Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Sportler im Blick: Nicolas Wrede trainiert die A-Junioren des SV 1911 Bad Dürkheim.

Seit 2017 ist Nicolas Wrede auch Schiedsrichter. Er habe „auch einmal diese Rolle kennenlernen wollen“, sagt der 27-Jährige.
Seit 2017 ist Nicolas Wrede auch Schiedsrichter. Er habe »auch einmal diese Rolle kennenlernen wollen«, sagt der 27-Jährige.

Der Neustadter Nicolas Wrede (27) ist im positiven Sinne fußballverrückt. In der vergangenen Saison war er Stammspieler bei Bezirksligameister SV Ludwigshafen und Schiedsrichter. Jetzt trainiert er auch noch die A-Junioren des SV 1911 Bad Dürkheim.

Trotz inzwischen vieler anderer Freizeitangebote gibt es sie immer noch, die positiv Verrückten, die am liebsten jede freie Minute auf einem Fußballplatz verbringen. Einer davon ist der Neustadter Nicolas Wrede (27), der in der vergangenen Saison bereits gleichzeitig Stammspieler des Bezirksligameisters SV Südwest Ludwigshafen und Schiedsrichter war. Zusätzlich fungiert er ab sofort auch als Trainer der A-Junioren des SV 1911 Bad Dürkheim.

„Das ist jetzt schon das zweite Spiel, das ich heute pfeife“, meinte der Filialleiter eines Discounters im Februar vor dem Anpfiff des Freundschaftsspiels ASV Harthausen – FV Berghausen auf dem Hambacher Kunstrasenplatz. Da A-Junioren-Landesligist JSG 1. FC 08/VfB Haßloch kurzfristig ein Testspiel gegen den FSV Oggersheim vereinbart hatte, klingelte bei Wrede das Telefon, ob er die Leitung der Partie übernehmen könne. Obwohl zwischen dem Ende der Begegnung in Haßloch und dem Beginn des Spiels in Hambach nur etwas mehr als eine Stunde lagen, sagte er zu. „Nico ist mein Lieblingsschiedsrichter“, freute sich Hambachs Jugendleiterin Manuela Hanewald. Wahrscheinlich ist es die unspektakuläre Art, wie er ein Spiel leitet, die ihn bei Vereinen beliebt macht.

Erste Erfahrung als Trainer bei VfL Neustadt

Wredes Heimatverein ist die SG Mußbach, bei der er seine Karriere begann und bis zu den B-Junioren spielte. Danach wechselte er zum SV Gommersheim, für den er seine Zeit als A-Junior auch die ersten eineinhalb Jahre als Aktiver verbrachte. „Gommersheim spielte damals in der Landesliga. Das war der bisherige Höhepunkt meiner Karriere“, blickte er zurück.

Weitere Stationen waren unter anderem der VfL Neustadt, bei dem er in der Saison 2017/2018 nach dem Rücktritt von Trainer Rudolf Benkler als Interimscoach auch erste Erfahrungen als Trainer sammelte. 2018 wechselte er zusammen mit VfL-Stürmer Patrick Pfaff in die Südpfalz zum SV Erlenbach. Dort bildeten Pfaff und Wrede ein Trainerduo. Was danach kam, klingt wie ein Märchen. Wrede übernahm im vergangenen Jahr bei Südwest Ludwigshafen als Co-Trainer der Zweiten Mannschaft, bestritt auch fünf Testspiele in der ersten Garnitur und überzeugte dabei Chefcoach Frank Wieschalla dermaßen, dass er in der Abwehr einen Stammplatz bekam und mit dem SV Südwest dem Wiederaufstieg in die Landesliga immer näherkam. „Mich an die Bezirksliga gewöhnen zu müssen, war schon eine Herausforderung, und die Landesliga wird natürlich eine noch größere“, teilte er nach mehreren Jahren in der A- und B-Klasse mit. „Mein Ziel ist es auf jeden Fall, später als Trainer tätig zu sein“, stellte er klar.

Kommunikativer Führungsstil

Als Schiedsrichter ist Wrede seit 2017 aktiv. „Die Hauptgründe waren, dass ich auch einmal diese Rolle kennenlernen wollte und ich dadurch außerdem in Bewegung bleibe“, verriet er. Die höchste Liga, in der er pfeift, ist die A-Klasse. In der Bezirksliga agiert er gelegentlich als Assistent. „Als Spieler von Südwest Ludwigshafen werde ich aber nicht in Ligen, denen eine Mannschaft des SV Südwest angehört, eingesetzt. Der Verband achtet sehr darauf, dass ich mit den Teams keine Berührungspunkte habe, die an Spielen beteiligt sind, die ich pfeife“, ließ er wissen.

Wrede pflege als Unparteiischer einen kommunikativen Führungsstil. „Ich erkläre gerne meine Entscheidungen den Spielern sofort. Wenn mich ein Trainer anschreit, schreie ich auch einmal zurück, und dann ist meistens auch schnell wieder Ruhe“, sagte er dazu. Auch er habe in den vergangenen Jahren eine Verrohung der Sitten auf den Fußballplätzen festgestellt. „Ich hatte auch schon einen Spielabbruch. Ein Zuschauer hat mir damals gedroht, mich zu schlagen. Ein negativer Höhepunkt war natürlich das D-Junioren-Verbandsligaspiel TSV Königsbach – VfR Wormatia Worms, in dem ich einem Wormser Spieler in der letzten Minute wegen eines Faustschlags die Rote Karte zeigen musste. Bei den D-Junioren!“, berichtet er von bisher erlebten unliebsamen Zwischenfällen. Angst habe er nicht. „Wenn man Angst hat, darf man etwas erst gar nicht machen. Außerdem kann einem überall etwas passieren“, meinte er.

„Passt einfach von allen Seiten“

„Durch die Schiedsrichterei habe ich schon immer einen guten Draht zum Bad Dürkheimer Jugendleiter Christian Müller gehabt. Zuerst war nur geplant, das ich drei bis vier Probetrainings leite, um mit attraktivem Fussball Jungs an Land zu ziehen. Das wurde jetzt aber doch mehr, da es einfach von allen Seiten passt“, berichtete Wrede. Anfangs seien nur sechs Spieler gekommen, inzwischen seien schon 19 A-Junioren da. „Wir haben eine schlagkräftige Mannschaft. Priorität hat der Spaß am Fussball. Ziel ist es, der zukünftigen Aktivität einen anständigen Unterbau zu bieten“, ergänzte er. Die A-Junioren des SV 1911 Bad Dürkheim bestreiten am kommenden Samstag, 2. August, um 16 Uhr im Stadion Trift ihr erstes Vorbereitungsspiel und treffen dabei auf die JSG Mittelhaardt.

Der SV 1911 solle endlich wieder ein ordentliches Aushängeschild bekommen, und damit müsse man bei der Jugendarbeit anfangen. „Durch meinen Beruf kann ich mir zum Glück meine Zeiten so legen, dass nichts zu kurz kommt“, freut sich Wrede. Toll sei, eine Partnerin zu haben, die mit seiner überdurchschnittlichen Fußballleidenschaft zurechtkomme. „Meine Freundin ist immer dabei und stört sich nicht an meinem Hobby. Anders ginge es auch nicht“, stellte der Spieler, Schiedsrichter und Trainer zufrieden fest.

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