Bad Dürkheim Spontane Zusagen, tolles Konzert

Ein grippaler Infekt verhinderte am Freitag den geplanten Auftritt des Ex-Söhne-Mannheims-Sängers Rolf Stahlhofen im Verbund mit den Friday Night Igels Peter Stahl (Gesang, Gitarre), Wolfy Ziegler (Bass) und Armin Rühl (Schlagzeug). Mit dem Konzert sollte die Saisoneröffnung der After-Work-Partys des Vereins Musik und Kultur in Weisenheim (MuK) in der Musikkneipe Adler gefeiert werden. Doch gute Freunde der Igels sprangen spontan ein und bescherten den Zuschauern einen tollen Abend.
Schön, wenn man wie die Igels gute Freunde und Kollegen hat, die sich spontan bereiterklären, die entstandene Lücke zu füllen. Keyboarder Axel Steinbiss aus Köln hatte sein Kommen schon im Vorfeld zugesagt und hielt sein Versprechen auch, als er erfuhr, dass Stahlhofen nicht mit von der Partie sein kann. Um Sänger Christian Stockert nach Weisenheim zu holen, genügte ein Telefonat. Er gehört seit langem zum näheren Umfeld der Igels und mag die intime Atmosphäre, die sich im Adler grundsätzlich zwischen Künstlern und Publikum aufbaut. Gitarrist Christoph Melzer gehört zur Stahlhofen-Band und hatte mit seinem namensgebenden Frontmann am Donnerstag noch in Paris gespielt. Als dieser dann wegen seiner Krankheit absagen musste, entstand die Idee, dass Melzer für ihn einspringen soll, damit wenigstens ein Stück Stahlhofen im Adler anwesend wäre. Es war also ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der sich da dem Publikum präsentierte. Dieses war gespannt, wie gut und schnell sich die Musiker ohne vorherige Probe aufeinander einstellen können. Beim Igels-Trio war klar, dass sie in der Lage sind, alles und mit jedem zu spielen – das haben sie bei unzähligen Auftritten mit Kollegen bereits gezeigt. Ihre Gäste dagegen schienen in ihrer Flexibilität vermeintlich weniger geübt, da sie in ihren Stammformationen eigentlich immer festen Bereichen Pop/Rock (Melzer), Soul (Stockert) und sogar Jazz/Klassik (Steinbiss) zugeteilt sind. Doch die drei Musiker sind erfahrene Profis, die gerade durch die Herausforderung, nicht zu wissen, was auf sie zukommt, zur Höchstleistung auflaufen. Besonders Axel Steinbiss zeigte sich während des Abends in ungezügelter Spiellaune und erklomm bereits beim ersten Stück „Hi-Heel Sneakers“, das die Igels zur Eröffnung eigentlich alleine zum Besten geben wollten, die Bühne und bereicherte den Bluesrock-Klassiker mit perfektem Orgelsound. Als nächster stieß Christoph Melzer zur Gruppe und übernahm Gesang und Leadgitarre zu George Michaels „Faith“. Als dazu wiederum Axel Steinbiss ein Wahnsinns-Solo auf seinem Keyboard beisteuerte, fanden sich die Rest-Igels – wie von ihnen vorher erhofft – sehr schnell in der Rolle der Begleitband wieder. Melzer wusste mit sehr guter Stimme und großem handwerklichem Geschick auf seinem Instrument zu überzeugen. Zur John-Mayer-Version von „Free Fallin’“ lieferte er sich ein Gitarrenduell mit Peter Stahl, das für begeisterte Pfiffe unter den Zuschauern sorgte, bevor er mit „Still got the Blues“ von Gary Moore bewies, dass er sich durchaus auch im Zwölftakt-Genre zuhause fühlt. Lange hatte er allerdings nicht Gelegenheit sich dort aufzuhalten, denn nun war die Zeit für Christian Stockert gekommen das Mikrofon zu übernehmen und mit schweißtreibenden Funkrocknummern von James Brown, darunter auch dessen Paradestück „Sex Machine“, das Publikum zum Tanzen zu animieren. Dies gelang ihm so gut, dass sich sogar der sich sonst immer sehr ernst und stoisch gebende Wolfy Ziegler dazu hinreißen ließ, unter dem Jubel seiner Fans eine kesse Sohle aufs Parkett zu legen. Dies stellte im Adler ein absolutes Novum dar und wird sich wohl so schnell nicht wiederholen. Erst einmal warm gespielt, beließen es die Musiker allerdings nicht alleine bei Pop, Funk und Blues. Mit „Personal Jesus“ von Depeche Mode wagten sie sich bis ins Synthie-Pop-Gefilde vor, Stings „Englishman in New York“ sorgte für den notwendigen Reggae-Anteil und AC/DCs „You shook me all Night long“ interpretierte die Band in einer ungewöhnlichen Country-Version. Trotz der Enttäuschung über das Fehlen von Stargast Rolf Stahlhofen gab es um 22 Uhr, als nach der Zugabe „Unchain my Heart“ Schluss war, niemanden, der es bereut hatte, dabei gewesen zu sein. |hk