Wachenheim / Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Supermarkt: Hellhörige Nachbarn

Die Dürkheimer interessiert, wie es mit Rewe-Markt am Wachenheimer Ortsausgang weitergeht.
Die Dürkheimer interessiert, wie es mit Rewe-Markt am Wachenheimer Ortsausgang weitergeht.

Lange war es ruhig um den neuen Supermarkt in Wachenheim. Jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache. Denn das Verfahren, das eine weitere Ansiedelung möglich machen soll, läuft. Gerade werden die Nachbarn um ihre Meinung gebeten. Dabei spielt auch ein geplanter Markt im Dürkheimer Fronhof eine Rolle.

Wer einen Supermarkt plant, der muss stets das Umfeld im Blick haben. Wer wüsste das besser als die Wachenheimer, die seit Jahren mit Standortfragen gut beschäftigt sind. In Wachenheim gibt es nun einen möglichen Standort für einen Markt. Weil Bad Dürkheim in der Zwischenzeit aber nicht untätig geblieben ist, gibt es nun eine neue Frage: Was bedeutet ein geplanter Markt im Fronhof für Wachenheim?

Zur Erinnerung: Die Verbandsgemeinde Wachenheim hat lediglich einen Supermarkt und möchte zwei neue. Einer soll im Wachenheimer Bischofsgarten entstehen, das ist am östlichen Ortsausgang. Der andere soll zwischen Friedelsheim und Gönnheim gebaut werden. Die Märkte kann die VG aber nicht so einfach auf den Weg bringen, denn beide Standorte liegen im Außenbereich. Um hier etwas zu entwickeln, braucht sie eine Art Sondergenehmigung, die sie über ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren erreichen will. Diese Verfahren hat die VG im Januar auf den Weg gebracht. Im Juni gab es laut VG-Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) nun die Rückmeldung der zuständigen Behörde: Die beiden Verfahren laufen – unabhängig voneinander, aber parallel. Innerhalb von sechs Monaten kann die Verbandsgemeinde mit einer Antwort rechnen.

Im Laufe dieses Verfahrens werden nun andere Gemeinden oder Behörden befragt. So auch Bad Dürkheim. „Grundsätzlich“ halte man die Pläne am Standort Bischofsgarten – nur zu diesem soll die Stadt Stellung nehmen – für vertretbar, sagte Dürkheims Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) am Donnerstag im städtischen Bauausschuss. Dennoch möchte es die Stadt an einigen Stellen genau wissen und hat weitere Unterlagen angefordert, bevor sie eine finale Stellungnahme abgeben wird. Denn auch Bad Dürkheim hat Pläne für einen Supermarkt. Dieser soll im Baugebiet Fronhof II entstehen, also auf der südlichst möglichen Gemarkung von Bad Dürkheim, sehr nah an Wachenheim.

Deshalb will die Stadt wissen, ob auf dem Gelände des Bischofsgarten wirklich nur ein Supermarkt mit maximal 1600 Quadratmeter Fläche entsteht. Denn der Standort sei mit 3,5 Hektar angegeben – also viel zu groß für nur einen Markt.

„So groß würde es nicht werden“, versichert Bechtel auf Nachfrage. Es sei nur so viel Fläche nötig, wie für einen Markt in der angegebenen Größe notwendig sei. Eine weitere von den Dürkheimern formulierte Sorge: Was passiert mit dem bestehenden Rewe-Markt? Dieser liegt an der nördlichen Grenze von Wachenheim, also in unmittelbarer Nähe zum Fronhof. „Wenn wir dort vergrößern könnten, hätten wir uns viel Ärger erspart“, sagt Bechtel. Der Standort solle erhalten, aber nicht vergrößert werden. Es sei abhängig von dem Markt im Bischofsgarten, aber auch von den Plänen im Fronhof, ob es bei einem Rewe bleibt oder ein Discounter kommt. „Betreiber reagieren auch auf das Umfeld“, so Bechtel. Selbst wenn alle drei Supermärkte in der Verbandsgemeinde realisiert seien, gäbe immer noch nicht die Kaufkraftbindung, „die uns eigentlich zustehen würde“, so Bechtel. „Wachenheim ist nach den Untersuchungen extrem unterversorgt.“ Deshalb sieht Bechtel nach eigener Aussage keinen Wettbewerb mit Dürkheim, über die Frage, wer schneller durch die Ansiedelung eines Supermarkts Fakten schafft.

Glogger: Vermarktung frühestens Ende 2021

Das sieht auch Glogger so: „Ich glaube, dass beide Vorhaben nebeneinander gehen, wenn der Markt in Wachenheim so umgesetzt wird wie geplant.“ Aufgrund eines „Engpasses“ (Glogger) beim Bauamt, der mittlerweile behoben ist, hat sich allerdings das Vorhaben im Fronhof verzögert. Um einen für den Markt nötigen Bebauungsplan aufstellen zu können, muss zunächst ein vereinfachtes raumplanerisches Verfahren abgeschlossen werden. Für dieses ist wiederum die Fertigstellung des aktuellen Einzelhandelsgutachtens Voraussetzung. Dafür müssen unter anderem noch die Nachbargemeinden gehört werden. Frühestens Ende 2021 könne die Stadt in die Vermarktung gehen, sagt Glogger. Dennoch gebe es bereits starkes Betreiber-Interesse – wie für den Markt in Wachenheim auch.

Flächenfurcht

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Da diskutieren die Wachenheimer seit Jahren über einen Supermarkt. Und als sie sich endlich auf einen Standort mehrheitlich geeinigt haben, will nun auch Bad Dürkheim einen neuen Markt bauen. Den Wachenheimern fast vor die Haustür. Und nicht nur das. Die Dürkheimer wollen es ganz genau wissen und fürchten sich auf einmal vor zu vielen Einzelhandelsflächen in der Nachbargemeinde. Dass Wachenheim noch mal zum gefühlten Konkurrenten in Sachen lückenloser Supermarktversorgung werden würde. Wer hätte das gedacht?

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