Wachenheimer Geschichte(n): Ein Doppelmord ist schauriger Fixpunkt in der Historie des Müllerhandwerks Tatort Lindenmühle
Wie sich die Bluttat zugetragen hat, ließ sich nur vermuten. Der Doppelmord war wohl das schaurige Ergebnis eines Raubüberfalls. Wer der (oder die) Mörder waren, ist unaufgeklärt geblieben. Dass diese Tragödie überliefert ist, ist einem Eintrag im Kirchenbuch der reformierten Gemeinde zu verdanken, das unter dem Datum vom 6. Juli 1709 von dem „erschrecklicher weiß“ geschehenen Mord an dem jungen Müller Simon Mayer und seiner Hausfrau in der Lindenmühle berichtet. Simon Mayer arbeitete als Hilfskraft in Diensten des „Erbbestandsmüllers“ (Pächters) Johannes Schwartz, der wiederum die zum Immobilienbesitz des ehemaligen Steinhausserschen Hofes (heute Sektkellerei) gehörende Mühle von der Adelsfamilie von Sußmann gepachtet hatte. Die vor dem nördlichen Stadttor (Holztor) am Poppentalbach gelegene Lindenmühle – auch Mittelhofer Mühle, benannt nach einem im 18. Jahrhundert untergegangenen Weiler (Wüstung) zwischen Wachenheim und Dürkheim – war eine von vier Mühlen, die schon im späten Mittelalter dokumentiert sind. Drei waren mehrere Jahrhunderte hindurch bis in die neueste Zeit in Betrieb. Die bedeutendste war die unterhalb der Wachtenburg gelegene Burg- oder Schlossmühle, deren Mahlwerk vom Burgtalbach angetrieben wurde. Die Kornverarbeitung gehörte üblicherweise von Anfang an zu den lebensnotwendigen Wirtschaftsbetrieben einer Burg; die Wachenheimer Burgmühle ist vermutlich zu der gleichen Zeit gebaut worden, in der auch die Festungsanlage allmählich Gestalt annahm (12./13. Jahrhundert). Im Jahre 1324 wurde die Mühle von König Johann von Böhmen dem Jakob von Wachenheim als Witwengut für dessen Frau verliehen. Im 16. Jahrhundert bezahlte der jeweilige Erbbeständer jährlich neun Malter Korn an die kurpfälzische Amtskellerei in Neustadt und sechs Malter an die Stadt für die zur Mühle gehörenden Wiesen und Äcker. Der Müller Nikolaus Bauer hatte noch ein Haus in der Stadt, außerdem betrieb er in der Mühle eine Wirtschaft. Vor dem zweiten „Franzosenbrand“ (1689) floh er auf die Kaisermühle in Kaiserslautern, wo er 1691 starb. Der nächste Beständer Johann Buschbach verkaufte am 3. Februar 1699 die „alt, zerfallene Mahlmühl“ an den zugewanderten, „von Zell außem Stab Pralatz Gebiet“ stammenden Müller Michel Niedhammer, in dessen Familie sie bis 1791 verblieb. 1792 wurde die „Erbbestandsmühl mit einem Mahl- und Schälgang“ an Georg Friedrich Peter versteigert. Im Jahre 1887 wurde die Mühle von dem aus Memmingen im Allgäu stammenden Müller Friedrich Stetter übernommen. Als letzte der Wachenheimer Mühlen bestand sie bis zum Jahre 1957, als Adolf Stetter den Betrieb stilllegte. Im Spätjahr 1966 ging das Mühlengebäude in den Besitz des damaligen Landkreises Neustadt über, der es wegen der Erweiterung der zur Kreisstraße erklärten Waldstraße abreißen ließ. Ebenfalls am Burgtalbach, aber innerhalb der Stadtmauer, lag am Ende der schon 1416 urkundlich erwähnten Mühlgasse die Stadtmühle, auch Weißenburger Mühle genannt, die das Adelsgeschlecht der Kolbe von Wartenberg länger als zwei Jahrhunderte, von 1583 bis 1792, vom Kloster Weißenburg zu Lehen hatte. Das Wasser floss über einen sechs Schuh über der Erde gelegenen Kanal durch eine Öffnung in der Stadtmauer aufs Mühlrad. 