Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tabletten schlucken: Apotheker gibt Tipps

Tabletten schlucken fällt vielen Patienten schwer: Wer die richtige Technik kennt, hat es leichter.
Tabletten schlucken fällt vielen Patienten schwer: Wer die richtige Technik kennt, hat es leichter.

Morgens nüchtern oder abends nach dem Essen: Bad Dürkheimer Apotheker erklärt, was bei der Einnahme von Medikamenten zu beachten ist. So gelingt es leichter.

Beim ersten Tag der Gesundheit und Pflege des Pflegestützpunktes Bad Dürkheim herrschte am Donnerstag reger Betrieb im Dürkheimer Haus. Etliche Besucherinnen und Besucher informierten sich an Ständen und hörten Vorträge. Apotheker Nikolaj Stollhof erklärte rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörern, warum man Schilddrüsenhormone nicht tagsüber nehmen sollte, Tablettenpackungen nichts im Badezimmer verloren haben und warum Wassertrinken und Medikamenteneinnahme untrennbar zusammenhängen.

Warum ist es wichtig, das Medikament zur richtigen Zeit zu nehmen?
Damit Medikamente wirken können, braucht es die richtige Diagnose. Dann verschreibt ein Arzt das entsprechende Medikament. Im besten Fall überprüft er, ob das Medikament Linderung gebracht hat. Das kann er nur, wenn das Medikament eingenommen wurde und wenn es zudem richtig genommen wurde. Rund die Hälfte der Medikamente bewirkt nicht das Richtige, auch weil Patienten sie nicht oder falsch einnehmen.

Wie schluckt man Tabletten, wie schluckt man Kapseln?
Tabletten sind meist klein und rutschen leicht nach hinten, am Besten nimmt man sie mit einem Schluck Wasser in den Mund, neigt den Kopf nach hinten und spült sie mit dem Schluckreflex nach hinten. Kapseln dagegen sind leicht und schwimmen oben auf. Um sie leichter zu schlucken, sollte man den Kopf nach vorne neigen, dann werden sie beim Schlucken quasi mit der Flüssigkeit in den Schlund gezogen. Wer Medikamente sehr schlecht schlucken kann, für den gibt es auch Mörser für manche Arzneimittel in Apotheken oder Schluckhilfen. Dabei werden Tabletten mit einem gelartigen Überzug versehen.

Warum ist es wichtig, ausreichend Wasser zur Medikamenteneinnahme zu trinken?
Tabletten gelangen über die Speiseröhre und den Magen in den Darm. Vor allem im Dünndarm gehen sie ins Blut über und werden dann im Körper verteilt. Damit der Wirkstoff optimal aufgenommen werden kann, müssen Tabletten zerfallen. Das geht nur mit ausreichend Flüssigkeit, ein Trinkschluck reicht nicht aus. Man muss zusätzlich mindestens ein kleines Glas Wasser trinken. Auch die Art der Flüssigkeit ist wichtig, meist ist Wasser optimal. Eisentabletten werden aber am besten mit Saft eingenommen: Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme.

Was bedeuten die Angaben nüchtern, vor dem Essen, zum Essen und nach dem Essen genau?
Nüchtern heißt ohne jegliche Flüssigkeits- oder Nahrungsaufnahme zuvor, man spricht von einer Stunde vor Kaffee, Tee oder Essen. Mit „vor dem Essen“ meint man etwa 15 bis 30 Minuten vor der Mahlzeit, „zum Essen“ bedeutet während oder unmittelbar nach dem Essen, wohingegen „nach dem Essen“ 30 bis 60 Minuten nach der Mahlzeit entspricht. Das hängt damit zusammen, dass manche Medikamente fettlöslich sind und daher besser mit Nahrung vom Körper aufgenommen werden können. Schilddrüsenhormone sollte man morgens einnehmen, weil sie dann zur eigentlichen Hormonproduktion, die vor allem nachts stattfindet, dazukommen. Nimmt man sie tagsüber ein, unterdrückt man eher die Hormonproduktion.

Wie werden Medikamente richtig gelagert?
Wichtig ist ein kühler und trockener Ort. Das kann im Schlaf- und Wohnzimmer sein. Nicht geeignet zur Aufbewahrung von Tabletten und Kapseln sind Küche und Bad, hier ist es oft zu warm und zu feucht.

Warum sollte ein Medikationsplan nicht selbst geschrieben oder handschriftlich ergänzt werden?
Der Medikationsplan ist eine wichtige Informationsquelle. Er sollte professionell vom Arzt erstellt werden und idealerweise Wirkstoff, Handelsname, Stärke, Darreichungsform, Einheit und Hinweis zu den verordneten und nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten enthalten. Wichtig ist auch der Grund, also wofür oder wogegen der Patient das Medikament einnehmen soll. Er sollte immer aktuell gehalten werden. Seit 2016 muss der Plan Patienten ausgedruckt werden, er kann auch auf der Gesundheitskarte gespeichert werden. Das bietet Vorteile bei Fachärzten oder im Krankenhaus.

Anmerkung: In einer früheren Version des Texts hatte es geheißen, der Einnahmezeitpunkt „Vor dem Essen“ bedeute, dass das Medikament unmittelbar vor der Mahlzeit eingenommen werden solle. Das ist nicht richtig. Das Medikament sollte in diesem Fall, wie es nun auch im Text heißt, 15 bis 30 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden.

Apotheker Nikolaj Stollhof
Apotheker Nikolaj Stollhof
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