder erlöst werden müssten. „Was wir zu sehen bekommen, kann nicht jeder sehen“, sagt Brockschläger. Manchmal müsse sie nach solchen Erfahrungen an sich halten, wenn sie Fundtierhalter bittet, ihre Katze kastrieren zu lassen und nur ein müdes Lächeln ernte. „Das interessiert die Leute nicht. Sie reden gegen Mauern.“

Verordnung könnte Kosten sparen

Eine Katzenschutzverordnung könnte, so die Tierschützer, Leid ersparen – und die kommunalen Finanzen entlasten. Schließlich bezahle der Verein die Kastrationen der immer mehr werdenden Streuner. Zwischen 5400 und 6000 Euro erhält der Verein laut Verbandsgemeinden schon jetzt im Jahr pro VG. Die Stadt Bad Dürkheim gibt 10.200 Euro im Jahr. Dennoch gehe es nicht ohne Spenden. „Wir hatten letztes Jahr Monate, da sind wir auf 2000 Euro Tierarztkosten gekommen“, sagt Brockschläger. Ganz zu schweigen von den Kosten für Futter und Unterbringung von Fundtieren.

Ihrem Verein, sagt Brockschläger, würde eine Katzenschutzverordnung auch Rechtssicherheit geben. Denn der lasse auch zahme Fundtiere kastrieren, wenn der Besitzer nicht gefunden wird. Melde der Halter sich danach doch noch, „könnte er gegen den Verein vorgehen“, so Brockschläger. Mit einer Verordnung wäre der Verein auf der sicheren Seite. Eines betont die Vereinsvorsitzende: Es gehe nicht darum, dass das Ordnungsamt alle Katzen kontrolliere. Vielmehr könne der Verein auf unkastrierte Fundtiere hinweisen und das Amt die Halter auf die Pflicht aufmerksam machen.

Über eine Online-Petition und Listen habe die Tiernotinsel rund 650 Unterschriften gesammelt, sagt die Vorsitzende. Nun will der Verein an die Verwaltungen herantreten. Das Kreisveterinäramt begrüßt die Pläne. „Unsere Veterinäre befürworten solche Katzenschutzverordnungen“, heißt es aus der Kreisverwaltung. Schließlich wäre sie „das einzige Mittel“, um „der überbordenden Vermehrung von Katzen Herr zu werden“.

Es wäre nicht die erste Verordnung in der Region: Haßloch hat Ende 2022 eine Katzenschutzverordnung auf den Weg gebracht. In Neustadt gibt es eine seit 2018. Zwar wisse man nicht, wie sich diese auf die Katzenpopulation ausgewirkt habe, teilt Neustadts Pressesprecher mit. Allerdings sei „die Problematik der Katzen im Zusammenhang mit deren Überpopulation stärker ins Bewusstsein gerückt“. Halter reagierten „deutlich verständnisvoller und einsichtiger in Bezug auf die notwendige Kastration“ als zuvor. Und: Durch die Registrierungspflicht sei es leichter, Fundkatzen an ihre Halter zurückzuvermitteln.

Im Netz

Infos zu den Plänen unter www.tiernotinsel-bad-duerkheim.de/aktuelles/.

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