1780 wurde dieser Kanal in einen aufgeworfenen Damm eingekleidet (Ende der 1950er Jahre bei der Verrohrung des Baches abgetragen). Nachdem die von Revolutionstruppen eroberte Pfalz Frankreich eingegliedert war, wurde der linksrheinische Wartenberg’sche Besitz – wie alle feudalen und klerikalen Güter – im Jahre 1811 durch den französischen Staat versteigert. So kam die Mühle zunächst an Abraham Risser und 1827 bei der Zwangsversteigerung dessen Vermögens an Bürgermeister Johann Ludwig Wolf. Im Jahre 1870 war sie pachtweise im Besitz des Müllers Philipp Kalbfuß, um 1890 wurde der Betrieb eingestellt. Zwei weitere Mühlen lagen an dem aus dem Poppental fließenden Bach (er wird im weiteren Lauf in Richtung Osten auch Wiesenbach und Schwabenbach genannt). Die bereits als Schauplatz eines Kapitalverbrechens erwähnte Lindenmühle wird schon 1504 in einer Urkunde erwähnt, in der der Müller Hans Karthen der St.-Katharinen-Pfründe in der Pfarrkirche eine jährliche Abgabe von zwei Gulden verschreibt. Im Jahre 1579 war die Mühle im Besitz des Junkers Burghart von Angeloch. Am Ende des 30-jährigen Krieges (1618-1648) wurde die Mühle zerstört und lag noch 1682 als Ruine da. Ob sie, wie vorgesehen, noch im gleichen Jahre wieder in Gang gebracht wurde, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall aber war sie nachweisbar 1706 wieder in Betrieb, da in diesem Jahr der Erbbestandsmüller Johannes Schwartz genannt wird. In den späteren Jahren wird als Erbbeständerin dessen Witwe genannt, die im Jahre 1743 vom Geheimen Rat von Sußmann wegen rückständiger Pacht aus der Mühle vertrieben wurde. Der aus einem Mahl- und Schälgang sowie einer Ölmühle bestehende Betrieb war nach der Französischen Revolution als Privateigentum an verschiedene Besitzer gekommen, so im Jahre 1881 an Johann Ludwig Wolf junior, von dem 1893 Johann Zimmermann die Gebäude und die nächstgelegenen Grundstücke erwarb. Zimmermann war der letzte Lindenmüller. Nach seinem Tod ging um 1910 die Mühle ein. Der Mühlbau mit den Mahlgängen und dem Wasserwerk, die allmählich verfielen, wurde 1956 abgerissen. Die Münzmühle stand unmittelbar an der „Alten Straße“ (Römerweg), wo der Weg zur Wüstung Osthof diese kreuzt, gegenüber der Ferngasleitungsstation. Als Lagebezeichnung ist das Gelände noch heute bekannt. Ob der Name der 1504 „monsmule“, dann das ganze 16. Jahrhundert hindurch Minz-, Minß- und Muntzmühle genannten Mühle mit der alten Münze in Wachenheim zusammenhängt, ist nicht geklärt. Um 1530 ist die Mühle mit dem umliegenden Gelände („Seebacher Gütlein“) im Besitz des Klosters Seebach, das sie in Erbbestand verpachtet hat. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1591 kam das Gütlein an die Geistliche Güteradministration der Kurpfalz in Heidelberg und wurde weiter vergeben. Nach 1600 hatte der Stadtschreiber und spätere Unterschultheiß Bernhard Bürklin die Mühle in Besitz. Im Morgenbuch von 1666, einer Art Kataster, wird die Münzmühle nicht mehr erwähnt. Vermutlich hat sie den 30-jährigen Krieg nicht überdauert. Eine Übersicht über die kurpfälzischen Mühlen im General-Landesarchiv Karlsruhe nennt für Wachenheim neben den drei anderen Mühlen „ein öder Mühlplatz undig der Stadt, auf Friedelsheim zu gelegen, vor diesem die Münzmühl genannt, zu Schönfeld gehörig...“ (gemeint ist das Benediktinerinnen-Kloster Schönfeld in Dürkheim). Reste des alten Gemäuers standen noch 1785 in den Wiesen, um 1900 waren noch Spuren davon vorhanden. Quellen —Fritz Wendel: Geschichte der Stadt Wachenheim an der Weinstraße, neu bearbeitet und ergänzt von Wolfgang Meyer und Michael Wendel, Herausgeber: Stadt Wachenheim, 2015 —Gert Oberste-Lehn: Rauschende Bäche, klappernde Mühlen, in: Heimat-Jahrbuch 2003 des Landkreises Bad Dürkheim