Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Therme-Projekt: Verantwortliche aus Bad Bergzabern und Bad Ems über ihre Erfahrungen

Zuletzt hat die Südpfalz-Therme in ein neues Außenbecken investiert. „Man muss sich permanent weiterentwickeln“, sagt Geschäftsf
Zuletzt hat die Südpfalz-Therme in ein neues Außenbecken investiert. »Man muss sich permanent weiterentwickeln«, sagt Geschäftsführerin Sandra Reichenbacher.

Am Dienstag entscheidet der Stadtrat, ob er den Planern grünes Licht für einen zweiten Anlauf zur Planung der Dürkheimer Therme gibt. Andere Städte sind da schon weiter. Doch welche Erfahrungen haben Betreiber und Tourismusbeauftragte mit ihren Thermen gemacht? Wir haben in Bad Bergzabern und Bad Ems nachgefragt.

Die bislang einzige Therme der Pfalz steht in Bad Bergzabern. 1974 wurde das Thermalbad gebaut, 2004 geschlossen, komplett saniert und 2006 wiedereröffnet. „Bereut hat das niemand hier“, versichert Sandra Reichenbacher, Geschäftsführerin der Südpfalz-Therme. Das Land Rheinland-Pfalz, der Kreis Südliche Weinstraße und die Stadt Bad Bergzabern investierten damals zwölf Millionen Euro in das Projekt. Sie sind Gesellschafter der Südpfalz-Therme. Hintergrund der Investition war damals nicht zuletzt der Rückgang im klassischen Kurgeschäft. „Es musste Geld in die Hand genommen werden, um als Kurstadt attraktiv zu bleiben“, sagt Reichenbacher.

Stolz ist sie darauf, dass die Einrichtung anders als viele kommunale Bäder schwarze Zahlen schreibt. Bei Investitionen beteiligen sich jedoch die Gesellschafter in Form von Zuschüssen. Und investiert wurde immer wieder in den vergangenen Jahren, etwa in eine Salzgrotte oder in ein neues Außenbecken. „Man muss eigentlich permanent investieren und sich weiterentwickeln, um attraktiv zu bleiben“, betont Reichenbacher. Ihr Haus achte immer darauf, dass kein Renovierungsstau entsteht. „Das hat sich bezahlt gemacht“, sagt die Geschäftsführerin.

Viele Gäste aus Frankreich

Rund 180.000 Gäste haben im Vor-Corona-Jahr 2019 die Südpfalz-Therme besucht, den Umsatz beziffert Reichenbacher auf knapp 2,5 Millionen Euro. Tagesgäste legen für einen Aufenthalt in der Südpfalz-Therme bis zu 150 Kilometer zurück. „Wenn das Angebot passt, sind die Gäste auch bereit, eine weitere Strecke auf sich zu nehmen“, erklärt Reichenbacher. Ein Vorteil der Südpfalz-Therme ist die Nähe zu Frankreich: Ein zweistelliger Prozentsatz der Besucher kommt aus dem Nachbarland über die Grenze.

Anders als die Bergzaberner Therme ist die Therme in Bad Ems in privater Hand. Bis 2010 war das Thermalbad Staatsbad, dann wurde es geschlossen und saniert. Seit der Wiedereröffnung Ende 2012 wird die Therme von der Kannewischer-Gruppe betrieben, die auch die Stadt Bad Dürkheim beim Therme-Projekt berät. 25 Millionen Euro wurden damals im Norden des Landes investiert. „Neben einem guten Gesamtkonzept ist ein Anker entscheidend, um attraktiv für Besucher zu sein. Bei uns ist das die Flusssauna auf der Lahn“, sagt Marco Kranich, Marketingverantwortlicher bei der Emser Therme. „Nur zwei Becken und drei Saunen irgendwo hinzusetzen, reicht heutzutage nicht mehr“, erklärt Kranich. Besucherzahlen und Umsatz wollte er nicht nennen. Allerdings kämen mehr Menschen in die Therme als in der Projektphase kalkuliert. „Der Wellnesstrend ist ungebrochen, das merken wir an jeder Stelle“, berichtet Kranich.

Hotel im Bau

Besonders gefragt seien Klassiker wie Massagen oder der Saunagang. Derzeit entsteht in Bad Ems zusätzlich ein Therme-Hotel. „Seit der Wiedereröffnung der Therme 2012 sind unsere Gästezahlen spürbar angestiegen. Auch wenn wir nicht belegen können, dass das an der Therme liegt, so ist der Zusammenhang doch naheliegend“ , berichtet Ulf Klimke, Marketingleiter bei der Touristik Bad Ems. Hoteliers und Gastronomen profitierten von den zusätzlichen Gästen, die überwiegend aus einem Umkreis von 100 Kilometern kommen. „Wir bespielen das Thema ,Wellness am Fluss’ in Kombination mit unseren Naturangeboten“, sagt Klimke. Besonders in den Wintermonaten locke die Therme Besucher nach Bad Ems. „Wenn wir die Therme nicht hätten, hätten wir es deutlich schwerer“, räumt Klimke ein.

Auch für Jochen Anthes, den Geschäftsführer des Tourismusvereins Bad Bergzaberner Land, ist die Südpfalz-Therme „ein großes Pfund für Bergzabern, die Südliche Weinstraße und die ganze Pfalz“. Die Therme sei ein Garant dafür, dass vor allem Tagesgäste und Kurzurlauber in das Kurstädtchen nahe der französischen Grenze kommen. „Wir werden es zwar nicht hinbekommen, dass wir Urlaubsziel Nummer eins werden. Aber für ein schnelles Wochenende kommen die Leute nicht zuletzt wegen der Therme“, sagt Anthes. Die „Saure-Gurken-Zeit“ gebe es wegen der Therme in der Form nicht mehr. „Die Leute kommen auch im Winter und nicht nur während der Weinlese“, bestätigt Therme-Geschäftsführerin Reichenbacher.

Allerdings ähnelt das Konzept der Bergzaberner Touristiker dem der Dürkheimer: Wellness kombiniert mit Wein und Naturerlebnissen wie Wandern und Radfahren. Fürchtet Anthes da nicht Konkurrenz vom anderen Ende der Weinstraße? „Das heißt ja nicht, dass die Dürkheimer nicht mehr nach Bergzabern kommen würden und umgekehrt. Für mich wäre eine weitere Therme ein Zugewinn für die touristische Infrastruktur und ein zusätzliches Zugpferd für die gesamte Pfalz“, sagt der Touristik-Experte.

Auch der Saunadachgarten zählt zu den Attraktionen.
Auch der Saunadachgarten zählt zu den Attraktionen.
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