Wachenheim
Sternekoch träumt vom perfekten Restaurant in Wachenheim
„An dem neuen Standort in Wachenheim wollen wir die Verbindung zwischen der Pfalz in ihrer Rustikalität und dem japanisch Filigranen, das sehr produktbezogen ist, herstellen“, sagt Benjamin Peifer. Umziehen will der 33 Jahre alte Koch von Kallstadt in das „Alte Pfarrhaus“ in der Weinstraße 31 in Wachenheim. Nach den umfangreichen Umbaumaßnahmen soll es das neue Domizil des Sternekochs werden.
Wenn Peifer von Japan spricht, meint er damit die japanische Denkweise – es geht nicht um die Herstellung von Sushi. In Japan sei es üblich, Produkte aus der unmittelbaren Nähe zu verarbeiten. „Für uns ist die Aromenwelt von Japan extrem spannend. Die versuchen wir mit unseren heimischen Produkten abzubilden, dann schmeckt es, als wenn ein Japaner hier kochen würde“, betont der 33-Jährige.
Aus dem bisherigen Standort herausgewachsen
In Wachenheim betritt er damit kein Neuland. Seit Dezember 2018 betreibt er im ehemaligen „Einst Achten“ an der Weinstraße 34 eine inzwischen mit einem Stern ausgezeichnete Bar mit dem Namen „The Izakaya“. Das „Intense“ hat der Sternekoch im Sommer 2017 in Kallstadt mit seiner Partnerin Bettina Thiel eröffnet, die sich als Sommelière um die Gäste kümmert. Zuvor hatte er im Neustadter Spitzenrestaurant „Urgestein“ gekocht, das 2013 erstmals mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet wurde.
„Wir sind aus dem ,Intense’ in Kallstadt rausgewachsen, dort hatten wir 16 Plätze und konnten die Nachfrage nicht mehr befriedigen. Wir haben dort einfach die Fläche nicht“, begründet Peifer seine Umzugspläne. In seinem neuen Wachenheimer Restaurant will er bis zu 28 Gäste begrüßen.
Feinschmecker-Rundgang
Der Aufenthalt in den neuen Räumlichkeiten soll für Feinschmecker ein echtes Erlebnis werden, betont Peifer. Der Gast werde zunächst in ein Wohnzimmer geleitet, das den „Charme von Omas guter Stube“ vermitteln soll. Hier würden der erste Aperitif und drei Snacks genossen – modern interpretierte Pfälzer Gerichte. Im Anschluss werde der Gast weiter durch die Räumlichkeiten geleitet.
Er passiere dabei eine Station, wo die Lebensmittel des Tages aufgebaut sind. Dann gehe er in einen Raum, in dem ihm eine Kartoffel-Dashi, als klare Essenz einer Pfälzer Grumbeersuppe, gereicht wird. „Damit erklären wir, dass wir Pfälzer sind, aber die japanische Küche mögen“, informiert der Spitzenkoch, der im neuen Restaurant zehn Mitarbeiter beschäftigen möchte.
Beim Zehn-Gänge-Menü kommt alles vom Grill
Für die Gäste geht es ihm zufolge weiter – an Weinklimaschränken und einem Zengarten vorbei – in den finalen Gastbereich, wo sie entweder im Bereich der Theke oder in einigen Nischen an den Tischen platziert werden. „Hier werden dann etwa zehn Gänge serviert, wobei der Fokus darauf liegt, dass alles vom Grill kommt“, beschreibt Peifer das Kernstück des Restauranterlebnisses.
Jährlich solle es sechs bis acht Menüwechsel geben. Am Ende seines Aufenthalts im „Intense“ werde der Gast nach gut drei Stunden mit der Gewissheit, einen außergewöhnlichen Abend erlebt zu haben, an der Küche vorbei nach draußen geleitet.
„Die Möglichkeit, so etwas zu realisieren, bekommt man einmal im Leben, und damit wollen wir international ganz oben mitspielen, denn das ist das perfekte Restaurant mit einem von vorne bis hinten durchdachten Konzept“, beschreibt Peifer seine künftigen Ansprüche. Man wolle nicht nur ein Essen servieren, sondern auch eine Interaktion bieten, sodass der Besuch im „Intense“ als kulinarisches Ereignis angesehen werden könne. „Wir bezeichnen es als ,Intense 2.0’ oder auch als ,Gastronomie 2.0’“.
In Wachenheim Impulse setzen
Der Wachenheimer Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) sieht in den ehrgeizigen Plänen eine Bereicherung für die Stadt. „Die alte Pfarrei wird mit Herzblut und viel Liebe zum Detail nach den Wünschen von Benjamin Peifer und Bettina Thiel und den Ansprüchen eines perfekten Restaurants gestaltet und trägt dann zur Vielfalt unseres belebten Stadtkernes bei“, betont er. Die Stadt unterstütze das Vorhaben durch das Stadtsanierungsprogramm „Historische Stadtbereiche“.
Ben Höller und Christian Jantscha finanzieren als Investoren das Projekt. Im neuen Restaurant werde ein bedingungsloses kulinarisches Erlebnis möglich sein. „Uns macht es große Freude, ein verfallenes altes Haus mit Historie wiederzubeleben und schön zu machen“, beschreibt Höller seine Beweggründe, sich an dem Projekt zu beteiligen und eine „große Summe Geld zu investieren“, die er nicht benennen möchte.
Für die Arbeiten sind Handwerker aus der Region erwünscht
Die beiden wollen nach eigener Aussage in Wachenheim Impulse setzen mit Dingen, an die sie glauben. Dabei hoffen sie auf Nachahmer. „Uns ist es wichtig, dass wir versuchen, den Umbau mit möglichst vielen lokalen und regionalen Handwerkern zu realisieren“, betont Jantscha. Er macht darauf aufmerksam, wie weitläufig und verwinkelt das Grundstück der „Alten Pfarrei“ sei, zu dem auch noch ein großer Garten gehörte.
„Das wissen die meisten Leute gar nicht.“ Neben dem Restaurantbereich, der sich von der Weinstraße aus bis zur Langgasse, wo den Besuchern acht Parkplätze zur Verfügung stehen, erstrecken wird, entstehen in dem Gebäudekomplex auch noch zwei Gästezimmer, die von den Restaurantbesuchern mitgebucht werden können.
Für Planung und Umsetzung sind Stefanie und Martin Naumann von „Naumannarchitektur“ aus Stuttgart und der Interieurdesignerin Larissa Schneeganß aus Bad Dürkheim verantwortlich.