Bad Dürkheim
Stipendium des Flugsportvereins: Mit Starthilfe nach oben
„Es war immer mein Ziel, Pilot zu werden“, sagt Daniel Schreier. Über verschiedene Wege hat der 18-Jährige aus Maxdorf versucht, nach dem Abitur in den Beruf einzusteigen. Während der Corona-Pandemie ist das allerdings noch schwieriger als sonst: Die Lufthansa hat beispielsweise ihren Ausbildungsbetrieb fürs erste eingestellt. Stattdessen fing er an, Maschinenbau zu studieren und geht den Traum vom Fliegen auf einem anderen Weg an. Über den Modellflug – seit der Kindheit sein Hobby – hatte er schon länger Kontakte zum FSV. „Wenn es sich beruflich nicht ergibt, möchte ich das Fliegen wenigstens privat machen“, sagt er. Auch Kai Hartenstein interessiert sich schon seit Langem für das Fliegen. Nach seinem Studium der Umweltwissenschaften will sich der 25-jährige Frankenthaler im kommenden Jahr bei der Bundespolizei bewerben, um dort ins Pilotenprogramm einzusteigen. Als er vom Ausbildungsstipendium des FSV erfuhr, überlegte er nicht lange. „Es bietet sich ja an“, sagt er, „ansonsten hätte ich das erst nach dem Studium in Angriff genommen“. Denn der Motorflug ist ein teures und zeitintensives Hobby.
Ein früherer Stipendiat hat es zum Linienpiloten gebracht
Die Hälfte der Ausbildungskosten, die sich auf rund 5000 Euro belaufen, übernimmt der Verein gemeinsam mit einer Stiftung, die ein Gründungsmitglied ins Leben gerufen hat, für die beiden Stipendiaten. „In unserer Vereinssatzung gibt es den Punkt, dass wir die Jugend fördern wollen. Daher ist das Stipendium von uns als Initialzündung gedacht“, sagt Marc André Kiehl, der beim FSV für die Ultraleicht-Ausbildung verantwortlich ist. Seit rund 15 Jahren bietet der Verein von Zeit zu Zeit diese Unterstützung für Einsteiger an. Aus einem der Stipendiaten aus der vorletzten Gruppe ist mittlerweile sogar ein Linienpilot geworden. Auf die diesjährige Ausschreibung, die vor allem an Schüler, Studierende und Auszubildende gerichtet war, hätten sich elf Bewerber, sechs Männer und fünf Frauen, aus der ganzen Rhein-Neckar-Region gemeldet. „Das war ein ganz enges Rennen“, sagt Kiehl. Nach einem persönlichen Gespräch mit jedem Bewerber standen Hartenstein und Schreier als Stipendiaten fest.
Erst die Theorie, dann 30 Flugstunden
Bis die beiden abheben können, dauert es aber noch etwas. Denn zuerst steht Theorie auf dem Plan: Funksprechen, Wetterkunde, Technik und Navigation – wegen Corona findet der Unterricht zunächst online statt.
Wenn die Theorie sitzt, müssen die Schüler 30 Flugstunden absolvieren, bis sie die praktische Prüfung zur Sportfluglizenz ablegen können. „Die meisten brauchen sechs, sieben Stunden mehr“, sagt Kiehl. Seine Schützlinge freuen sich vor allem darauf, während der Ausbildung zum ersten Mal ein Flugzeug alleine zu steuern. „Den ersten Alleinflug vergisst wahrscheinlich niemand“, sagt Schreier. Dazu müssen zwei Fluglehrer unabhängig voneinander bestätigen, dass der Schüler Start, Landung und Navigation sicher genug beherrscht. „Als Lehrer ist man da auch immer sehr nervös“, sagt Kiehl. Wenn er den Flugschein dann in der Tasche hat, will Schreier mit dem Flugzeug Freunde besuchen – oder auch mal nach Mannheim zur Hochschule fliegen. Neben seinem Studium macht er Drohnenaufnahmen für Werbefilme, auch da würde ihm der Flugschein gelegen kommen: „Bei spontanen Aufträgen passt es manchmal zeitlich gar nicht anders, als zu fliegen.“