Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel SWR1-Hitparade: Wie die Anonyme Giddarischde ihren Erfolg erlebten

So sieht es aus, wenn sich Anonyme Giddarischde freuen.
So sieht es aus, wenn sich Anonyme Giddarischde freuen.

Die Anonyme Giddarischde haben mit zwei Liedern den Sprung in Top zehn der Hörer-Hitparade des Radiosenders SWR1-Rheinland-Pfalz geschafft. Für die Band ebenso eine Überraschung wie für die vielen Fans, die mit den Musikern auf dem Stadtplatz feierten. Die Anonyme waren glücklich über ihren Coup – und auch ein bisschen gerührt.

Roman Nagel, Komponist der Anonyme Giddarischde, setzt Prioritäten. Deshalb erkundigte er sich beim Auftritt der Band am Freitag auf dem Stadtplatz zuerst einmal nach dem Wichtigsten: „Wuu issen do de Getränkestand? E Schörlsche wär schun gut, bevor mer an die Büh’n geh’n.“ Roman Nagel weiß eben um die Notwendigkeit einer soliden getränketechnischen Basisgrundlage. Auch wenn man kurz davor ist, sich Meriten abzuholen, nach denen sich viele Bands die Finger lecken würden.

Freitag, 17 Uhr, Bad Dürkheim, Stadtplatz, die Top zehn der SWR1-Rheinland-Pfalz-Hörerhits. Einen Tag zuvor hatte der Radiosender die Anonyme Giddarischde gebeten, sich doch bitteschön vor der Bühne auf dem Stadtplatz einzufinden, um live dabei zu sein, wenn die letzten zehn Songs der „Top 1000 der SWR1 Hitparade“ gespielt werden. Die Band sei da ziemlich weit vorne platziert, wurde ihnen zugeflüstert und da wäre es doch schön, wenn die Lokalmatadoren vor Ort wären.

Schorle mit Champagner

Wie weit vorne, wusste niemand von der Band, und so konnte man sich bei der Fahrt nach Bad Dürkheim mit Rumspekulieren prima die Zeit vertreiben. „Hamse die Lewwerworscht schun gschpielt?“, erkundigte sich Achim Kaul. Als dies verneint wird und er erfährt, dass man immerhin schon bei Platz 13 sei, kommt ein ungläubiges „Die wird doch net in de Top zehn soi?“. Glaubt keiner so recht und auch die Prognose, dass das „Palzlied“ unter den Top drei ist, stieß auf Unglauben. „Ach kumm, wann des unner de erschde drei is, mischen mer unsern Schorle heit mit Champagner statt mit Wasser.“

Nagel erinnerte sich daran, wie sich die Band gefreut hatte, als vor ein paar Jahren das „Palzlied“, damals schon Hymne für die Region, auf Platz „Hundertnochwas“ gestanden hat. Von da an ging es ständig aufwärts mit dem Lied und das Lied „Lewwerworscht“ kam irgendwann auch noch dazu. Vor einem Jahr standen Nagel und Kaul mit ihrem Nebenprojekt „Happys“ beim Soundcheck auf irgendeiner Bühne und hörten nebenher Radio, als beide Songs die bis dato höchsten Platzierungen bei dieser Hörerhitparade erreichten: „Lewwerworscht“ Platz 17 und „Palzlied“ Platz vier. Sie hatten es damals nicht glauben wollen. Und nicht nur sie.

Sänger Edsel Merz wird von SWR 1-Moderatorin Claudia Deeg interviewt.
Sänger Edsel Merz wird von SWR 1-Moderatorin Claudia Deeg interviewt.

„Aachewasser“ vor der Bühne

„Hättest du jemals gedacht, dass wir hier mal stehen?“, fragte am Freitag ein schon zu diesem Zeitpunkt ziemlich gerührter Edsel Merz vor der Bühne. Der Sänger hat „Aachewasser“, immer wieder blinkt da mal ein Tränchen vor. Kein Wunder. Der Stadtplatz ist rappelvoll, die Stimmung beim Publikum großartig und spätestens nach den 17-Uhr-Nachrichten weiß jeder, dass die Anonyme gleich mit zwei Songs in den Top zehn vertreten sein werden.

Und dass sich jeder für diese Gruppe freut, die tatsächlich wie keine andere musikalische Identitätsstiftung für die Pfalz betreibt, wird am Freitag mehr als deutlich. Da feiert das Publikum auf dem vollen Stadtplatz mit der Band. Einer Band, die sich über Jahre sukzessive in die Herzen eines ganzen Landstrichs gespielt hat.

Als nach den Nachrichten Platz zehn genannt wird, sagt Edsel zu seinen Bandkollegen „Bassen uff, jetzt kummen mir!“, nur um dann völlig ungläubig am Dubbeglas zu nippen. Macht er noch ein paar Mal, vor jeder neuen Platzierung, die aufgerufen wird, spannt Edsel seinen Körper, um nach vorne zu gehen und dann doch stehenzubleiben. Als dann tatsächlich auf Platz sechs die „Lewwerworscht“ aufgerufen wird, stellen sich die Anonyme vor die Bühne und singen gemeinsam mit dem Publikum das Lied.

Edsel verschlägt es die Sprache

Danach dann die Songs „Music“ und „Stairway to heaven“. Inzwischen ist man bei den Top drei angekommen. Doch Platz drei ist wieder nicht das „Palzlied“ sondern „Sound of silence“ in der Version von Disturbed. „Was e Brett, mit Abstand die größte Gesangsleistung der vergangenen Jahre und wir sind vor so einem Song“, beömmelt sich Achim Kaul.

Und dann zweiter Platz für das „Palzlied“, hinter Queen mit „Bohemian Rhapsody“. Die hat seit Jahren den ersten Platz bei dieser Hitparade abonniert. Da kann es einem schon mal die Sprache verschlagen, sogar einem Edsel. Der geht zum Interview auf die Bühne und auch wenn man ihm anmerkt, dass er mit Emotionen zu kämpfen hat, das rhetorische Schnellfeuer-Mundwerk erledigt zuverlässig seinen Dienst. „Bitte nichtganz so schnell, ich komm doch nicht von hier“, bittet SWR1-Moderatorin Claudia Deeg. Wie er es sich erklären könne, dass das „Palzlied“ auf den zweiten Platz gewählt wurde, will Deeg von Edsel wissen. „Weil mir alle in de Palz Geisteschwestern und Geistebrieder sin“, so die Antwort.

Wo lässt man einen solchen Abend ausklingen? Da, wo alles angefangen hat. „Ab noch Frangedaahl, in de Ele“. Um dort die Schorle mit Champagner, statt mit Wasser zu mischen.

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